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Theater am Aegi in Hannover: „Ein Amerikaner in Paris“ als große Tanzshow

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12:10 31.01.2020
Theater im Theater: Craig Lucas lässt die Geschichte im Umfeld einer Tanztruppe spielen. Quelle: Navid Bookani
Hannover

Was jetzt als Musical „Ein Amerikaner in Paris“ über die Bühne des Theater am Aegi stürmte, war hauptsächlich ein opulentes und vitales Tanzfest. Das Euro-Studio Landgraf hatte den 2015 von Craig Lucas geschaffenen Broadwayerfolg auf Gastspielreise geschickt.

Obwohl es im Titel heißt „Musical nach dem gleichnamigen Film“ ist das Stück kein billiges Remake des berühmten Gene-Kelly-Films von 1951, sondern eine neue Erzählung vom Amerikaner Jerry und der Französin Lise, die sich in Paris begegnen und ineinander verlieben. Der Autor verlegt die Handlung in die Monate nach der Befreiung der Stadt von der Nazi-Herrschaft. Alle Personen wachen gerade aus der seelischen Erstarrung auf, die Krieg und Verfolgung gebracht hatte, jeder mit seinem besonderen Lebenslauf.

Geschickt eingebaute Hits

Außerdem lässt Craig Lucas die Geschichte im Umfeld einer Tanztruppe spielen. Theater im Theater. Trotz dieser Verfremdungen der ursprünglichen Filmerzählung bleibt das Ganze ein glänzender Gershwin-Abend. Man hört mit Vergnügen die szenisch geschickt eingebauten Hits wie „I Got Rhythm“ oder auch „’S Wonderful, ’s Marvelous“. Der unvergleichliche Gershwin-Sound mit seiner Mischung aus Swing, Klassik und amerikanischem Musicalsound kommt satt aus dem Orchestergraben, als säße da ein ganzes Symphonieorchester. Dabei spielten nur zehn Musiker des Krzysztof Klima Festival Orchesters aus Krakau. Unter der Leitung von Heiko Lippmann sind sie zuverlässige Partner für das Bühnengeschehen.

Begeisternde Bühnenshow

Dort hat der Regisseur und Choreograf Christopher Tölle mit einer temporeich wechselnden Mischung aus Schauspiel, Songs und vor allem Tanz eine begeisternde bunte Bühnenshow inszeniert. Bewundernswert, mit welcher Präzision, Ausdauer und Kraft das Ensemble sich durch eine von Sekunde zu Sekunde wechselnde Choreografie tanzte. Die wiederum ist höchst einfallsreich von der Klangwelt der Zwanzigerjahre mit Gershwin-Musiken wie „Concerto in F“, „Cuban Ouverture“ und „Ein Amerikaner in Paris“ inspiriert. Das 20-köpfige Ensemble ist ausnahmslos mit qualifizierten Leuten besetzt. Herausragend dabei der singende Tänzer Tobias Joch als Jerry und seine Partnerin Mariana Hidemi als Lies.

Stets ist Paris mit seinen urbanen Highlights präsent. Und zwar in leicht animierten und verfremdeten Großprojektionen. Videokünstler Robert Pflanz hat hier ganze Arbeit geleistet.

Schlechte Tonqualität

Leider wurde die Freude über die Darstellung und Regie erheblich durch eine mäßige Tontechnik getrübt. Denn durchgängig waren Sängerinnen und Sänger zu leise und in nicht optimaler Tonqualität ausgesteuert. Ärgerlich. Trotzdem wurde das engagierte Ensemble mit viel Beifall und Bravorufen für einen außergewöhnlichen Musicalabend gefeiert.

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