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Kultur Rhonda begeistert das Publikum in Hannover
Nachrichten Kultur Rhonda begeistert das Publikum in Hannover
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11:52 31.01.2019
Mit tragender Soulstimme: Milo Milone, Frontfrau der Band Rhonda, im Lux. Quelle: Foto: Jan Fischer
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Hannover

Beim dritten Song ist die Schraube weg. Milo Milone, Frontfrau der Band Rhonda, grefit bei diesem Song zum ersten Mal zur Gitarre, nimmt sie aus dem Ständer hinter sich, da fällt eine Schraube heraus. Kurz darauf leuchtet der Bassist Jan Fabricius mit der Taschenlampe auf der Bühne umher.

„Jeder der Gitarre spielt weiß: Wenn die essentielle Schraube weg ist, geht gar nichts mehr“, sagt Milone gut gelaunt ins Mikrophon.

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Frenetischer Applaus

Die kurze Unterbrechung hält das Publikum nicht davon ab, noch ein wenig zu jubeln und zu klatschen, und als die Schraube dann von dem auf der Bühne von einem anderen Konzert übrig gebliebenen Glitzer getrennt ist, bekommt auch sie ihren frenetischen Applaus. Und die Hamburger Band Rhonda kann weiter mit nordisch-unterkühltem Neo-Soul das Lux aufkochen.

Die Band entstand 2012 als Nachfolgeband der durchaus erfolgreichen Trashmonkeys. Von deren Garage Rock im Klanggewand der Sechziger und Siebziger orientierten sich die Mitglieder in Richtung Soul um. Milone, bei den Trashmonkeys Bassistin, begann bei Rhonda zu singen. 2014 erschien das erste Album der Formation – seitdem gab es einige Chartplatzierungen in den Top 100, Auftritte als Vorband von Paul Weller und eine stetig wachsende Zahl von Fans.

Milones präzige und tragende Soulstimme ist dabei das Kernstück von Rhonda. Auch live muss sie dabei, zumindest technisch, den Vergleich mit Amy Winehouse nicht scheuen – und gegen Mitte des Konzertes versucht sich Milone sogar an dem Etta-James-Klassiker „I‘d rather go blind“, den die Band bei ihrem vorangegangenen Besuch in Hannover als Zugabe improvisiert hatten. „Der ist damals irgendwie so passiert“, sagt Milone, und wir wollen den nochmal spielen.“

Fast schon zerbrechlich

Milones Stimme ist in der Färbung allerdings ein wenig kühler als die der alten und neuen Soulgrößen. Manchmal – etwa beim vorletzten Lied „Terrible Lie“ geht sie hinein ins rockig-röhrige, dann wieder, bei „You could be home now“, Titeltrack des aktuellen und dritten Albums, wird sie fast schon zart und zerbrechlich.

Die kühle Stimmfärbung der nonchalant und lässig fast wie nebenbei singenden Milone, dazu die Gitarre von Ben Schadow, die mal punkig, mal funkig dahinperlt, der Bass, der tiefe, tanzbare Löcher dazwischen fräst, dazu ein Sound, der irgendwo zwischen Retro-Soul wie aus den Siebzigerjahren, psychedelischem Wüsten-Rock, Pop, und Neo-Soul-Welle der Jahrtausendwende umherlaviert: Das alles ist im bis fast zur Überfüllung ausverkauften und entsprechend warmem Lux eine zweistündige Kaltführung zum Siedepunkt. „Und, was macht man so an einen Mittwoch Abend in Hannover?“, fragt Milone während des Konzertes. Einfach: Zu Rhonda gehen.

Von Jan Fischer

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