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Spielzeit „Wir wollen uns verirren“
Nachrichten Kultur Spielzeit „Wir wollen uns verirren“
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00:00 24.04.2015
Im Labyrinth der eigenen Gefühle: Christoph Linder (links) bahnt sich den Weg.
Im Labyrinth der eigenen Gefühle: Christoph Linder (links) bahnt sich den Weg. Quelle: Ralf Mohr
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Hannover

Stimmengewirr, fremd klingende Sprachfetzen, die langsam verstummen, dann ein Flüstern. Stille. Drei Schauspieler und drei Tänzer verknoten sich ineinander, lösen sich, finden in neuen Konstellationen und in anderen Räumen auf dem labyrinthischen Gelände der Eisfabrik wieder zusammen. Tanz, Schauspiel, Videoinstallationen, Ortswechsel, Szenenwechsel, Lichtwechsel. Dazu - wie ein roter Faden - die Bühnenmusik von Christof Littmann.

„Das verdichtet sich erst zum Ende der Proben“, erklärt Commedia-Chef und Regisseur Wolfgang A. Piontek. Gemeinsam mit dem hannoverschen Choreografen Felix Landerer und dem Tänzer und Choreografen Pedro Goucha Gomes entwickelt er einen Multimedia-Parcours aus Tanz- und Theaterszenen, bei dem auch das Publikum in Bewegung bleibt. Die Wege führen durch die Katakomben der ehemaligen Fabrikanlage, sie sind verschlungen und geheimnisvoll.

„Wir wollen uns verirren. Und wir wollen zugleich den Mythos enttarnen.“ Die Commedia-Futuristen Wolfgang und sein Vetter, der Dramaturg Peter Piontek, sind tief in die antike Mythologie eingetaucht, nehmen aber auch Maß an der Moderne. Bedeutende Literaten wie Friedrich Dürrenmatt oder Jorge Luis Borges haben sich mit dem Schicksal des Minotaurus beschäftigt, der auf der Insel Kreta weggesperrt wurde in ein Labyrinth. Ein Ungeheuer, ein Außenseiter, einer, der anders ist als die anderen. Einer, der im Irrgarten nach Auswegen sucht, einer, dem geopfert wird. Der antike Mythos von Zeus, König Minos, seiner Frau Pasiphae, die ihn mit einem Stier betrogen und den Minotaurus zur Welt gebracht hat, seiner Tochter Ariadne und Theseus, dem Retter. Eine verschlungene Geschichte, eine abgründige Familienkonstellation.

„Der legendäre rote Ariadne-Faden könnte für die Struktur von Zeit stehen, die den unübersichtlichen Raum gliedert“, überlegt Regisseur Piontek. Choreograf Felix Landerer interessiert sich vor allem für seelische Vorgänge. „Was passiert in uns, wenn wir uns verbergen wollen, etwa weil wir uns hässlich finden? Was passiert, wenn wir uns mit unseren eigenen Schwächen auseinandersetzen?“ Welche Beziehungsmuster entwickeln sich innerhalb der Familie, in der Gruppe, am Arbeitsplatz?

„Es geht um unterschiedliche Aspekte und um verschiedene Schattierungen. Jeder liest den Mythos anders. Als Künstler wollen wir in einen Dialog treten.“ Das Bühnenlabyrinth entwirft der Berliner Bildhauer Florian Lechner, die Kostüme (Sabine Mech) orientieren sich an den traumbunten Figuren des Berliner Malers Jonas Burgert, dessen Arbeiten 2013 in der hannoverschen Kestner-Gesellschaft zu sehen waren. Für das Video-Design ist Volker Schreiner verantwortlich.

Der Mensch auf der Suche nach sich selbst, nach Auswegen aus dem Chaos, nach Sinn. „Darüber wollen wir auch mit unseren Zuschauern ins Gespräch kommen.“ Das ist den Labyrinth-Arbeitern wichtig. Deshalb laden sie während der Proben zu offenen Werkstattbesuchen, Lesungen und Diskussionsabenden ein.

Offene Proben in der Eisfabrik am 8. und 15. Mai, 18 Uhr. Premiere am 30. Mai, 20 Uhr. Karten unter (05 11) 81 63 53.

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