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Kultur Prince-Bassistin Ida Nielsen im Pavillon
Nachrichten Kultur Prince-Bassistin Ida Nielsen im Pavillon
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00:15 12.03.2019
It's never too dark to be cool: Die Sonnenbrille ist obligatorisch beim Prince-Funk von Ida Nielsen im Pavillon Quelle: Volker Wiedersheim
Hannover

Ida Nielsen gibt Takt und Ton vor. Jetzt startete die Weltklasse-Bassistin ihre Europatournee im Pavillon. Ida Nielsen singt hoch. Und das gut. Und sie spielt tief. Und das noch viel besser. Ihre Spezialität ist der Funk à la Prince. Kein Wunder: Bis zu seinem Tod hat sie sechs Jahre an seiner Seite gespielt. Das ist zwar nicht mehr die Hit-Phase von „Purple Rain“, „Kiss“ und „When Doves Cry“, sondern die Ära, in der sich Prince mit der Plattenindustrie anlegte, zu konspirativen Vertriebsmethoden griff und sich unter wechselnden Pseudonymen musikalisch radikalisiert hat. Aber der Groove dieser Zeit ist eine einzigartige Mischung aus Antreiben und Verschleppen.

Es geht dabei um Timingschwankungen im Bereich von Tausendstelsekunden und darunter. Mal die eins im Takt etwas vorziehen, mal die gradzahligen Sechzehntel näher an das folgende ungradzahlige Sechzehntel hintrödeln, und dann hier und da Zweiunddreißigstel reinwerfen. Wer’s beherrscht, macht aus dem Takt und Rhythmus und aus dem Rhythmus Groove. Nielsen und ihre Band – Gitarrist Mika Vandborg, Schlagzeuger Patrick Dorcean und Rapper Kuku Agami – können das.

Davon leben Songs wie „The Librarian“ und „Positivity“. Das ist so gut, dass keiner mehr still stehen kann.Oder sill sitzen. Denn: Der Pavillon ist teilbestuhlt. Außen wird gestanden und getanzt (spätestens ab „You Can’t Fake the Funk“). Und in der Mitte wird gesessen und diskret gewippt. Vielleicht ist das ein Zugeständnis daran, dass sich Nielsen bei früheren Konzerten im Jazz-Club am Lindener Berg auch unter den deutlich reiferen Jahrgängen des dortigen Publikums Fans erspielt hat. Deren Hingabe ist groß, aber das buchstäbliche Stehvermögen nicht mehr so.

Guter Groove – und nichts dahinter?

Dieser Groove! Aber das ist es dann aber eigentlich auch schon. Das ist die Essenz. Groove macht nur die glücklich, die ihn spüren. Verrückte Soli wie bei Basslegende Jaco Pastorious, die vielschichtige Harmonie-Lasagne Stanley Clarkes und die schräge Genialität von Bootsy Collins gibt’s bei Nielsen nicht. Die Texte kreisen über der berechenbaren Worttopografie von Peace, Love, Respect, Funk und Bass. Mit einer Balladenausnahme am Piano (Nielsen hat auch das studiert), ist das ganze Konzert durch viele Songs hindurch ein praktisch ungebrochener, aber hypnotisch packender Jam. Wenn Rapper Kuku Agami Pause hat, sogar nur in Triobesetzung. Wie damals bei The Police klingt das aber niemals dünn. Drummer Dorcean hilft mit ein paar diskreten technischen Tricksereien und drückt vom Laptop hier und da Synthesizer-Klangschnipsel rein. Das ist aber kein Betrug, sondern eine Notwendigkeit. Eine Realität ist, dass auch Weltklassekünstler aufs Budget gucken müssen. Keyboarder sind wie Nachtisch: Mit ist es schöner, ohne ist es billiger.

Kleine Besetzung, großer Groove: 230 Besucher feiern im Pavillon beim Auftakt zur Europatournee Ida Nielsen und die Funkbots. Und ein bisschen auch Prince.

Es gibt in Nielsens Show eine kurze freundliche Übernahme von Eminems „My Name Is“. Aber Prince-Songs spielt sie nicht. Aus „persönlichen Gründen“, wie sie kurz anmoderiert. Dafür gibt es allerdings ein „Purple Interlude“ als Hommage an ihren früheren Boss und Förderer. Da steckt so viel Prince drin, dass man sich mit geschlossenen Augen glatt vorstellen kann, er steht da auf der Bühne. Tut er natürlich nicht. Nicht im Pavillon. Nicht für knapp 30 Euro (inklusive Getränk). Da steht einfach nur eine wahnsinnig gute Bassistin mit einer Überportion Talent und Coolness: Nielsen, schwarz-goldener Sandberg-Bass, Discoglitzerjacke, nimmt den ganzen Abend vor Publikum die Sonnenbrille nicht ab. Nicht einmal, als sie nach der Show im Pavillon-Foyer charmant Autogramme schreibt.

Von Volker Wiedersheim

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