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Wiegenlieder: Staatsoper Hannover startet neue Reihe Stimmen

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14:33 13.11.2019
„Na Wojtusia z popielnika iskiereczka mruga“: Der polnische Bariton Hubert Zapiór in „Wiegenlieder“. Quelle: Ralf Mohr
Hannover

Die Stimme der Mutter, des Vaters, sanft im Ohr, während dieses eigenartigen Gleitens vom Wachen in den Traum: Das ist eine Erinnerung, die in vielen Menschen, bewusst oder unbewusst, schlummern dürfte. Im Ballhof begeben sich zum Auftakt der Reihe „Stimmen“ Mitglieder des Opernensembles auf eine Reise hin zur Erinnerung an dieses erste Lied.

„Stimmen der Nacht: Wiegenlieder“ entstand dabei in Kooperation mit der Stadtteilkultur der Landeshauptstadt Hannover. Familien in den Stadtteilzentren Sahlkamp und Ricklingen haben geteilt, was sie ihren Kindern vorsingen – kleine Soundauschnitte davon sind immer wieder in „Stimmen der Nacht: Wiegenlieder“ zu hören. Dazu kommen Erinnerungen an die Wiegenlieder der vier Sänger und Sängerinnen: Sopranistin Hailey Clark steuert „How can I keep from singing?“, ein traditionelles US-amerikanisches religiöses Lied bei, Bariton Huber Zapiór das polnische Lied „Na Wojtusia z popielnika iskiereczka mruga“. „Es ist erstaunlich, wie viele Erinnerungen in dieser Melodie stecken“, sagt er, als er erzählt, wie er das Lied als kleiner Junge vorgesungen bekam.

Meditative Erkundung

„Stimmen der Nacht: Wiegenlieder“ ist dabei keine musiktheoretische Erforschung des Wiegenlieds – im Gegenteil: Die Inszenierung erklärt angenehm wenig. Die Lieder werden weder übersetzt noch groß anmoderiert, sondern einfach nur gesungen, teilweise mit Klavier und einem äußerst passenden Xylofon begleitet, darauf und dazwischen getürmt sind die eingesammelten Soundschnipsel. Der Abend wird damit eher zu einer Art Schlaflied-Soundscape, die das Ensemble mit dem Publikum zusammen durchschreitet.

Das gelingt erstaunlich gut – die Arrangements der oft simplen Lieder sind zurückgenommen, bekommen aber durch Begleitung und mehrstimmige Passagen mehr Tiefe. Ein Bühnenbild gibt es nicht und auch szenische Passagen sind so gut wie nicht vorhanden – Höhepunkte sind Zapiór, der sich in eine Packpapier-Bettdecke einwickelt, und das Ende, wenn das Publikum mit vier Scheinwerfern angeleuchtet wird. Oft ist die Bühne ganz leer. Die leider nur spärlich besuchte Premiere ist damit eine ruhige, verrätselte, fast meditative Erkundung von Schlafliedern in acht verschiedenen Sprachen, der im Prinzip nur eines fehlt: Betten statt Theatersessel. Oder eine Möglichkeit, sie mit nach Hause zu nehmen – um mit den kleinen Zeitmaschinen in Richtung Kindheit im Ohr gemütlich einzuschlafen.

Wieder am Sonnabend, 16. November, 19.30 Uhr, und am Sonntag, 17. November, 18 Uhr. Die nächste Folge der Reihe „Stimmen“ heißt „Stimmen der Welt“ und findet am 1. Februar 2020 im Ballhof und in der Oper statt.

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