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Yoga in der Vogelschau, Kupferplatten vom Anzeigerhochhaus, blaue Stunden und Eröffnungen mit Partyausklang: Das plant die Kestnergesellschaft in diesem Jahr

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20:00 24.01.2020
Die Videoarbeit „Saturday“ von Camille Henrot. Quelle: Videostill
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Hannover

Die Kestnergesellschaft hat im Moment keine Direktorin und auch keinen Direktor, scheint aber trotzdem recht gut aufgestellt. Christina Végh, die frühere Direktorin, hat zum Jahreswechsel die Kunsthalle Bielefeld übernommen, eine neue Chefin oder einen neuen Chef wird die Kestnergesellschaft erst im Herbst präsentieren können. Gerade ist die Einreichungsfrist für Bewerbungen zu Ende gegangen. Viele Interessenten hätten sich für den Direktionsposten in Hannover beworben. „Wir haben Bewerbungen aus allen Kontinenten erhalten“, sagte Hinrich Holm, der Vorsitzende der Kestnergesellschaft. Eine Findungskommission, zu der auch externe Berater gehören, wird nun eine Auswahl treffen.

Sieben Ausstellungen in diesem Jahr

Trotz unbesetzter Leitungsposition präsentierte die Kestnergesellschaft jetzt ein spannendes Ausstellungsprogramm für das laufende Jahr. „Frau Végh hat gute Vorarbeit geleistet“, sagte Hinrich Holm. Sieben Ausstellungen sollen in diesem Jahr gezeigt werden, internationale künstlerische Positionen sind dabei genauso wichtig wie die Anbindung des Ausstellungshauses an die Stadt.

Die Kestnergesellschaft pflegte gute nachbarschaftliche Beziehungen: „Katinka Bock“ hat für ihre Installation „Rauschen“ Kupferplatten des Anzeigerhochhauses verwendet. Quelle: Pierre Antoine

Material von nebenan wird vom 6. März bis 17. Mai in der Kestnergesellschaft zu sehen sein. Dann präsentiert Katinka Bock ihre spektakuläre Skulptur mit dem Titel „Rauschen“, für die sie die alten Kupferplatten vom Dach des Anzeigerhochhauses verwendet hat. Die guten nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen Kestnergesellschaft und Anzeigerhochhaus drücken sich auch dadurch aus, dass der historische Konferenzraum im Anzeigerhochhaus Teil der Ausstellung sein wird.

Parallel zur Ausstellung von Katinka Bock zeigt die Kestnergesellschaft großformatige Fotos von Jean-Luc Mylaine. Sein Thema: Vögel. Der Künstler hat lange ihre Nähe gesucht, bevor er sie fotografierte. Wie lange das jeweils dauerte, ist in den Werktiteln ablesbar. Sie lauten „Februar, März, April“ oder „September bis Dezember“.

Das Universum in 13 Minuten

Nicht nur die Vogelwelt, sondern gleich das ganze Universum versucht die französische Künstlerin Camille Henrot vom 16. Oktober bis 17. Januar 2021 zu erklären – und das in nur 13 Minuten. So lange dauert ihre Videoarbeit „Grosse Fatigue“, für die sie 2013 auf der Biennale in Venedig mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnet wurde. Zeitgleich zu ihren Videoarbeiten (darunter auch „Saturday“, ein Video über Glauben, Fortschritt und das Leben an sich), Installationen und Zeichnungen wird auch „Lost and Found“ der amerikanischen Künstlerin Susan Hiller zu sehen sein. Darin geht es um Sprachen, die untergegangen oder gerade im Begriff unterzugehen sind.

Um alte Handwerkstechniken geht es in der Schau „Kunst – Handwerk“ vom 13. Juni bis 13. September. Arbeiten von neun Künstlerinnen und Künstlern, darunter Olaf Holzapfel und die Gruppe „Slavs and Tatars“, werden dabei zu sehen sein.

Das Programm der Kestnergesellschaft für das kommende Jahr wird in diesem Jahr entwickelt werden – weitgehend ohne Beteiligung der neuen Leitung. Die Kuratorinnen werden Vorschläge machen, der Vorstand der Kestnergesellschaft wird entscheiden; wenn der neue Direktor oder die neue Direktorin im Herbst gefunden sein sollte, dürfte das Programm des kommenden Jahres weitgehend fertig sein.

Party gegen den Besucherschwund

Große Anstrengungen unternimmt man bei der Kestnergesellschaft in Sachen Kunstvermittlung. Im vergangenen Jahr wurden zwei neue Formate entwickelt: „Drei-Gänge Kunst“, ein Ausstellungsbesuch mit anschließendem Essen in der Bar, und „ Die blaue Stunde“, Kunstführungen für junge Leute nach Feierabend mit gemütlichem Ausklang an der Bar. Trotzdem sind im vergangenen Jahr nicht so viele Besucher gekommen wie im Jahr davor. 19.000 Gäste wurden gezählt, 2018 waren es noch 20.000. Das kann damit zusammenhängen, dass im vergangenen Jahr die Termine für neue Ausstellungen aus Kostengründen reduziert worden sind.

Mit Partystimmung soll dem Besucherschwund entgegengearbeitet werden. Jede Eröffnung wird fortan von einem DJ begleitet. Luise Wick, die bei der Kestnergesellschaft für die Vermittlung zuständig ist, erklärt das so: „Die Leute kommen wegen der Party und wiederholen dann den Besuch – wegen der Kunst.“

Freitags freier Eintritt

Um die Besucherzahlen zu steigern, wird jetzt auch offensiv damit geworben, dass man jeden Freitag die Kestnergesellschaft bei freiem Eintritt besichtigen kann. Und die Kuratorinnen haben immer wieder neue Ideen, wie man die Kunst an die Leute bringen kann. So sollen zur Vogelbilderausstellung von Jean-Luc Mylaine, die auch ein wenig die Entschleunigung feiert, Yogastunden angeboten. Und auch ornithologische Führungen.

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