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Vor dem Tourstart in Hannover: Kollegah präsentiert ein neues Video

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09:57 04.10.2019
Der Rapper Kollegah Quelle: dpa
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Hannover

Gangsta-Rap, der sich an die Regeln guten Geschmacks hält, ist wie Rock ’n’ Roll im Halbschlaf. Wer im Genre bestehen will, muss Aufmerksamkeit erregen – mit möglichst originellen Tabubrüchen. Der Hesse Kollegah, bürgerlich Felix Martin Andreas Matthias Blume, bemüht sich seit Jahren um ein möglichst schlechtes Image: Eine Zeit lang lief es ganz ordentlich mit Gewaltverherrlichung, Frauenverachtung, Homophobie, Antisemitismus und Diskriminierung. Tote-Hosen-Sänger Campino bescheinigte dem Bad-Boy-Darsteller bei der Echoverleihung 2018, die Grenzen der Kunstfreiheit überschritten zu haben, andere prominente Musiker gaben seinetwegen ihre Preise zurück, es kam zu Boykottaufrufen und einer Anzeige wegen Volksverhetzung – in der Folge wurde der Echo abgeschafft.

Läuft’s nicht beim Alpha Music Empire?

Seither lief es jedoch mit seinem 2016 gegründeten Label Alpha Music Empire nicht mehr so richtig rund, Kollegah bewies bei der Künstlerauswahl keinen guten Instinkt und verlief sich in szeneinternem Kleinklein. Vor einigen Wochen kündigte er überraschend an, sich zurückzuziehen, löschte alle seine Inhalte in den sozialen Medien – wohl nur, um die vor wenigen Tagen veröffentlichte Ankündigung, jetzt werde aufgeräumt, in ein grelleres Licht zu rücken. Vorschaubilder eines neuen Musikvideos stellten in Aussicht, es werde bei dessen Youtube-Veröffentlichung in der Nacht auf Donnerstag ordentlich knallen.

Gangster im Jurastudium: Zuletzt war Kollegah im März 2017 in Hannovers Capitol. Quelle: Philipp von Ditfurth

„Und dafür bin ich so lange wach geblieben?“, schreibt ein Fan um kurz nach Mitternacht. Auch viele andere zeigen sich enttäuscht von Text und Inszenierung des Tracks „Bullets“, den Kollegah mit Ghetto-Rapper Asche präsentiert. Im Video wird ausgiebig mit Kalaschnikows in die Luft geballert, eine junge Frau im roten Kleid räkelt sich auf Patronenhülsen. Der Text ist trotzig, wirkt aber hilflos: „Kollegah der Boss, alles gewonnen, niemals verloren“, beruhigt sich der ins Schlingern geratene Labelbetreiber selbst. Und legt nach: „Ich sitz‘ auf dem Thron, ihr seid nur Hofnarr’n – bin ’ne Geldfabrik wie ’ne Koksfarm.“

Behauptung ist hier alles – auch wenn sie so überzeugend wirkt wie das Pfeifen eines kleinen Jungen im Dunkeln. Da hilft auch der Größenwahn nicht, mit dem sich Kollegah am Ende als Jesus in einer Nachstellung von Leonardo da Vincis „Abendmahl“ zeigt. Bevor erkennbar wird, wer all seine Jünger sind, werden Konzertdaten eingeblendet. In Hannover versucht sich Kollegah am Donnerstag (10. Oktober) im Capitol am Auftakt der Tour. Vermutlich ist es eine gute Nachricht, dass sich die neuen Provokationen nur aus dem Klischeebaukasten organisierter Kriminalität bedienen.

Perfekter Prolet: Die Kritik zu Kollegahs Hannover-Konzert im März 2017

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