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Spielzeit Sehnsuchtsort Disneyland?
Nachrichten Kultur Spielzeit Sehnsuchtsort Disneyland?
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00:00 27.03.2015
Was ist schon normal? Trügerisches Familienidyll mit Susana Fernandes Genebra, Mathias Max Herrmann und Nachwuchs.
Was ist schon normal? Trügerisches Familienidyll mit Susana Fernandes Genebra, Mathias Max Herrmann und Nachwuchs. Quelle: Katrin Ribbe
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Hannover

Wie Finger ragen die bunten Plastikfähnchen eines weltbekannten Straßenschildes über dem Schriftzug „Disneyland“ in den babyblauen Himmel.

Das Eingangstor zum Disney-Kosmos erreicht man über eine stark befahrene Autobahn mit extra Abfahrt. Viele der jährlich 15 Millionen Ferienparkbesucher durchqueren den bunten Schriftzugbogen auf ihrem Weg zur „fröhlichsten Feier auf Erden“. Dass die Plastikfähnchen des Straßenschildes bei jedem Wetter statisch einen Westwind simulieren, dürfte ebenso wenigen Besuchern auffallen wie die Uneinlösbarkeit des Versprechens, das die riesigen Disney-Film-Figuren auf ihren Lippen tragen: „Here your dreams will come true.“

In Jan Friedrichs Stück „Deals“ ist Disneyland, dieses Gruselwunderland, der Sehnsuchtsort, an den sich Isabella Schlehberg mit ihrer Familie wünscht. Doch seit sich ihr zwölfjähriger Bruder in offenkundiger Selbstmordabsicht den Inhalt seines Chemiebaukastens einverleibte und im Krankenhaus liegt, ist die ohnehin gestörte Familiengemeinschaft völlig hinüber. Der lange verschollene Vater kehrt in den Schoß der Familie zurück, um für Zusammenhalt zu werben, während Isabellas Mutter beim Freund ihrer Tochter Marihuana kauft, um ein paar Momente in ihrem persönlichen Disneyland zu verbringen.

In Hanna Müllers Inszenierung wird das Bühnenbild eine (Verkehrs)-Insel sein: Hier begegnen sich die Mitglieder der Familie, um ihre Beziehungen zu verhandeln. Hier, gestrandet vor dem  Eingang nach Disneyland, können sie nicht über ihren eigenen Schatten und in ihr Traumland springen. Der Wunschort thront nah und doch unerreichbar über ihren Köpfen.

Jungautor Jan Friedrich, der am Schauspiel Hannover bereits in Claudia Bauers Inszenierung „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ die Dramaturgie übernahm und für die Textfassung verantwortlich zeichnete, schneidet in „Deals“ quer durch bestehende Familienmodelle und wirft so die Frage auf, was „normal“ überhaupt bedeuten soll. Für Isabella ist die Antwort klar: Normal, das sind die Familien, die grinsend neben Mickey, Pluto und Donald posieren. Und zwar gemeinsam.

Das will sie auch. Das Souvenirfoto dient als Abbild einer heilen Welt, die nicht existiert. Und die Plastikfähnchen zeigen gen Westen.

Deals von Jan Friedrich

Uraufführung

25. April, 19.30 Uhr, Ballhof Zwei

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