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Region Gilbert O’Sullivan singt alte und neue Songs
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12:00 11.04.2019
Gilbert O’Sullivan im Theater am Aegi. Quelle: Christian Behrens
Hannover

51 Jahre hat Gilbert O’Sullivan gebraucht, um den Song „What Can I Do?“ nach seiner ersten Plattenaufnahme zum ersten Mal in Hannover zu spielen. „Es ist schön, zum ersten Mal in dieser Stadt zu sein“, sagt er höflich zu seinen 600 Fans im Theater am Aegi, denen er neben einer Reise durch seine Karriere Einblicke in sein aktuelles Album gewährt, das im vergangenen August erschien und nur den Namen des Künstlers als Titel trägt. Auch an seinen ersten musikalischen Erfolg erinnert O’Sullivan. Die Single „Nothing Rhymed“ stieg 1970 in die englischen Charts auf und war der Beginn einer Hochphase des gebürtigen Iren in den Siebzigerjahren.

Angenehm altmodischer Singer-Songwriter-Pop

Mehr als die Hälfte der Songs, die er bei seiner verspäteten Hannover-Premiere spielt, stammt aus dieser Phase. In ihrem Kern steckt angenehm altmodischer, minimalistischer Singer-Songwriter-Pop, leicht, beschwingt oft ein wenig melancholisch. Ab und zu brechen die Songs kurz in Blues oder Rock aus. Im Mittelpunkt steht O’Sullivans klare Stimme, die nichts von ihrer Präsenz verloren hat. Statt wie manche seiner noch aktiven Zeitgenossen an einem auf Hochglanz polierten Flügel, sitzt der jugendlich wirkende 72-Jährige unprätentiös hinter einem etwas abgegriffenen Keyboard.

Eingängign Melodien, kleine Geschichten

Auf eine große Band verzichtet er bei dieser Tournee. Lediglich sein langjähriger Gitarrist Bill Shanley begleitet ihn. Gemeinsam füllen sie die große Bühne ohne erkennbare Anstrengung mit eingängigen Melodien und kleinen Geschichten, mit Intimität, Ruhe und Lässigkeit. O’Sullivans Songs scheinen aus der Zeit gefallen, ohne jeden Drang, etwas beweisen zu müssen, aber eben auch ohne eine alles überdeckende Patina. Sie sind gereift, aber erstaunlich frisch und zugänglich. Sie brauchen sich nicht zu verstellen, weil sie so beschwingt, weit und offen klingen wie eh und je.

Daran hat Shanley einen wesentlichen Anteil. Er setzt seine Gitarren in bestechenden Arrangements zugleich präzise und mit großer Leichtigkeit ein. Ausgerechnet O‘Sullivans große Hits scheinen die beiden Musiker jedoch eher halbherzig am Ende ihres Konzertes abzuarbeiten. Nach „Alone Again“, „Matrimony“ und „Get Down“ ist trotz Jubels im Publikum alles schnell vorbei. Weit weniger bekannte Stücke haben ihrem Autor zuvor sichtlich mehr Freude bereitet. Und tatsächlich müssen sich gerade die neuen nicht hinter den bewährten Songs verstecken. Wie diese überbrücken sie Jahrzehnte.

Am Sonnabend, 13. April, gastiert um 20 Uhr Ute Lemper im Theater am Aegi.

Von Thomas Kaestle

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