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11:11 24.03.2019
Sibylle Brunner in „Almas Momente“. Quelle: Joachim Giesel
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Hannover

Es geschieht nicht oft, dass eine Schauspielerin den Vorabend ihres 80. Geburtstages damit verbringt, in einer Rolle auf der Bühne zu stehen, die vom Alter erzählt, von Erinnerungen und deren Verlust – von der Frage, was ein Leben ausmachen könnte. Sibylle Brunner hat sich das Thema gewünscht und eigene Beobachtungen zur Stückentwicklung im Theater in der List beigetragen. Dort spielt sie seit Jahren, führt inzwischen auch hin und wieder Regie. Die hat sie bei „Almas Momente“ Hans Zimmer überlassen, der auch den Bühnentext verfasste.

Brunner kam vor fast 30 Jahren nach Hannover, als sie Mitglied des Staatsschauspiel-Ensembles wurde. Zuvor hatte sie an vielen Häusern im deutschsprachigen Raum gespielt, unter anderem in Düsseldorf, Kiel, Essen, Karlsruhe, Freiburg – und in Zürich, wo sie geboren wurde. Sie begann erst spät, auch in Filmen zu spielen und gewann für ihre erste Kino-Hauptrolle im Jahr 2013 gleich den Schweizer Filmpreis.

Die Geschichte ihrer Figur in „Almas Momente“ ist nicht ihre eigene. Doch es gibt Durchdringungen. Alma war Souffleuse, zitiert gerne aus Bühnentexten, fällt hin und wieder ins Schweizerdeutsche. Einige der im Hintergrund projizierten Fotos aus ihrem Leben stammen aus Brunners Privatarchiv. Almas Tochter Olivia, gespielt von Inga Kolbeinsson, ist Fotografin. Die von ihr festgehaltenen Augenblicke strukturieren die Erzählung, machen das Thema erinnerter Details und Situationen allgegenwärtig. Olivia kümmert sich um ihre Mutter, seit diese dement zu werden beginnt.

Das Stück erzählt, wie das Leben der Vergangenheit das gegenwärtige einholt, wie Erinnerung zu Alltag und Alltag zu Erinnerung wird. In vielen kleinen Momenten gelingt ihm eine behutsame Annäherung an sein Thema, an Orientierungslosigkeit und Kontrollverlust, das Ringen um Würde, den Verlust von Persönlichkeit und an wachsende innere Einsamkeit. Die Inszenierung lässt ihrer Hauptdarstellerin viel Raum. Das Theater in der List erlaubt Nähe, die Brunner mit großem Ausdruck in kleinsten Gesten souverän nutzt.

Sie spielt schwungvoll mit ironischen Andeutungen von Theatralik und schafft es, Humor in den tragischen Stoff zu schmuggeln. Affekte und Emotionen wirken nicht reproduziert, sondern tief verinnerlicht. Die Rahmenerzählung will dabei allerdings bisweilen zu viel, gefällt sich in wohlklingenden Erklärungen und Metaphern. So versteift sich die Inszenierung, wo Brunners schillernde Dynamik nicht wirken kann. „Almas Momente“ ist ihr Stück. Die Premierenfeier geht schließlich um Mitternacht in eine Geburtstagsfeier über. Und alle sind eingeladen.

Weitere Aufführungen am 27., 29. und 30. März sowie am 5., 12., 13., 24. und 26. April, jeweils um 20 Uhr in der Spichernstraße 13.

Von Thomas Kaestle

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