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Spielzeit Kein Paradies ohne Hölle
Nachrichten Kultur Spielzeit Kein Paradies ohne Hölle
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00:00 29.05.2015
Quelle: oh
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Hannover

Beiß nicht gleich in jeden Apfel“, sang Wencke Myhre Mitte der 1960er-Jahre, „er könnte sauer sein …“ - ein lässiger Verweis auf den Apfelbiss schlechthin: der Sündenfall. Er brachte die große Wende. Zuvor war im Paradies alles Freude und Wonne. Reines Wasser sprudelte überall. Die prächtigen Pflanzen waren ungiftig und hatten weder Stachel noch Dornen. Eine blühende Landschaft - sämtliche Tiere und die zwei einzigen Menschen lebten gerne dort. Allerdings war es strengstens untersagt, von den beiden Bäumen in der Mitte des Gartens auch nur zu naschen, aber es gab sowieso mehr als genug zu essen.

Alles war friedlich und sorglos, bis die Schlange der Frau vorschlug, die verbotene Frucht vom Baum der Erkenntnis zu probieren. Sie konnte nicht widerstehen, und auch der Mann aß davon. Beide hatten nicht damit gerechnet, dass Gott sie ertappen würde, schließlich konnten sie bisher Gut und Böse nicht unterscheiden. Aber schon nach einem Bissen war ihnen alles klar, und er wurde ihnen sauer. Und sofort brach auch der Heilige Zorn über sie herein.

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Gott gab ihnen noch ein Fellröckchen mit, ehe er sie aus dem Garten Eden vertrieb, aber der Spaß hatte ein Ende. Adam und Eva, wie das erste Menschenpaar sich jetzt nannte, mussten sich von da an mit allem abmühen, und Schmerzen hatten sie auch. Essen und Trinken, Kleidung und Wohnung wurden zum Problem. Selbst die Tiere waren wild geworden. Aber es gab kein Zurück. Die Cherubim mit ihrem Flammenschwert waren unerbittliche Türsteher. Niemand kam mehr durch das Tor zum Paradies.

Einzig die Hoffnung bleibt. Denn die Guten unter den Menschen erwartet das Himmelreich, doch auch das erst nach ihrem Tod. Und ob das Spaß macht? Schließlich herrscht im Land der Seligen Unisex. Damit haben selbst Engel Schwierigkeiten, und mancher unangepasste musste deswegen zurück auf die Erde. Einige wollten sogar freiwillig zurück, wie der berühmte Münchner Dienstmann alias Engel Aloisius, der über Frohlocken und Hosianna-Singen sein geliebtes Bier einfach nicht vergessen konnte.

PARADISO: Ballett von Jörg Mannes, Musik von Giovanni Sollima, Choreografie: Jörg Mannes, Musikalische Leitung: Mark Rohde, Bühne: Florian Parbs, Kostüme: Rosa Ana Chanzá, Licht: Peter Hörtner, Dramaturgie: Brigitte Knöß, Ballett der Staatsoper Hannover, Niedersächsisches Staatsorchester Hannover, Solo-Cello: Giovanni Sollima/ Reynard Rott, Premiere: Freitag, 12. Juni, 19.30 Uhr, Weitere Vorstellungen 20. und 27. Juni sowie 1. und 8. Juli.

Kein Wunder, dass immer wieder vom Paradies auf Erden die Rede ist. Die meisten Versprechungen diesbezüglich stellen sich zwar schnell als plumper Betrug oder Geldschneiderei heraus, aber wer weiß? Es könnte doch sein … und vielleicht existiert ja eine Hintertür zum Garten Eden? Aber wo liegt eigentlich das gelobte Land?

Jörg Mannes heftet sich den Glücksjägern an die Fersen. Er ist unterwegs mit himmlischen Wesen und gefallenen Engeln, mit Adam, Eva, der Schlange und anderen Vertriebenen. Die kommen einander in die Quere und wollen sich gegenseitig austricksen. Sie machen sich das Leben zur Hölle. Aber dann und wann öffnet sich ein Tor. Doch liegt dahinter die Erfüllung? Oder wartet die Enttäuschung?

Auf der Suche nach dem Unmöglichen wird der Choreograf musikalisch begleitet von Giovanni Sollima, den Jörg Mannes sehr schätzt. Sollimas Kompositionen waren bereits in mehreren seiner Ballette präsent: in „Lux“, „Ein Stück Zeit“ und „Inferno“ für das Ballett der Staatsoper Hannover sowie in „Spiegelgleichnis“ für das Badische Staatsballett Karlsruhe. Jetzt komponiert Sollima eigens für „Paradiso“ neue Werke. Der italienische Cello-Virtuose hat keine Berührungsängste, in der E-Musik fühlt er sich ebenso zu Hause wie in der Volks-, Jazz- oder Rockmusik. „Der verrückte Sizilianer“ verleihe dem Cello Sex-Appeal, so der weltberühmte Cellist Yo-Yo Ma über seinen italienischen Kollegen. Als Interpret und Komponist genießt Sollima in seinem Heimatland Italien und in den USA Rockstar-Status. In Hannover arbeitet er mit dem Niedersächsischen Staatsorchester Hannover an der Einstudierung seiner Werke. Anlässlich der Uraufführung des Balletts „Paradiso“ wird Giovanni Sollima am Premierenabend selbst die Cello-Solopartie übernehmen.

Brigitte Knöß

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