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Theatermuseum: Zur Ausstellungseröffnung gibt Nina Hagen ein Konzert – und erwähnt sie nicht

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09:35 04.10.2019
Der Sammler und sein Thema: Arne Buhrdorf vor einem Bild von Nina Hagen. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Es gibt viele Gründe, Nina Hagen nicht zu mögen: ihr schrilles Auftreten, das Quieken, Krächzen und Trompeten, mit dem sie beim Singen ihre eigentlich schöne Stimme verunstaltet, ihre Durchgeknalltheit, ihre obskuren Ansichten, ihre Streitlust.

Karten, Cover, gute Noten: Nina-Hagen-Devotionalia unter Glas im Theatermuseum. Quelle: Nancy Heusel

Es gibt aber auch viele Gründe, sie zu mögen: ihr schrilles Auftreten, ihre Durchgeknalltheit, das Krächzen und Quieken beim Singen und vielleicht auch Streitlust.

Arne Buhrdorf gehört zu den Menschen, die die Diva lieben. Im Jahr 1980 wurde ihm zur Konfirmation das Nina-Hagen-Album „unbehagen“ geschenkt. Und da war es um ihn geschehen. Es war der Beginn einer großen Sammelleidenschaft. Arne Buhrdorf wurde zum Nina-Hagen-Fan und tat das, was Fans so tun: Er sammelte alles, was von seinem Star oder über ihn zu finden war: Platten, Plakate, Zeitschriftenartikel, Sticker, Bücher, Kissen, Schals, Accessoires aller Art. Mehr als 3000 Objekte umfasst seine Sammlung (auch zu besichtigen unterwww.einfach-nina.de), 460 davon sind nun im hannoverschen Theatermuseum zu sehen. Das Museum, dessen Räumlichkeiten infolge der Erweiterung der Schauspielkantine etwas verkleinert worden sind, zeigt, was Arne Buhrdorf in seiner fast vier Jahrzehnte währenden Sammlertätigkeit zusammengetragen hat. Vitrine an Vitrine ist all das zu sehen, was Sammlerherzen höher schlagen lässt: noch ein Plattencover, noch ein Zeitschriftenartikel, noch eine Autogrammkarte.

Beglaubigungsartefakte

Im Grunde ist das keine Ausstellung über Nina Hagen, sondern eine Ausstellung über eine Sammelleidenschaft. Nina Hagen ist zwar das Thema der Schau, aber es geht hier vor allem darum, sie zu feiern, nicht um ihr Geheimnis, nicht um die Brüche in der Inszenierung der Kunstfigur, nicht um ihre Widersprüche. Die Besucher haben es vor allem mit Beglaubigungsartefakten zu tun. Ja, sie ist sehr berühmt, ja, sie ist international erfolgreich, ja, ihr Ruhm ist in all den Jahren nicht verblasst – das rufen die Ausstellungsstücke. Zu den problematischen Seiten dieser schrillen Künstlerexistenz ist hier wenig bis nichts zu finden. Auch ihre kuriosen Talk-Show-Auftritte werden weitgehend ausgeklammert.

Karten, Cover, gute Noten: Nina-Hagen-Devotionalia unter Glas im Theatermuseum. Quelle: Nancy Heusel

 

Greta Thunberg, Karel Gott, Hitler

Am Tag der Ausstellungseröffnung gab es ein Gastspiel von Nina Hagen im Schauspielhaus. Sie gastierte mit ihrem Programm „Brecht-Lieder-zur-Klampfe“, mit dem sie schon seit vielen Jahren auf Tournee geht auf der Bühne – der Abend war seit Langem ausverkauft. Erstaunlicherweise ging die Künstlerin bei ihrem Konzert mit keinem Wort auf die Ausstellung ein, die ihr eine Etage tiefer gewidmet wird. Wobei sie ansonsten über vieles redete: Greta Thunberg, Karel Gott, Hitler, dessen Selbstmord möglicherweise nur vorgetäuscht war, Bill Gates, der angeblich „klimatechnische Forschungen im Weltraum“ vornimmt, Veränderungen in der Ionosphäre, Geoengineering, Drohnenkrieg, Prostitution, satanistische Sekten, den „globalen Globalismus“ und psychische Krankheiten. Zu vielem hat sie eine Meinung, die sie dem Publikum auch gerne mitteilt. Manchmal redet sie auch Unsinn. Wissenschaftliche Erkenntnisse zum Beispiel kommen anders als sie meint, gerade nicht auf demokratischem Wege zustande.

Angenehme Selbstironie

Andererseits ist vieles durch eine angenehme Selbstironie abgemildert. Wenn sie etwa eine allgemeine Hysterie im Land beklagt, schiebt sie gleich ein „Dafür bin ja eigentlich ich zuständig“ hinterher. Charmant ist auch ihr Gesang. Sie singt ihre Brechtlieder mit tiefer, rauer Stimme. Das Kieksen und Quiecken, das Jodeln und Tirilieren klappt nicht mehr so wie früher, dafür klingt sie jetzt wie Tom Waits. Was auch nicht schlecht ist.

Nach zweieinhalb Stunden mit schönen Liedern und fahrig erzählten Geschichten über TV-Dokumentationen, aus denen Nina Hagen („Ich glotz TV“) ihr Wissen hat, bedankt sich das Publikum mit begeistertem Beifall. Etwa die Hälfte der Zuschauer steht zum Applaudieren auf, die andere bleibt sitzen.

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