Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Spielzeit In surrealen Welten
Nachrichten Kultur Spielzeit In surrealen Welten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 29.05.2015
Eine Liebe im Schnee: Ka (Moritz Nikolaus Koch) und Ipek (Joëlle Rose Benhamou). Quelle: Andreas Hartmann
Anzeige
Hannover

Mit Dramatisierungen von Romanen ist das so eine Sache. Wird die Bühnenfassung dem Originaltext überhaupt gerecht? Führen Kürzungen der Handlung, eine Verknappung des Personals und die Überführung des Prosatextes in Theaterdialoge nicht zu massiven Eingriffen in das Kunstwerk? „Nein, nicht zwangsläufig“, sagt Regisseur und Autor Martin Süß, der Orhan Pamuks Roman „Schnee“ dramatisiert und am Hildesheimer Theater für Niedersachsen (TfN) auf die Bühne gebracht hat. „‚Schnee‘ ist ein Roman, der sich wunderbar für die Bühne eignet. Und zwar zuallererst wegen seiner besonderen Atmosphäre. Man wird beim Lesen entführt in eine abgeschlossene surreale Welt, alles leicht schräg, der immer fallende Schnee beleuchtet vom Gelb der Straßenlaternen. Es beflügelt sofort die Fantasie, dafür eigene Bilder zu suchen.“

Der berühmte Roman „Schnee“ des Literaturnobelpreisträgers Orhan Pamuk (im türkischen Original „Kar“, erschienen 2002, 2005 ins Deutsche übersetzt) spielt in der türkischen Provinzstadt Kars, die durch dichten Schneefall von der Außenwelt abgeschlossen ist. Ka, ein türkischer Dichter, der seit zwölf Jahren im politischen Asyl in Frankfurt lebt, ist hier, um einen Artikel über eine Reihe seltsamer Selbstmorde unter sogenannten Kopftuchmädchen zu schreiben, die sich in Kars zugetragen hat. Und er möchte Ipek wiedertreffen, seine Liebe aus Studienzeiten, sie heiraten und in Frankfurt mit ihr glücklich werden. Doch in der Abgeschiedenheit des verschneiten Ortes gerät Ka in einen Strudel aus politischen, religiösen und gesellschaftlichen Strömungen, denn alle versuchen ihn, den Fremden, auf ihre Seite zu ziehen. „Beim Lesen des Romans“, so Martin Süß, „gerät man unwillkürlich in einen Sog, der den Leser erst langsam und zum Schluss immer schneller in den Bann der Geschichte zieht. Diese Sogwirkung erhoffe ich mir auch für die Zuschauer im Theater.“

Anzeige

Der 34-jährige Regisseur hat die Bühnenfassung von „Schnee“ im Jahr 2010 für den Heidelberger Stückemarkt entwickelt. Gastland war die Türkei, gemeinsam mit der Dramaturgin Kerstin Grübmeyer machte er sich auf die Suche nach einem Stoff, der etwas über dieses Land erzählt. „Nach mehrmaligem Lesen des Romans und intensiver Beschäftigung mit den Inhalten begannen wir, daraus ein Theaterstück zu machen, wobei es von Anfang an nicht darum ging, den kompletten Roman für die Bühne nachzuerzählen“, betont Süß. „Zuerst legten wir fest, auf welche Figuren wir uns konzentrieren wollten. Ausgehend von den Roman-Passagen in direkter Rede entstand nach und nach eine sehr lange Bühnenfassung, die wir dann immer mehr auf die Geschichte konzentrierten, die es jetzt geworden ist.“ Cornelia Pook

Am 12. Juni, 20 Uhr in Burgdorf, 15., 17. und 23. Juni jeweils um 19.30 Uhr in Hildesheim. Karten unter (0 51 21) 16 93 16 93.

Spielzeit Staatsoper Hannover: 7. Sinfoniekonzert - Freiheit statt Perfektionismus
29.05.2015
Spielzeit Staatsoper Hannover - Kein Paradies ohne Hölle
29.05.2015