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Region Technotheater und Geschichten von Geburt und Tod
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Theaterfestival: Martine Dennewald eröffnet die Theaterformen in Hannover

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00:15 24.06.2019
Technoparty imTheater. Szene aus „Lokis“ von Łukasz Twarkowski. Quelle: Andrej Vasilenko
Hannover

Martine Dennewald, die Leiterin des braunschweigisch-hannoverschen Theaterfestivals „Theaterformen“, mag Mottopartys. Für jede Ausgabe ihres Festivals wählt sie ein anderes Thema. Mal stand das Theater aus dem asiatischen Raum im Mittelpunkt, mal widmete sie sich vornehmlich den Arbeiten von Regisseurinnen. Die neue Ausgabe, die jetzt im hannoverschen Schauspielhaus eröffnet wurde, hat viel partizipatives Theater im Angebot. Theater zum Mitmachen. Das Publikum soll beteiligt werden.

Auch „Lokis“, das Eröffnungsstück des polnischen Regisseurs Łukasz Twarkowski, war in gewisser Hinsicht Mitmachtheater. Die Zuschauer mussten zwar weder tanzen, noch Geschichten erzählen (lauter Formate, die es bei den Theaterformen gibt), sie wurden aber bewegt, durchgeschüttelt und in Schwingungen versetzt. Denn Łukasz Twarkowski macht Theater aus dem Geist der Techno-Bewegung – das hat er bereits bei „Es war einmal … das Leben“ gezeigt, das in der jetzt zu Ende gehenden Spielzeit im Schauspiel Hannover aufgeführt wurde.

In „Lokis“ verbindet Regisseur Twarkowski drei Geschichten miteinander: eine Novelle von Prosper Mérimée über eine Frau, die von einem Bären angegriffen wurde und ein Kind zu Welt bringt, das halb Bär, halb Mensch ist, den mysteriösen Tod des litauischen Fotografen Vitus Luckus, und den Mord, den der Sänger Bertrand Cantat in der litauischen Hauptstadt Vilnius an seiner Freundin, der Schauspielerin Marie Trintignant, begangen hat.

Ein interessantes Projekt, eigentlich. Aber Łukasz Twarkowski macht daraus eine dreieinhalbstündige Technoparty mit Bildern, wie sie Frank Castorf an der Berliner Volksbühne bereits vor mehr als zehn Jahren schuf: Innenansichten aus Spielkästen, die dem Publikum als Videos präsentiert werden. Die Musik dabei ist so laut, dass den Zuschauern am Einlass Ohrstöpsel ausgehändigt werden – die meisten Besucher machen davor gern Gebrauch. Manche verplomben ihre Ohren noch zusätzlich mit den Daumen. Das Theater von Łukasz Twarkowski zielt nicht auf den Kopf, sondern auf den Bauch, es möchte überwältigen, aber es unterwältigt.

Unz-Unz-Unz

Nach der Pause, bei der viele Besucher das Haus verlassen hatten, ist etwas Interessantes zu beobachten: Auf dem Balkon, auf dem nun alle Reihen frei sind, beginnen Mitarbeiter des Festivals und Freunde des Ensembles ausgelassen zu tanzen. Alles so wie im Techno-Club: Der Oberkörper wippt im treibenden Takt des Unz-Unz-Unz, die Arme meißeln Muster in den Raum. Einer der Tänzer hat sich sogar seines Hemdes entledigt und tanzt mit freiem Oberkörper.

Warum auch nicht: die Musik hat einen ziemlichen Wumms. Einfach nur – brav den Konventionen des europäischen Theaterbetriebs folgend – still dazusitzen und romantisch zu glotzen, wie es die Zuschauer im Parkett tun, ist vielleicht nicht gerade die richtige Art, mit der man auf dieses Tanzangebot von Łukasz Twarkowski reagieren sollte.

Fraglich ist natürlich, ob es ein Ausweis inszenatorischen Könnens ist, die technischen Möglichkeiten der Theaterbeschallung und der Kunstnebelproduktion bis zum Anschlag zu nutzen. Im Grunde eher nicht.

Um Leben und Tod

Am Eröffnungstag des Festivals war aber auch ein anderes, eine kleines, feines, eher stilles Projekt zu sehen. Mats Staub, der schon oft bei den Theaterformen zu Gast war, zeigt sein neues Projekt: „Death and Birth in My Life“.

„Death and Birth in my Life“ Quelle: Benjamin-Seidel

Der Schweizer Videokünstler hat Menschen zusammengebracht und ihnen zwei Themen gegeben, über die sie sprechen sollen: die eigener Geburt und den Tod. Die Erzählenden und die Zuhörenden sind auf jeweils zwei Bildschirmen zu sehen. Immer geht es um Leben und Tod: Die Umstände der eigenen Geburt werden geschildert und die Todesfälle von nahen Angehörigen. Dabei fließen Tränen und dabei wird auch gelacht. Spannend ist es, das Zuhörergesicht zu beobachten: Wie ein Blick Worte hervorkitzelt, wie ein Lächeln das Gegenüber beruhigen soll, wie manchmal die Worte des anderen so berühren, das Tränen fließen.

Mats Staub hat ein starkes Stück über große Fragen und auch über sozialen Zusammenhalt geschaffen. Es ist ganz leise – und es berührt doch.

Die Theaterformen in Hannover

Das Festival Theaterformen ist noch bis 30. Juni an neun verschiedenen Spielorten in Hannover zu sehen. Insgesamt 250 Künstler aus zwölf Ländern präsentieren 14 Produktionen. Die Karten kosten von 9 bis 28 Euro. Im Innenhof des Schauspielhauses befindet sich das Festivalzentrum, auf dessen Bühne gibt es regelmäßig Konzerte bei freiem Eintritt. Am Sonnabend tritt dort die Rapperin Sookee auf, am Sonntag spielt die polnische Band Enchanted Hunters. Beide Konzerte beginnen um 21.30 Uhr.

Von Ronald Meyer-Arlt

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