Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur 25 000 Besucher bei der „Don Giovanni“-Probe
Nachrichten Kultur 25 000 Besucher bei der „Don Giovanni“-Probe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 27.08.2018
Auf dem Weg zum „Don Giovanni“-Debüt: Andrew Manze bei der Generalprobe zum Klassik Oper Air. Quelle: Stefan Arndt
Anzeige
Hannover

Radiophilharmonie-Chef Andrew Manze ist als Orchesterleiter gerade so gefragt wie nie zuvor – als Operndirigent aber ist er ein Anfänger: Vor „Don Giovanni“ hat er kaum Opernproduktionen geleitet. Bei der Generalprobe am Donnerstag im Maschpark ist diese mangelnde Erfahrung aber zunächst kaum zu spüren. Die Ouvertüre geht er in gelassenem Freiluftaufführungstempo an. Die Radiophilharmonie klingt so auch mit elektronischer Verstärkung recht elegant und plastisch.

Etwas problematischer ist das bei den Sängern: Ihre Stimmen wirken zu laut eingepegelt, was vor allem stört, wenn mehrere gleichzeitig singen. Und auch Manzes teilweise erstaunlich langsamen Tempi machen ihnen immer wieder zu schaffen.

Anzeige

In der Probe wird ausprobiert

Die Generalprobe bleibt aber auch dann eine Probe, wenn viele Zuschauer dabei sind: Es wird etwas ausprobiert. In der Aufführung wird vermutlich gerade der ersten Teil noch etwas mehr Zug gewinnen. Mozarts Musik bleibt allerdings in jedem Fall empfindlicher als die von Verdi oder Puccini, die in den vergangenen Jahren im Maschpark gespielt wurde.

Für sich genommen tönen die Stimmen aber edel: Paolo Fanale verleiht der meist blassen Figur des Don Ottavio hier einmal viel Glanz. Dass er die Arien aus allen erhaltenen Fassungen des Komponisten singen darf, ist iein Gewinn. Allzu philologisch geht man bei der Open-Air-Aufführung ohnehin nicht vor: Die letzte Szene nach dem Höllensturz ist einfach gestrichen. Der Abend dauert auch so fast bis halb eins.

Star-Bariton Ludovic Tézier, im vergangenen Jahr ein finster-verwachsener Rigoletto auf der Maschpark-Bühne, führt auch jetzt als Titelheld ein ganz überwiegend souveränes Sängerensemble an, das seinem in der Opernwelt guten Ruf gerecht wird: Man kann auch in den Weiten des Maschparks nachvollziehen, warum Malin Byström, Jennifer Holloway, Cassandre Berthon, Krzysztof Baczyk und vor allem Luca Pisaroni als Leporello zu den gefragtesten Sängern für ihre Partien gehören.

Entsprechend begeistert ist das Publikum vor der Bühne und die rekordverdächtige Menge im Maschpark: Die Veranstalter zählen insgesamt 25 000 Besucher. Im vergangenen Jahr kamen so viele Menschen erst zur Aufführung. Bei der (leicht verregneten) Probe waren es damals nur 8000.

Von Stefan Arndt