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Theater: „Freischütz“-Regisseur Kay Voges wird Intendant in Wien

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19:07 07.06.2019
Kay Voges vor der Staatsoper Hannover.
Kay Voges vor der Staatsoper Hannover. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Wien

Der scheidende Intendant des Schauspiels Dortmund, Kay Voges, geht nach Wien. Er übernimmt dort zur Saison 2020/21 die Leitung des Volkstheaters, wie die Stadt Wien am Freitag bekanntgab. Der 47-Jährige folgt auf Direktorin Anna Badora. Voges ist der zweite renommierte Theaterdirektor, der demnächst aus Deutschland nach Wien geht: Martin Kusej wechselt zur Saison 2019/20 vom Münchner Residenztheater an das Burgtheater.

Gegenentwurf zum Burgtheater

Das Volkstheater, 1889 als bürgerliches Gegenstück zum Burgtheater gegründet, ist eine der größten Sprechbühnen im deutschsprachigen Raum. Er wolle in Wien eine „Factory für Theaterkunst in ästhetischer und politischer Auseinandersetzung mit der Gegenwart“ machen, kündigte Voges an. „Die Digitalisierung wird für mich eine wichtige Rolle spielen.“ Die Fachzeitschrift „Theater Heute“ verpasste ihm das Label „digitaler Zauberlehrling“.

Aufregung um Inszenierungen in Hannover

Voges gilt als experimentierfreudiger Innovator, der dem Schauspiel Dortmund weit über die Grenzen der Ruhrgebietsstadt hinaus Renommee verschafft hat. In Hannover hat er 2015 als Gastregisseur mit seiner umstrittenen Inszenierung von Carl Maria von Webers Oper „Der Freischütz“ für Diskussionen gesorgt. 2018 hatte seine Version von Verdis „Aida“ an der Staatsoper Premiere.

Mit seiner grellen Erzählweise hat Voges Freunde traditioneller Theaterkunst zunächst erschreckt, dann aber ein bewunderndes Publikum gefunden. Oft hat er die Bühne zu einem Livespektakel gemacht, mit Elementen des Kinos, der Videokunst, Tonregie und Schnitttechnik. Der Prozess sei „eine anstrengende Abenteuerreise“ gewesen, sagte Voges zum 50. Bestehen der Dortmunder Spielstätte im Herbst 2018.

Wien erwartet „Tag des Zorns“

Voges wird dem Wiener Publikum schon in Kürze eine Kostprobe liefern: Kusej hat ihn für als Regisseur für eine „Endzeit-Oper“ unter dem Titel „Dies irae – Tag des Zorns“ am Burgtheater verpflichtet. Sie soll im Dezember auf die Bühne kommen.

Dass Voges Dortmund nach zehn Jahren 2020 verlässt, war bekannt. Seine Nachfolge dort soll als eine der jüngsten Intendantinnen in Deutschland die 34 Jahre alte Regisseurin Julia Wissert übernehmen. Unter Voges hatte das Schauspiel Dortmund in Nordrhein-Westfalen dreimal hintereinander den NRW-Kritikerpreis als Theater des Jahres bekommen. Mit dem Stück „Die Borderline Prozession“ schaffte Voges es 2017 erstmals zum Berliner Theatertreffen.

„Aida“ ist in der Inszenierung von Kay Voges auch im Spielplan der neuen hannoverschen Opernintendantin Laura Berman zu sehen: Wiederaufnahme ist am 12. Juni 2020.

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Von Christiane Oelrich