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Region „Die Wut, die uns vereint“ im Ballhof 2
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Wera Mahne inszeniert im Ballhof 2 das Jugendstück „Die Wut, die uns vereint“ auch für Gehörlose

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16:23 25.11.2019
Wut, die man erkennt: Szene mit Ruby Commey und Athina Lange (rechts). Quelle: Katrin Ribbe
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Hannover

Kay ist ganz ruhig, während ihre Tante und ihr Onkel ihr eine moralische Standpauke halten. Sie könne nicht länger so frech zu ihren Eltern sein, meckert das Pärchen. Kay macht beschwichtigende Gesten mit den Händen und formt immer wieder ein lautloses „Okay“ mit den Lippen. Doch das hat überhaupt nichts Beruhigendes an sich. Ihr Körper ist angespannt, ihr Mund hat einen verkniffenen Zug und die Augen flackern.

Als Zuschauer, der Kay bis dahin als aggressives Energiebündel erlebt hat, ahnt man: Sie steht kurz vor der Explosion. Die Spannung steigt, als Kay eine Blumenvase von einem Sims nimmt. Kay wiegt die teure Neuanschaffung in den Händen und zeigt sich begeistert.

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Abgang aus dem Scherbenhaufen

Tante und Onkel atmen erleichtert auf, machen einen Schritt auf die vermeintlich wieder liebe Nichte zu, die ihre wütende „Phase“ offenbar überwunden hat. Doch in diesem Augenblick schmeißt Kay ihnen die Vase vor die Füße und brüllt: „Ich hab‘ lieber meine Phasen als so ein scheißlangweiliges Leben wie ihr.“ Abgang aus dem Scherbenhaufen.

Athina Lange spielt die 16-jährige Kay, die Hauptrolle in Finegan Kruckemeyers Pubertätsdrama „Die Wut, die uns vereint“, das jetzt im hannoverschen Ballhof Zwei zu sehen ist. Lange, ausgebildete Schauspielerin, ist gehörlos, aber nicht von Geburt an. Daher spricht sie zwar, kann sich selbst aber nicht hören. Die Rolle der impulsiven Kay, die ihren Teeangerfrust an allem und jedem rauslassen muss, füllt sie größtenteils mit Gebärdensprache aus. Und das so überzeugend, dass dem Publikum nichts von Kays Gefühlswelt verborgen bleibt. Regisseurin Wera Mahne ist auf Inszenierungen sowohl in Laut- als auch Gebärdensprache spezialisiert und hat bereits im vergangenen Jahr mit „Mädchen wie die“ am hannoverschen Schauspiel bewiesen, wie gut das funktioniert.

In „Die Wut, die uns vereint“ agieren mit Athina Lange und Eyk Kauly, der abwechselnd den Vater, den Onkel und den Freund von Kay spielt, zwei Gehörlose. Ihre Bühnenpartnerinnen Tabitha Frehner als Freundin Lotte und Ruby Commey in der Rolle der Tante und der Mutter untermalen ihre Sprechparts zuweilen auch mit Gebärdensprache oder fungieren als Übersetzerinnen.

Auf der Bühne (Laura Robert) steht eine Art Buswartehäuschen, auf dessen durchsichtige Plastikwände zudem Untertitel projiziert werden. Doch manchmal lebt dieses Stück allein von der Körpersprache. Es gibt dann keine Übersetzung.

Wütende Mädchen

Nachdem Kay ihren besten Freund im Streit bewusstlos geschlagen hat, bringen die Eltern sie zu einer abgelegenen Hütte in den Wald, wo sie eine Woche lang allein mit sich und ihren Gefühlen klarkommen soll. Bald trifft sie auf Lotte, die in der Nähe mit ihren Eltern zeltet.

Dieses Mädchen ist noch wütender als Kay. Ob das Kay zur Besinnung bringt oder sie in ihrem Verhalten bestätigt, ob die beiden zusammen abhauen oder zurück zu ihren Familien gehen, sind Fragen, die zwar angerissen, aber nicht beantwortet werden. So direkt und schonungslos das Stück begonnen hat, so vage endet es. Vor allem jüngere Zuschauer (Altersempfehlung: ab zwölf Jahren) dürften eine klare Botschaft vermissen.

Nächste Vorstellung: Am 28. November von 19 Uhr an im Ballhof Zwei.

Von Kerstin Hergt

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