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Spielzeit Haie treiben ihr Unwesen
Nachrichten Kultur Spielzeit Haie treiben ihr Unwesen
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00:00 24.04.2015
Katja Gaudard spielt die Hauptfigur Rebecca.
Katja Gaudard spielt die Hauptfigur Rebecca. Quelle: Katrin Ribbe
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Hannover

„The Homemaker“ wurde sogar in den USA noch nicht gespielt. Wie kam es zur Uraufführung des Stücks hier in Hannover?

Noah Haidle und ich haben uns vor ungefähr eineinhalb Jahren kennengelernt. Er hat Berlin besucht, und wir waren in Museen, haben einige schöne Abende verbracht, viel über Theater und seine Stücke geredet. Wir haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden. Er hat mir später auch Texte geschickt, und ich fand die Art, wie er schreibt, und die Themen, die er bearbeitet, toll und inspirierend. Dann haben wir verabredet, dass wir zusammen ein Projekt machen, sobald sich die Gelegenheit an einem Haus bietet, das auch Lust auf so eine Uraufführung hat. Das hat sich in Hannover nun glücklicherweise ergeben.

Können Sie beschreiben, was Ihnen an den Stücken von Noah Haidle so gut gefällt?

Mich begeistert seine Ernsthaftigkeit. Er kann sehr gute Dialoge schreiben und schafft tolle Figuren, bringt Menschen aus Fleisch und Blut aufs Papier. Seine Stücke kreisen um die Themen Familie und die Suche nach Glück und um die großen Fragen: Worauf warten wir? Was ist überhaupt Glück? Was ist der Sinn des Lebens? Noah sagt, dass er in der Tradition von Tschechow und Beckett stehe. Aus irgendeinem Grund wollte er schon immer Autor werden, nicht erklärlich, warum. Schon als Kind habe er diese ganzen Stoffe gelesen und sich einverleibt. Das gefällt mir so gut an ihm, dass er Dramatik im Sinne von Drama schreibt. Also, da passiert tatsächlich was.

Und was passiert in „The Homemaker“?

„The Homemaker“ ist die Geschichte von Rebecca, einer Hausfrau und Mutter, die ihr Leben ganz ihrer Familie gewidmet hat. Homemaking bedeutet, man baut mit Liebe und Sorgfalt und sehr viel Enthusiasmus ein Heim für seine Familie. Rebecca zerbröckelt daran immer weiter, beziehungsweise sie hinterfragt immer mehr, ob das Heim, das sie da geschaffen hat, das richtige war, und ob das tatsächlich der Sinn ihres Lebens gewesen sein soll. Im Verlaufe dieses Abends, an dem das Stück spielt, passieren ihr unterschiedliche, auch sehr groteske Dinge, die sie auf diese Frage nach dem Sinn des Lebens zurückwerfen. Das macht das Stück interessant. Es ist traurig und komisch zugleich. Man könnte es als eine Art Splatter-Tragikomödie bezeichnen. Wie aus dem Nichts wird es plötzlich ziemlich brutal. Schon zu Beginn wird ein Weltuntergangsszenario etabliert: Um das Haus steigt eine apokalyptische Flut. Haie und ein Wal treiben ihr Unwesen. Und mittendrin wartet Rebecca auf ihren Mann, der losgezogen ist, sein Glück zu suchen. Dieses Warten sehe ich auch ein bisschen in der Tradition von Beckett - nur, dass bei Noah dabei eben ganz viel passiert.

Und dieses Stück hat der Autor seiner Mutter gewidmet?

Genau. Das Stück trägt gewisse autobiografische Züge und spielt ja auch in Noahs Heimat Grand Rapids, Michigan. Es ist auf der einen Seite eine Liebeserklärung an die Mutter und auf der anderen Seite eine Kritik am reinen Mutterdasein. Noahs Mutter hat sehr viel für ihn getan, wie er mir erzählt hat. Sie ist so ein Homemaker, also eine Frau, die die Familie zusammenhält, die auf alles Acht gibt, die er sehr liebt. Und sie wird tatsächlich gemeinsam mit ihm aus US-Amerika zur Premiere nach Hannover anreisen. Das setzt mich selbstverständlich ein bisschen unter Druck - zumal meine Mutter ebenfalls kommen wird. Die Uraufführung wird also in gewissem Sinne auch ein Familienfest.

Und Sie - sind Sie ein Homemaker?

Im Moment habe ich noch nicht einmal eine eigene Wohnung und lebe in den Gästewohnungen der Theater, an denen ich arbeite. Homemaking ist also das Letzte, womit ich mich gerade beschäftige.

The Homemaker (Alles muss glänzen) von Noah Haidle Uraufführung 16. Mai, 19.30 Uhr, Schauspielhaus, anschl. Premierenfeier

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