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00:15 16.03.2019
Was fehlt, was gibt es im Überfluss? Das Team vom Theater Fensterzurstadt sammelt Material für sein nächstens Projekt. Quelle: Thomas Kaestle
Hannover

Das Publikum in der Alten Tankstelle Striehlstraße hat zuviel – unter anderem hiervon: Angst, Zweifel, T-Shirts, Ablenkung, Geld, Sorgen, Arbeit, Emails und Kabel mit unbekannter Funktion. Das ergibt eine schnelle Umfrage mit Karteikarten durch das freie Theaterkollektiv Fensterzurstadt, das den Auftakt seiner Veranstaltungsreihe „Volles Haus“ nutzt, um auf sein kommendes Thema einzustimmen und Material zu sammeln. Sechs weitere Wochen lang wird es in unterschiedlichsten Formaten über Musik, Film, Spiritualität oder Physik das Ende Mai auf dem Goseriedeplatz stattfindende partizipative Theaterprojekt „Leergut! Vollgut!“ in einem öffentlichen Prozess entwickeln.

In der Fragemaschine

Zu wenig haben die ersten Gäste übrigens unter anderem von diesen Dingen: Schlaf, Mut, Geduld, Meerblick, Müßiggang, Natur, Abenteuer und Sexualpartner. Bevor sich solche Schnappschüsse auf den Themenkomplex voll/leer im Stuhlkreis aneinanderreihen, durchlaufen die Besucher einige improvisierte Stationen. Eine Fragemaschine spielt in schneller Folge Begriffe auf Kopfhörer, die dann assoziativ mit „voll“ oder „leer“ beantwortet werden sollen. Für die Umstehenden ergibt sich eine schnelle, vermeintlich unstrukturierte Abfolge der gegensätzlichen Zuschreibungen.

Beim Fuchsen wird das Publikum zum Geschicklichkeitsspiel aufgefordert – mit echten Münzen, die gegen eine Wand geworfen werden. Schnell sind ein paar Euro verloren, ist das Portemonnaie leerer. Die vorhersehbare Erfahrung ist eher teuer erkauft. Die Theatermacher betätigen sich in dieser Phase als Anwerber: „Komm, mach mit, ich erkläre Dir später, wobei genau.“ Eine Überforderung scheint beabsichtigt, Verunsicherung auch. Die Miniaktionen führen bestenfalls ins Blaue, aber auch oft ins Leere.

Oberflächliche Wortspiele

Im Stuhlkreis werden später zwei zufällig ausgewählte Gäste interviewt. Wann waren Sie das letzte Mal richtig voll und womit? Spüren Sie manchmal eine Leere? Wovon können Sie nicht genug bekommen? In der kurzen Zeit sind nur wenige Antworten wirklich ergiebig. Vieles bleibt bei oberflächlichen Wortspielen. Das Konzept des Abends wirkt unentschlossen. Für eine partzipative Performance ist das Geschehen zu vage, hingeworfen und leer, für ein gemeinsames Brainstorming zu fertig, vorgedacht und voll. Aber es ist ja noch genug Zeit, Haltungen, Tonfälle und Schwerpunkte zu finden – und andere aufzubrechen. Um loszuwerden, wovon es zu viel gibt, und hinzuzufügen, wovon es zu wenig gibt.

Das Vorprogramm „Volles Haus“ findet bis zum 7. Mai immer dienstags um 19 Uhr in der Alten Tankstelle Striehlstraße statt. Die nächste Veranstaltung am Dienstag, 19. März, beschäftigt sich mit Musik. Das Theaterprojekt „Leergut! Vollgut!“ beginnt am Freitag, dem 24. Mai, auf dem Goseriedeplatz.

Von Thomas Kaestle

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