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Region Macherin der „Twister“-Skulptur: Sprengel-Museum zeigt Arbeiten von Alice Aycock
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„Twister“-Künstlerin: Alice Aycock im Sprengel Museum

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00:19 09.06.2019
Die amerikanische Künstlerin Alice Aycock vor ihre Skulptur „Twister“, die vor dem Sprengel-Museum steht
Die amerikanische Künstlerin Alice Aycock vor ihre Skulptur „Twister“, die vor dem Sprengel-Museum steht Quelle: Ronald Meyer-Arlt
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Hannover

Als das Sprengel-Museum vor vier Jahren seinen Anbau bekam, sollte auch der Eingangsbereich vor dem Altbau aufgewertet werden. Museumsdirektor Reinhard Spieler suchte nach einem „starken Zeichen für die Gegenwart und die Zukunft des Museums“. Und er wurde fündig: Über die Stufen tost seitdem ein strahlend weißer Wirbelwind. Der „Twister“, den die amerikanische Künstlerin Alice Aycock geschaffen hat, ist – neben den Nanas von Niki de Saint Phalle am Leineufer und dem roten Hellebardier von Alexander Calder am Maschsee – zu einem der künstlerischen Wahrzeichen der Stadt geworden.

„Twister“ ist ein Selfie-Hotspot

Der Wirbelwind, dessen korrekter Titel „Another Twister (João)“ lautet, ist eindrucksvoll; selbst Menschen, die nicht gerade kunstinteressiert sind, lassen sich mitziehen und fragen sich etwa, wie die Skulptur, die unten auf einen sehr schmalen Fuß zuläuft, eigentlich im Boden verankert ist (acht Schrauben, jede 60 Zentimeter lang, ragen ins Fundament und halten das Werk). Außerdem lassen sich vor dem Wirbel aus kurvigen Metallteilen ganz wunderbar Selfies machen.

Die geheimen Bilder der Natur

Nun ist noch weitaus mehr Kunst von Alice Aycock im Sprengel-Museum zu sehen. Das Haus widmet ihr eine Ausstellung, die fast 50 Jahre umfasst: Kunstwerke von 1971 bis 2019 werden in der großen Wechselausstellungshalle gezeigt. Die Schau macht deutlich: Alice Aycock ist eine ganz erstaunliche Künstlerin. Sie fragt nach dem Großen und dem Kleinen, versucht der Natur geheime Bilder abzutrotzen und zeigt das, was gute Kunst immer zeigt: den Wandel. Und dass der Mensch nicht so groß ist, wie er sich selbst gern sieht.

Manchmal holt sie dazu weit aus. Ein Projekt – das hier als Zeichnung zu sehen ist – soll die Krümmung der Erde begreiflich machen, bei einem anderen schaut sie, was passiert, wenn sich ein Tunnel und ein Brunnen treffen. Nicht alles, was sie plant, ist realisierbar. Aber das muss auch gar nicht sein.

Ein Sandberg, der von Ventilatoren abgetragen wird, verändert sich im Lauf der Ausstellung. Quelle: Ronald Meyer-Arlt

Dass die Künstlerin manchmal ein bisschen Wind macht, ist durchaus in Ordnung. Für eine Arbeit hat sie vier Industrieventilatoren um einen Sandhügel herum aufgestellt. Eigentlich wollte sie damit einen „Dust Devil“, einen kleinen Wirbelsturm aus Sandkörnern, entstehen lassen. Das hat nicht geklappt. Dafür entsteht etwas anderes: Der Wind trägt den Sandberg langsam ab und schafft ein Wellenmuster auf dem Boden. Auch ein anderes Werk macht das Vergehen der Zeit erfahrbar: Die Künstlerin hat Ton in rechteckige Formen gepresst. Beim Trocknen zieht sich das Material zusammen – interessante Strichmuster entstehen. Mit dem Tonwerk hat die Künstlerin Landart praktischerweise ins Museum verfrachtet. Die Schau wird an ihrem letzten Tag (der 25. August) anders aussehen als an ihrem ersten.

Eine Treppe ins Nichts

Von Ronald Meyer-Arlt