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Spielzeit Freiheit statt Perfektionismus
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00:00 29.05.2015
Christian Zacharias tritt in einer Doppelfunktion in Hannover auf. Quelle: Rudolph
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Hannover

In einem Interview konfrontierte ein Kritiker Christian Zacharias mit einer Rezension, die er ein Jahr zuvor über ein Rezital des Pianisten geschrieben hatte: Zacharias‘ Interpretation einer großen Beethoven-Sonate sei ihm zu sehr wie eine Improvisation erschienen. Zacharias reagierte allerdings nicht brüskiert. Natürlich solle ein Stück nicht jedes Mal gänzlich anders klingen, aber dass sein Spiel den Eindruck von Freiheit vermittelt habe, das fand er eher erfreulich. Ein starrer Perfektionismus sei für ihn eine künstlerische Sackgasse, habe nichts mit dem Leben zu tun.

Ob als Dirigent oder Solist - wichtig für das Musikmachen ist ihm der Dialog. Sei es mit den Musikern, sei es der Dialog mit den gespielten Stücken als Interpret. Wichtig sind ihm dabei die Lebendigkeit und Spontaneität des „Gesprächs“, die sich in Schlagfiguren, Gestik und Mimik oder in den reichen Klangfarben seines pianistischen Anschlags äußern. Seit gut 40 Jahren ist Zacharias einer der weltweit gefragtesten Konzertpianisten, seit den 1990er-Jahren ist das Dirigieren als zweites Standbein hinzugekommen - eines, das für ihn immer wichtiger wird. Mit Beginn der Jahrtausendwende arbeitete er 13 Jahre lang als Chefdirigent mit dem Orchestre de Chambre de Lausanne zusammen und spielte mit diesem Klangkörper in seiner Doppelfunktion als Dirigent und Pianist vielfach preisgekrönte Tonträger ein.

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Seine Freude am Entdecken führt bei Zacharias zu ungewöhnlichen Programmzusammenstellungen, die sich jenseits der im Konzertbetrieb etablierten Abfolge Ouvertüre - Konzert - Sinfonie bewegen. So steht als erstes Werk des 7. Sinfoniekonzerts des Niedersächsischen Staatsorchesters Hannover die Berliner Sinfonie e-Moll von Carl Philipp Emanuel Bach auf dem Programm. C.P.E. Bach steht zwar heute im Schatten seines Vaters Johann Sebastian, aber zu Lebzeiten war er einer der experimentierfreudigsten, führenden Komponisten, vor allem im Bereich der Klaviermusik. Seine Werke wirken spontan, rhythmisch variantenreich und überraschend, er arbeitet mit Kontrasten auf engstem Raum.

7. SINFONIEKONZERT

Carl Philipp Emanuel Bach: Berliner Sinfonie e-Moll Wq 178 (1756); Bernd Alois Zimmermann: „Rheinische Kirmestänze“ (1962); Wolfgang Amadeus Mozart: Klavierkonzert Nr. 6 B-Dur KV 238 (1776); Robert Schumann: Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 97 „Rheinische“ (1850); Niedersächsisches Staatsorchester Hannover Dirigent und Solist (Klavier): Christian Zacharias

Sonntag, 21. Juni 2015, 17 Uhr; Montag, 22. Juni 2015, 19.30 Uhr (Kurzeinführung jeweils 45 Minuten vor Beginn)

20 Jahre später sollte bereits ein anderer Geist in der Musik herrschen: Eher lichte, gelegentlich elegische Momente und Heiterkeit prägen Wolfgang Amadeus Mozarts in Salzburg entstandenes Klavierkonzert B-Dur KV 238. Passend zur intimen Grundstimmung des Konzerts verlässt Christian Zacharias das Pult und übernimmt die musikalische Leitung vom Flügel aus. Im Dialog mit der Zeit war auch der Komponist Bernd Alois Zimmermann. Handfeste und burleske Heiterkeit der fünf „Rheinischen Kirmestänze“ erinnern an Volksmusiktradition und Igor Strawinsky. In Robert Schumanns 3. Sinfonie Es-Dur („Rheinische“) ist noch nichts zu erahnen vom späteren Schwinden von Schumanns kreativen Kräften. Kraftvoll hebt die Sinfonie an und spiegelt Schumanns Optimismus zum Amtsantritt seiner Leitung des Allgemeinen Musikvereins und des Gesang-Musikvereins. Ein kontrastreiches Programm, bei dem Christian Zacharias’ musikalische Dialogfreude klangvoll zum Ausdruck kommt.

Christopher Baumann

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