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Theaterwerkstatt: „Die heimliche Insel“ von Horst Hawemann

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15:01 29.10.2019
Schlafsofa im Einsatz: Die Theaterwerkstatt spielt „Heimliche Insel“ Quelle: Julius Matuschik
Hannover

Zwar steht „Die heimliche Insel“ in der Theaterwerkstatt im Pavillon als Familienstück ab acht Jahren im Spielplan – und die spielerische Allegorie menschlichen Zusammenlebens ist gewiss ein erhellender Spaß für Kinder und Jugendliche. Doch Regisseurin Sabine Trötschel weist nicht von ungefähr darauf hin: „Erwachsene dürfen auch ohne Kinder kommen.“ Das lohnt sich. Denn von Anfang an stimmt hier alles: Spielfreude, Präzision, Tiefe und Humor treffen auf detailreiche Choreografien, suggestive Musik und pointierte Kostüme.

Turbulentes Spiel

Der Text ist durchaus eine Herausforderung. Das Stück wurde von Horst Hawemann, der auch an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin lehrte, vor 20 Jahren aus der Improvisation mit einem Ensemble am Jungen Theater Zürich entwickelt – als turbulentes Spiel mit Sprache und Verhaltensmustern. Das Team der Theaterwerkstatt hat für die fünf Figuren, schräge Typen, die sich auf einer Insel zusammenraufen müssen und sich dabei schnell als Archetypen entpuppen, großartige Besetzungen mit erfahrenen Schauspielern gefunden.

Den Ureinwohner Dienstag spielt Dominik Bliefert als über sich selbst stolpernden und staunenden Schöpfer simpler, aber effektiver Illusionen. Die Rolle von Kennich, der als erster Ankömmling die Insel vermisst und sich daraufhin zum König ernennt, da er ohnehin alles zu wissen glaubt, scheint Matthias Buss auf den Leib geschrieben. Elke Cybulski wird zur verunsicherten Falsch, die glaubt, niemals richtig zu liegen. Matthias Alber verkörpert Rumguck, der immer erst dem dritten Blick vertraut. Und Yara Eid wird zur fast sprachlosen Fremden, die fehlende Worte mit ausdruckstarker Mimik und körperlicher Präsenz mehr als wett macht.

Arena der Befindlichkeiten

Die Tänzerin ist auch für die Choreografien der anderen verantwortlich, in denen sie deren Charaktere mit liebevoll umgesetzten Details und großer Komik skizziert. Die Inszenierung, bei der Trötschel mit dem jungen Kollegen Yannik Böhmer zusammenarbeitet, fügt Hawemanns Sprachakrobatik ein bestechendes Gespür für Bewegung und Raum hinzu. Die Insel ensteht als Arena der Befindlichkeiten durch Gesten und Posen. Die schrägen Körperlichkeiten des Ensembles scheinen sich immer wieder zu flüchtigen Bildern eines Animationsfilms zu fügen.

Heino Sellhorns suggestive Bühnenmusik forciert Timing und Dynamik zusätzlich. Geschickt übersetzt er Witz und Gewitztheit der Inszenierung in quietschende und knarzende Beats. Bei all dem sinnlichen Vergnügen ergeben sich inhaltliche Bezüge wie nebenbei. Dass Kennich ein Kolonialist ist, dem es zunächst gelingt, andere mit Behauptungen und Drohungsszenarien zu unterdrücken, erzählt gerade zurzeit viel über Krisen und Konflikte, über Politik und Krieg. Vermutlich bietet ein Sonntagnachmittag genügend Gelegenheit, sich im Anschluss Gedanken über eigene Verhaltensmuster zu machen.

Weitere Aufführungen am 3., 10. und 17. November sowie am 1. Dezember, jeweils um 15 Uhr.

Von Thomas Kaestle

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