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"Tristan und Isolde": Hildesheimer TfN zeigt erstmals Wagner Oper

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20:00 17.11.2019
Packendes Kammerspiel: Hugo Mallet und Julia Borchert als Tristan und Isolde in Hildesheim. Quelle: Tim Muell
Hildesheim

Die Mühe war vergebens: Nach 77 Proben gaben die Wiener Philharmoniker auf. Die neue Oper erschien den Musikern auch nach eingehender Prüfung als unspielbar. Darum kam Richard Wagners „Tristan und Isolde“ nach bereits drei gescheiterten Versuchen in Rio de Janeiro, Karlsruhe und Paris auch in Wien nicht auf die Bühne. Erst 1865, sechs Jahre nach der Vollendung der „Handlung in drei Aufzügen“, wuchtete man das Stück mit massiver Unterstützung vom bayerischen Märchenkönig Ludwig II. in München auf die Bühne. Die Uraufführung wurde ein Triumph.

Seither gehört der „Tristan“ zu den berühmtesten Werken des Repertoires. Und zu den berüchtigtsten: Zwei Dirigenten hat das Stück bislang das Leben gekostet – Felix Mottl und Joseph Keilberth erlitten jeweils während einer Münchener „Tristan“-Aufführung einen Herzinfarkt, von dem sie sich nicht mehr erholten.

Hildesheimer Wagemut

Allein diese dramatische Aufführungsgeschichte verrät viel über den Wagemut von Florian Ziemen, dem Generaldirektor des Theaters für Niedersachsen (TfN), der nun für die späte Hildesheimer Erstaufführung des Stücks sorgte. Vor zehn Jahren – bei den Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des Hildesheimer Theaters – stemmte man schon einmal ein ähnliches Großprojekt. Damals waren Wagners „Meistersinger von Nürnberg“ erstmals in der Stadt zu hören. Nun ist der Zuschauerraum des Hauses nach monatelangen Bauarbeiten rundum erneuert, es gibt bequemere Sitze, akustische Verbesserungen und eine Klimaanlage. Die Wiedereröffnung bot also günstige Voraussetzungen für eine weitere knapp fünfstündige Wagner-Oper.

Weniger günstig ist die aktuelle Besetzung der TfN-Philharmonie: Zusätzlich zu den 30 festen Musikern wurden 23 Aushilfen engagiert – so wurde zumindest die erforderliche Mindestbesetzung für das Stück erreicht. Für den großen Klangrausch reichte das allerdings nicht – auch, weil das Orchester trotz schöner Einzelleistungen einige grundlegende Schwächen im Zusammenspiel und bei der Intonation offenbarte. Statt auf Steigerungen und große Bögen war Dirigent Ziemen zudem vor allem darauf bedacht, die Sänger nicht zu übertönen. Dafür hatte man sogar nach Bayreuther Vorbild den Orchestergraben teilweise mit einem Deckel versehen.

Interessantes Rollenporträt

Der gedämpfte Klang bot den Sängern tatsächlich schöne Entfaltungsmöglichkeiten. Levente György und Neele Kramer vom TfN-Ensemble konnten so als Dienerpaar Kurwenal und Brangäne überzeugen, Uwe Tobias Hieronimi war ein stattlicher König Marke. Bei den Gästen in den Titelrollen hinterließ Tenor Hugo Mallet einen eher zwiespältigen Eindruck, Julia Borchert aber glückte ein interessantes Rollenporträt als ungewöhnlich mädchenhafte Isolde: Sie konnte der Partie Aspekte abgewinnen, die an größeren Häusern oft unterbelichtet bleiben.

Auch Regisseur Tobias Heyder nutzte die beengten Verhältnisse des Hauses als Vorteil – zumindest im ersten Aufzug. Ausstatter Pascal Seibicke hatte eine hölzerne Kajüte auf die Bühne gebaut, in der sich alle Figuren ungewöhnlich nah kamen. Hier entfaltete sich ein wirklich packendes Kammerspiel. Später aber setzte Heyder mit einer Liebesnacht in der Kneipe im zweiten Teil und melodramatisch überzeichneten Figuren im Finale auf eine fast ironische Distanz zum Geschehen.

Dass Wagner-Aufführungen in kleinerem Rahmen große Chancen bieten können, war schon in den unterhaltsamen Hildesheimer „Meistersingern“ zu erleben und zuletzt bei einem „Ring“ im winzigen Mindener Stadttheater. Das aktuelle „Tristan“-Experiment am TfN nutzt diese Chancen nur teilweise.

Die nächsten Vorstellungen in Hildesheim sind am 24. November sowie am 7. und 22. Dezember.

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