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Kultur So war „Eine ganz heiße Nummer“ im Theater am Aegi
Nachrichten Kultur So war „Eine ganz heiße Nummer“ im Theater am Aegi
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13:10 15.02.2019
Erst Hund, dann Kobra, dann Löwe: Yoga im Lebensmittelladen. Quelle: imagemoove
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Hannover

„Son’ bisschen stöhnen und fertig. So schwer kann das doch nicht sein“, sagt Melanie (Franziska Traub) und schaut ihre Kolleginnen Waltraud (Nicole Belstler-Boettcher) und Lena (Julia Pohl) aufmunternd an. Der Lebensmittelladen läuft schon lange nicht mehr und andere Geschäftsmodelle müssen her, aber Telefonsex? Was soll bloß der Pastor sagen?

Es ist eine kleine Welt voller uralter Gegensätze, um die es in der Komödie „Eine ganz heiße Nummer“ von Andrea Sixt, die am Valentinstag im Theater am Aegi Premiere hatte, geht: Religion und Sex, Stadt und Land und Mann und Frau. Regie geführt hat Florian Battermann, der Chef des Neuen Theaters. Es ist das letzte Jahr, dass die Komödienreihe im Theater am Aegi stattfindet.

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Die jüngste der drei Frauen, Lena, will eigentlich lieber in der Stadt wohnen als auf dem Land. Weil das mit „Olli aus Altona“ aber doch nicht so gut klappt, wie gedacht, ist sie schnell wieder zurück im Kaff.

Running-Gag: „Hihihi, Sex“

Die Schauspieler überzeugen in ihren Rollen. Besonders Franziska Traub, bekannt geworden als „Gisi“ aus der Comedy-Serie „Ritas Welt“, trifft genau den Humor ihrer Rolle. Das Problem ist nur das Drehbuch: Die drei sektvollen Frauen giggeln vor Scham, als Melanie ein Vibrator aus der Tasche fällt. „Sieht aus wie ein Alien“, findet eine und der Pastor flieht so schnell er kann aus der Szene. Nachdem die drei Frauen Flyer ihrer Telefonsex-Hotline „Liebesgeflüster aus der Heimat“ aushängen, verteilt der Kirchenchor die 10 Gebote. „Die rüsten zur Gegendemo“, sagt Waltraud und die 950 Zuschauer lachen – der Humor ist so prüde wie das Dorf selbst.

„Hihihi, Sex“ ist der Running-Gag des Abends. Ein Dildo? Gelächter. Jemand stöhnt? Gelächter. Der alte Vater liest unter der Bettdecke den Playboy? Gelächter. Das ist nicht nur recht pubertär, es geht auch mal daneben: Als die drei Frauen in einen Sexshop gehen, um zu recherchieren, betet Lena das Vater-Unser und ruft beim Anblick eines Dildos erschrocken „Ich bin nicht lesbisch“ – das mag Ausdruck ihrer Naivität sein, homophob ist es trotzdem. Später demonstriert sie mit einem abgehackten „Hai, Hai“, wie Japaner vermeintlich stöhnen. Lustig? Eher nicht.

Warum liegt da eigentlich Stroh?

Auch die Handlung ist alles andere als subtil: Die drei Frauen säuseln zwischen Fendt-Kalender, Gummistiefeln und Latzhose französische Liebkosungen, Hausmädchen-Gebaren und Avancen von Maja – „wie die Biene, nur heißer“. Bauer Jens erzählt, dass er als „Friesen-Fiete“ Pornos gedreht hat, um sein Studium zu finanzieren und wird für Lena plötzlich doch interessant – Trash pur. „Aber warum liegt da eigentlich Stroh?“, fragt Jens sie dann etwas geniert. Am Mittsechziger-Publikum geht die Anspielung auf den kultigen Internet-Witz, ein platter Einstiegsdialog eines Porno-Films, vorbei. Schade – ausgerechnet, wenn das Stück zum Schluss doch noch vom prüden Running-Gag abweicht.

Info: Am Sonnabend wird „Eine ganz heiße Nummer“ um 16 und um 20 Uhr im Theater am Aegi aufgeführt.

Von Kira von der Breie

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