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Region Wie Thees Uhlmann den Toten Hosen mit einem kleinen Buch ein großes Denkmal setzt
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Thees Uhlmann liest im Pavillon Hannover aus dem Buch Die Toten Hosen

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10:28 16.01.2020
Ein kleines Buch an die großen Idole: Thees Uhlmann liest aus seinem Buch „Die Toten Hosen“. Quelle: Navid Bookani
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Hannover

Fanherzen können viel Liebe geben, hegen aber auch große Erwartungen. Und sie schmerzen bei Enttäuschungen. Ihr Überhit „Tage wie diese“ hat den Toten Hosen im 30. Jahr ihres Bestehens durch Dauerrotation im Radio, gesungen von Helene Fischer, als Einlaufmusik von Angela Merkel bei CDU-Parteitagen und als Sommerhit 2012 allgemein ein neues Publikum erschlossen.

Eine Herausforderung für Fanherzen, die zur Musik der fünf Düsseldorfer mit gealtert oder zumindest groß geworden sind. „Ist das noch Punk?“ – spätestens damals wurde diese kategorische Frage der Abgrenzung für viele schmerzlich mit „nein“ beantwortet. Die Toten Hosen? Ja. Aber nur die Alben von „früher“. Weil „Opelgang“ oder „Kauf mich!“ so schön nostalgisch sind, sagen viele befremdete Anhänger.

„Reisefieber“ und „Liebeslied“: Auch Songs von den Toten Hosen hat Thees Uhlmann im Pavillon gespielt. Quelle: Navid Bookani

Auftritt Thees Uhlmann: Der ehemalige Sänger der Indie-Band Tomte, Autor des Romans „Sophia, der Tod und ich“ und Solo-Songwriter. Erst im Dezember war er im Capitol zu Gast. Und er hat im vergangenen Jahr eine 177-seitige, persönliche Liebeserklärung an die Düsseldorfer verfasst. „Die Toten Hosen verteidige ich bis zum letzten Schrapnellgeschoss aus meinem Schützengraben der Liebe“, schreibt er darin. Die Aufmachung erinnert mit ihrer Größe an ein Pixie-Buch für Erwachsene. Pragmatischer Titel: „Die Toten Hosen“.

„Heute darf ich Bücher über die Hosen schreiben“

Thees Uhlmann ist Teil einer aktuellen Mini-Buchreihe: Der Verlag Kiepenheuer und Witsch hat für seine Musikbibliothek Künstler gebeten, „radikal subjektive Liebeserklärungen an ihre Lieblingsmusik“ zu schreiben. So hat der Autor Tino Hanekamp ein Buch über Nick Cave oder „Spiegel“-Rezensentin Anja Rützel Texte über die Boyband Take That verfasst.

Bevor Uhlmann im fast ausverkauften Pavillon aus seinem Pamphlet liest, schwingt er sich die Akustikgitarre um und spielt ein Lied von „früher“: „Der Mord an Vicky Morgan“, der fünfte Song auf dem zweiten „Hosen“-Album „Unter falscher Flagge“. Nach dem letzten Akkord fragt er, wer den Song kennt. Es sind nicht viele. Das ist ihm egal. Er hat Lust zu lesen, alte „Hosen“- und neue eigene Lieder (darunter auch „Was wird aus Hannover“) zu spielen und Geschichten zu erzählen.

Thees Uhlmann ist 45 und kam somit acht Jahre vor der Gründung der Toten Hosen zur Welt. Sein Buch ist kein braves Herunterbeten der Bandgeschichte, das erledigen bereits mehrere Biografien. Der kurze Band ist lustig, melancholisch, manchmal ausschweifend und immer voller Liebe. Und so liest er es auch. Der gebürtige Hemmoorer erzählt seine eigene Geschichte anhand der Band: Das erste Konzert überhaupt als Neunjähriger war eines der „Hosen“ – und die Initialzündung dafür, selbst zur Gitarre zu greifen. „Das war meine erste Show, und heute darf ich Bücher über die Schreiben“, sagt er andächtig.

Die Toten Hosen als „letzter Schmierstoff der Gesellschaft“

Die Band und ihre Mitglieder tauchen zwar in vielen Anekdoten auf. Oft passiert das ganz beiläufig bei zufälligen Bar-Begegnungen oder am Telefon. In anderen Geschichten beschreibt Uhlmann gemeinsame Konzerte und den Kern der Band: Die Toten Hosen sind ein verschworener Haufen. Wer sich ihnen gegenüber loyal stellt, bekommt das mindestens im gleichen Maße zurückgezahlt.

Uhlmann bedient keinen Voyeurismus hinter die Privatsphäre der Toten Hosen, um neugierige Fans in die Buchläden zu treiben. Er beschreibt, wie die Band seit 35 Jahren einen roten Faden durch sein eigenes Leben zieht und gezogen hat: Vom ersten Konzert als Teenager bis zur gemeinsamen Textarbeit mit Campino am umstrittenen Charity-Projekt „Band-Aid 30“. Und welche Bedeutung sie auch heute noch hat.

Das bezieht er auf sich, aber auch auf alte und neue Fans: „Dann spielen Die Toten Hosen ein Konzert. (...) Und ich sehe (...) wie sich Menschen freuen, dass sie am Leben sind, dass sie gerade zuhören können, wie sich diese Band, die sie alle eint, durch 35 Jahre ihrer Songs prügelt. Und im Publikum sind zwischen Crust-Punks und Volksmusik-Ultras vor allen Dingen normale Menschen. Und ich finde das wunderbar, und ich denke, dass das vielleicht einer der letzten Schmierstoffe unserer Gesellschaft ist.“ Hätten man den Toten Hosen eine solche Huldigung im Jahr 1982 ausgesprochen, sie hätten sich ungläubig lachend wahrscheinlich mehrere Dosenbiere geöffnet.

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