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Region Live-Musik: Das läuft im Mai auf Hannovers Club-Bühnen
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Termin-Vorschau - Live-Musik: Das läuft im Mai auf Hannovers Club-Bühnen

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02:01 16.05.2019
Michelle Ailjets kommt in den Kulturpalast. Quelle: Jan Krueck
Hannover

Im Mai beginnt der Rekord-Reigen der hannoverschen Super-Shows mit den Backstreet Boys, Mark Knopfler, den Fanta-4 – und später den Open-Air-Shows. Aber um die geht es hier nicht. Hier stellen wir Gigs auf den kleinen Bühnen der Stadt vor. Die Tipps sind nerdisch by Nature. Was wir empfehlen, ist keine Bestenliste und kein Zeitgeist-TÜV, sondern eine sehr persönliche Auswahl mit einem deutlichen Singer/Songwriter-Drall.

Ab sofort gibt es diese Liste übrigens auch wochenweise als Video-Kolumne. Einfach merken: Der Link ist immer haz.de/musstesehen. Interessiert? Hier entlang!

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Tété, 10.5., Lux

Sie nennen ihn zuweilen den französischen Jeff Buckley. Puh, ordentliche Schuhgröße. Die Gelegenheit, sich selbst davon zu überzeugen, ob sie dem Senegalesen Niang Mahmoud Tété passt, gibt es im Lux. Das aktuelle Album heißt „Fauthentique“. Bisschen französische Wortakrobatik: Aus faux für falsch und authentique wird Fauthentique – die Frage nach falschen Authentizitäten - vulgo: Fake News. Und das kann in diesen Zeiten nicht falsch sein.

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Michelle Ailjets, 13.5., Kulturpalast

Michelle Ailjets, Oldenburgerin, schreibt Songs, seit sie zwölf Jahre alt ist. Inzwischen kommt sie viel herum mit diesen tiefen, trockenen Liedern. Auch in Hannover war die großartige Komponistin und schlaue Texterin schon zu hören, etwa auf der Fête de la Musique. Wer Ailjets gesungenen Gebrauchsanweisungen für Gefühle, Freunde und andere Katastrophen noch nicht kennt, hat jetzt die Gelegenheit, das zu ändern. Mit dabei im Kulturpalast ist außerdem Freund von Anton, ein Singer/Songwriter aus Hamburg.

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Fabrizio Cammarata, 16.5., Lux

Ich leg mich mal fest: Die Schwermut in den Liedern von Fabrizio Cammarata übertrifft die von Michael Stipe, der vor Urzeiten mit REM unsere Tränendrüsen massierte, und sogar Philipp Poisel. Der Unterschied liegt vielleicht darin, dass Cammarata in seinen wirklich schönen Songs noch die Sehnsucht nach erfüllbarer Liebe treibt, die Hoffnung, dass die richtige Umarmung noch ganz viel retten kann. Na ja, und Cammarata, der Sizilianer aus Palermo, sieht halt so aus, als hätte man auch mit ihm die männliche Hauptrolle in „La-La-Land“ besetzen können. Da wäre Stipe auch eher zweite Wahl gewesen. Cammaratas Besuch ist ein Konzert mit dem perfekten Soundtrack für Liebeskummer. Unbedingt ausreichend Taschentücher mitbringen.

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Jeremias, 17.5. Lux

Gib diesem Jungen ein Schlagzeug, eine Gitarre ein Klavier, ein Cello – ganz egal, es kommt immer bemerkenswerte Musik heraus. Im Knabenchor hat der Isernhagener Jeremias Heimbach auch gesungen, erst als Sopran, dann nach dem Stimmbruch als Tenor. Für die Fête de la Musique hat er erstmals 2015 eine Band zusammengestellt, und jetzt kommt er mit seinen Disco-inspirierten, modernen deutschen Popsongs mal wieder auf die Bühne im Lux. Die Band, leicht zu merken, heißt genau so wie er mit Vornamen.

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Daniel Brandt, 17.5., Feinkost-Lampe-Konzert im Festzelt der Kunstfestspiele Herrenhausen

Ach ja, die Kunstfestspiele in Herrenhausen sind ja auch wieder dran. Das Team von Feinkost Lampe setzt da im Festzelt epische Akzente für Musiknerds: zum Beispiel Daniel Brandt & Eternal Something. Faszinierende Jazz-Electro-Frickel-Avantgarde (siehe Video). Außerdem dringend zu empfehlen: Klaviervirtuose Aron Ottignon (12.5.) und amiina (21.5.) die live den historischen Stummfilm „ Fantômas“ vertonen.

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Ventura, 18.5., Lux

Mal richtiger Rock: Die Band Ventura besteht aus den beiden Terry-Hoax-Musikern Martin Wichary und Kai Schiering sowie Schlagzeuger Tommy Krammling, der sonst bei Portless an der Schießbude sitzt. Ein richtiges Video war auf die Schnelle nicht zu finden. Einstweilen müssen wir uns mit einem kurzen Teaser-Clip begnügen. Was das Publikum soundmäßig erwartet kommt dabei trotzdem ganz gut rüber.

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Vivie Ann, 20.5., Lux

Man muss sich vor dem fürchten, was die große Bühne mit dieser Stimme anrichten kann. Denn Spuren Schmalz sind schon jetzt zu hören. Fängt das Theatralische, das Celinedionhafte an zu wuchern, wenn sich erst 1000 Scheinwerfer und Kameras auf Vivie Ann richten? Auf der kleinen Bühne im Lux sind die Wahl-Hamburgerinund die Besucher noch auf der sicheren Seite. Da wird der Raum erfüllt vom Ehrlichen, vom Fragenden und Fragilen in der Stimme und in den Liedern, in die Vivie Ann ihre Geschichte(n) verpackt. Eine dringende Hörempfehlung. Das Video zum Song „Obsolete Majesty“ läuft rückwärts. Nur ein Gimmick, langweilig nach 'ner Minute? Nope. Unbedingt bis zum Ende dranbleiben.

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The History of Gunpowder, 21.5., Kulturpalast

Herrlich verrückte, verruchte Vaudeville-Rockwelt: Als wäre der Bandname The History of Gunpowder noch nicht abwegig genug, präsentiert sich Sänger Alex James Morison, als wollte er als Johnny-Depp-Double noch mal eine Runde durch Tim Burtons Schokoladenfabrik drehen. Musikalisch? Eine völlig psychedelische Mischung aus Blues, Rock, Bluegrass und Krakeel. Video angucken, weißte Bescheid.

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--!-- ABGESAGT --!-- Schafe & Wölfe, 23.5., Faust

Schafe & Wölfe. Das Konzert hätten wir wirklich gern empfohlen. Geht aber nicht. Es wurde am 16. Mai kurzfristig abgesagt. Hier der entsprechende Facebook-Post von Sänger Christian Hyla.

Leider sind alle Konzerte ersatzlos abgesagt... https://www.facebook.com/schafeundwoelfe/videos/357611035109688/

Gepostet von Schafe & Wölfe am Mittwoch, 15. Mai 2019

Jammerschade. Aber jetzt erst recht: Es lohnt sich, diese Band mal zu merken. Vielleicht für den nächsten Besuch. Denn der Sound klingt so, wie wenn man Indie-Rock, Electro und ein bisschen Punk unter den Mähdrescher wirft. Und das, was hinten rauskommt, brüllt Hyla mit einer Stimme raus, die in ihren stärksten Registern so klingt wie das Geräusch, wenn man beim Rangieren im engen Parkhaus einen Pfeiler mitnimmt. Hoffentlich kommt rüber, dass das positiv gemeint ist. Das Video vom Song „Niemals wie die anderen“ zeigen wir trotzdem. Weil's gut ist.

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Albin & Mika. 23.5., Feinkost Lampe

Achtung, Nerd-Alarm: Die beiden Schweden Albin Johansson und Mika Forsling nehmen Videos ihrer Musik auf und schreiben nichts als „TR-606, CR-78, SH-101, Jupiter 4, MS-10, Juno 60“ darunter. Wie bitte? Normalen Menschen sagt das nichts. Auskenner lesen in den Chiffren die ersten sechs der Zehn Gebote für angewandten Synthesizer-Retro-Wahnsinn (siehe Video). Nur der Vollständigkeit halber: Die vier fehlenden sind Moog, ARP, EMS und Buchla.

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Espana Circo Este, 24.5., Béi Chéz Heinz

Der Name führt in die Irre: Die Mitglieder des Espana Circo Este stammen nicht aus Spanien, sondern aus Italien und Argentinien. Sie mischen ihren Sound aus Tango, Polka, Ska, Balkan-Beat und Punk. Hört sich das entfernt wie Manu Chao an? Ja, aber wie Manu Chao auf Speed. Siehe Video.

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Paul Fogarty, 25.5., Der Nachbarin Café (Breakfast & Music)

Die Idee, lecker in einem Bistro zu frühstücken und dabei noch mit Livemusik unterhalten zu werden, ist für sich schon attraktiv. Im Der Nachbarin Café (Faust) wird's unwiderstehlich, wenn Paul Fogarty den Soundtrack spielt. Der Australier, der inzwischen nach Deutschland übergesiedelt ist, singt Balladen über Liebe, Leben und den ganzen Rest und begleitet sich dabei mit Gitarre, Ukulele oder Piano – was halt grad zur Hand ist. Der Multiinstrumentalist ist da nicht so wählerisch, aber auf allen Instrumenten virtuos.

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Nur der Vollständigkeit halber: Für den April hatten wir DIESE Empfehlungen abgegeben (u. a. mit Alice Phoebe Lou, Mogli, Meadows und Paul Weber).

Von Volker Wiedersheim

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