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Spielzeit Nachts im Ballhof
Nachrichten Kultur Spielzeit Nachts im Ballhof
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11:59 08.02.2015
Nachtwächter mit Durchblick: Wolf List. Quelle: Katrin Ribbe
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Hannover

Gespenstisch ist der nächtliche Raum. Das Sehen fällt schwer. Mit den Konturen lösen sich auch die Grenzen der Wahrnehmung zwischen Bekanntem und Unbekanntem, Realität und Fiktion auf. „Abends bin ich ein sehr witziger Autor bis in die späte Nacht“, schrieb E.T.A. Hoffmann an einen Freund. Seine „Nachtstücke“, die 1816 veröffentlicht wurden und zu denen auch „Der Sandmann“ gehört, entstanden wohl auch zu später Stunde. Den Romantiker Hoffmann interessierten vor allem Schauerromane und Geisteskrankheiten. Seine Texte kreisen um Normalität und Wahn, Bürgerlichkeit und Exzentrik.

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Der Sandmann ist heute als liebenswerte Figur bekannt, die abends Kinder besucht und ihnen Schlaf bringenden Sand in die Augen streut. Doch im alten Ammenmärchen in Hoffmanns Erzählung kommt der böse, raubvogelartige Sandmann nur zu den Kindern, die nicht schlafen wollen, er wirft ihnen so lange Sand in die Augen, bis sie blutig zum Kopf herausspringen.

Der Student Nathanael hat diese Geschichte als Kind oft gehört, wenn er nicht einschlafen konnte - gerade dann, wenn der Vater mit dem Advokaten Coppelius alchemistische Experimente durchführen wollte. Einmal wagte es Nathanael, die beiden aus einem Versteck zu beobachten. Dabei wurde er entdeckt, und Coppelius drohte, ihm die Augen auszureißen. Seitdem glaubte der Junge, dass dieser Coppelius der Sandmann sei. Später kam sein Vater bei einem dieser Experimente ums Leben. Nun meint Nathanael dem gefürchteten Mann seiner Kindheit wieder begegnet zu sein. Dieser verkauft ihm ein Perspektiv, durch das er die Dinge auf besondere Weise zu sehen scheint. Er ist plötzlich besessen von der Wirkung dunkler Mächte - auch seine Liebe zu Clara sieht er von ihnen bedroht. Durch das magische Fernglas erblickt er schließlich Olimpia, das wunderschöne Mädchen von gegenüber, in das er sich Hals über Kopf verliebt. Doch eines Tages überrascht er seinen Professor und den vermeintlichen Coppelius, die heftig streitend um Olimpia ringen: Sie sieht plötzlich aus wie eine leblose Puppe, der die Augen fehlen. Daraufhin verfällt Nathanael dem Wahnsinn.

Der Schauspieler Wolf List genießt die spannenden Proben mit Regisseur Tomas Schweigen und verrät schon einmal, dass dessen Inszenierung auch nachts spielen wird. Schweigen versetzt den Stoff in ein modernes Ambiente, in eine Lagerhalle oder einen Fabrikraum, der bewacht werden muss. „Hier arbeiten Sebastian Schindegger und ich als Nachtwächter“, erzählt List. „Es passieren immer wieder Dinge, die die Fantasie befördern. Die Erzählhandlung des Sandmanns entfaltet sich mehr und mehr.“ Im Gegensatz zu Kafkas „Verwandlung“, wo die Textfassung aus Originaltext besteht, schere die „Sandmann“-Fassung gelegentlich aus der Vorlage aus. Die Zuschauer erwarte ein spannender, mitunter unheimlicher Abend, der auf verschiedenen Ebenen erzählt wird, die auch mal aufeinanderprallen. Langweilig, verspricht List, werde es auf keinen Fall.

Der Sandmann von E.T.A. Hoffmann Premiere 6. Februar, 19:30 Uhr, Ballhof Eins

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