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11:35 10.03.2019
Jools Holland im Musikzentrum. Quelle: Thomas Kaestle
Hannover

Es hatte sich wohl nicht herumgesprochen, dass einer der besten lebenden Blues- und Boogie-Pianisten in der Stadt war. Einer, über den Superstar B. B. King sagte, er glaube nicht, dass irgendwer sonst so spielen könne: „Mit einer linken Hand, die niemals still steht.“ Einer, den Dr. John für sein Live-Album einfliegen ließ – für den einen Song, in dem er selbst vom Klavier zur Gitarre wechselte. Also kamen nicht einmal 50 Gäste ins bestuhlte Musikzentrum, um den Briten Jools Holland zu erleben.

Start der Deutschland-Tournee

Der Ort war durchaus der richtige: die Bühne breit genug, der Sound hervorragend, die Atmosphäre irgendwo zwischen Kellerclub und Fernsehstudio. Immerhin begann Holland seine musikalische Laufbahn in den Dockarbeiter-Pubs des Londoner East End. Und er verbrachte viel Zeit als Moderator unzähliger Musiksendungen. Alleine seine BBC-Kulttalkshow „Later with Jools Holland“ hat seit 1992 bereits 53 Staffeln hinter sich.

In Hannover beginnt Hollands Deutschland-Tournee. Einen Tag später in Berlin ist bereits sein Gast Marc Almond dabei, ehemaliger Sänger der Band Soft Cell. Es erscheint unfair, dass die beiden gemeinsam sogar einen größeren Saal gefüllt hätten. Denn Holland ist auch mit seinen anderen drei Gästen ein Erlebnis – dem jungen Schlagzeuger George Latham, der sonst mit den Klaxons spielt, und den drei brillanten Sängerinnen Beth Rowley, Louise Marshall und Ruby Turner.

„Wir hätten auch für fünf Besucher gespielt“, sagt Holland. Seine schnodderigen Ansagen hält er kurz. Wenn er am Flügel sitzt, befindet er sich in einer eigenen Welt, in der ihn die Musik ganz durchdringt. Sein Lächeln wirkt entrückt, seine Hände führen ein wildes Eigenleben. „Ich weiß nie so genau, was sie als nächstes tun werden“, sagt er. Holland spielt eigene Kompositionen und historisches Material, im Mittelpunkt stehen Blues und Boogie, flankiert von Flirts mit Soul, Jazz, Gospel und Rock’n’Roll.

Sein Blues ist meist schnell und virtuos, zugleich stolpernd, fliegend und stampfend, sentimental und zeitlos. Holland würde den Raum mit seiner Leidenschaft und Intuition alleine füllen. Doch auch Lathams schwebendes Schlagzeugspiel und die drei sehr unterschiedlichen musikalischen Persönlichkeiten der Sängerinnen ergänzen Hollands Spiel und Gesang um jeweils weitere musikalische Dimensionen.

Als Turner dann Andy Razafs „On Revival Day” aus dem Jahr 1930 singt, hält die Fans nichts mehr auf ihren Stühlen. Sie tanzen beseelt, als wären sie im Gottesdienst einer afroamerikanischen Gemeinde. Vielleicht ergibt sich trotz der wenigen Besucher bald eine neue Gelegenheit, Holland in Hannover zu begegnen. Er reiste zwei Tage früher an, um die Peppermint Park Studios von Mousse T. zu besichtigen. Das Ergebnis ist nicht bekannt. Aber er verrät auf der Bühne: „Wir hatten eine gute Zeit zusammen.“

Am Donnerstag, 21. März, gastiert die Rockband Milliarden im Musikzentrum.

Von Thomas Kaestle

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