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Nachrichten Kultur Region „Es war einmal ... das Leben“ am Schauspiel Hannover
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00:15 28.02.2019
Szene aus „Es war einmal ... das Leben“ am Schauspiel Hannover. Quelle: Karl-Bernd Karwasz
Hannover

Es geht schon hoch her in so einem Körper: „Hast du mein ATP gesehen?“, kreischt ein genetisch veränderter Lymphozyt eine Zelle in einem Autowrack an, während weiter hinten fröhlich Dopamin und sonstige körpereigene Drogen geschluckt werden und pumpender Deephouse über die Bühne vibriert. Der Körper, das ist bei dem Regisseur Łukasz Twarkowski eine Technoparty, in der das Herz mit 120 beats per minute den Rhythmus vorgibt und das Gehirn die härteste Tür der Stadt ist. Und damit ist er weit entfernt von der kuscheligen Welt des französischen Zeichentrickklassikers „Es war einmal...das Leben“ von 1987, auf dem die Inszenierung im Schauspiel basiert.

Ständige Überforderung

Folgendes passiert: Durch einen Autounfall liegt ein Mann im Koma (den Part des erkrankten Dieter Hufschmidt übernimmt in der Premiere Wolf Bachofner). Im Krankenhaus wird bei ihm ein Hirntumor festgestellt, den sein Sohn mit Hilfe genetisch veränderter weißer Blutkörperchen heilen möchte.

Aus dieser Situation entfalten sich mehrere Erzählebenen, eine im Krankenhaus, eine aus Rückblenden, eine im Körper des Kranken, die sich in der gut vierstündigen Inszenierung motivisch vermischen. „Es war einmal ... das Leben“ ist dabei ständige Überforderung: Fast den ganzen Abend hindurch gibt es Musik, die zweite Hälfte ausschließlich Techno, komplexe Live-Kamera-Choreografien doppeln, verfremden oder ergänzen die Handlung auf der Bühne, ein fahrbarer, auf einer Seite einsehbarer Bunker auf der Bühne wird mal zum Krankenzimmer, mal zum Labor, fährt mal vor, mal zurück, mal in die Bühne und wieder hinaus und wird dabei innen und auf dem Dach bespielt.

Die vom Autor des Stückes Marcin Cecko im Vorfeld angedeutete Reise in den Körper von Carsten Maschmeyer ist „Es war einmal ... das Leben“ dabei aber nicht. Eher eine Reise in den Körper des Vaters einer Figur, die ein wenig an Maschmeyer angelehnt ist. Immerhin gibt es Lacher aus dem Publikum, als der Sohn sagt: „Ich habe zusammen mit meiner Frau einen Film produziert, eine romantische Komödie, die im Winter die Wohnungen in Deutschland gewärmt hat.“ Aber gut. Es geht in „Es war einmal...das Leben“ ja auch um die inneren Werte.

In der Körperdisco

Genau wie die Zeichentrickserie mit Nostalgiefaktor versucht die Inszenierung, komplexe Sachverhalte einfach darzustellen. Es gibt eine Talkshow-Szene, in der kurz die aktuelle Diskussion um genetisch veränderte Embryonen in China aufgegriffen wird. In emotionalen Szenen wird die Fünfecksbeziehung aus Vater, Sohn, Frau des Sohnes, Mutter und zweiter Frau des Vaters aufgearbeitet, gleichzeitig läuft die Körperdisco immer weiter, aber eigentlich geht es auch im Wissenschaft: „Die Wissenschaft ist das Fundament unserer Gesellschaft“ wird einmal in einem eingespielten Sprechtext gesagt, und sowieso: Es geht um nicht weniger als das Verstehen selbst.

So wird das Bühnengeschehen mit viel Kunstnebel und seinen eleganten motivischen Verknüpfungen der parallelen Handlungen eine sehr dichte, stellenweise eben überfordernde Angelegenheit, die trotz der Länge der Inszenierung nicht langweilig wird. Wobei allerdings nach der Pause viele leere Plätze im Zuschauerraum auffallen.

„Es war einmal...das Leben“ ist Twarkowskis erste Inszenierung im deutschsprachigen Raum –es dürfte allerdings nicht die letzte bleiben: „Es war einmal das...Leben“ macht Lust auf mehr.

Wieder am 26. Februar sowie am 13. und 22. März und am 9. und 27. April.

Zitat: „Die Wissenschaft ist das Fundament unserer Gesellschaft“

Aus „Es war einmal ... das Leben“

Von Jan Fischer

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