Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Spielzeit Sicherheit ist Freiheit
Nachrichten Kultur Spielzeit Sicherheit ist Freiheit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:00 24.09.2014
Elena Schmidt als Julia in Orwells „1984“
Elena Schmidt als Julia in Orwells „1984“. Quelle: Katrin Ribbe
Anzeige
Hannover

Die technischen und politischen Entwicklungen haben George Orwells Dystopie immer wieder in die Wirklichkeit geholt. Während man sich freiwillig in Social Rankings und sozialen Netzwerken einer ständigen Beobachtung aussetzt, weicht das im Übermaß wachsende staatliche Bedürfnis nach Sicherheit menschenrechtliche Standards auf oder setzt sie partiell auch völlig außer Kraft.

Schon jetzt ist der Krieg ein Dauerzustand, auch wenn es sich ausschließlich um bewaffnete Konflikte handelt. Ausgenommen der „War on Terror“, der aber laut Definition tatsächlich kein Krieg ist. Auch mag man sich in dem Glauben, nichts zu verbergen zu haben, allzu leichtfertig mit den staatlichen Überwachungsambitionen arrangieren. Doch bereits jetzt sind die Auswüchse beängstigender als jene Kriminalität, die die Sammelwut begründet. „Was immer für die Wahrheit verkauft wird, ist die Wahrheit.“ Die berufsbegleitende Erkenntnis des Protagonisten Winston Smith in Orwells Roman ist längst keine Negativ-Utopie mehr.

Winston ist ein fleißiger Teil des Systems. Ein Fälscher, der längst archivierte Veröffentlichungen korrigiert, sobald sie mit der Gegenwart nicht mehr übereinstimmen, denn wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert auch die Zukunft. Doch Winston beginnt sich zu erinnern und zweifelt. An der Wirklichkeit des andauernden Krieges, den ununterbrochen guten Wirtschaftsmeldungen, der totalen Überwachung, dem plötzlichen Verschwinden von Mitmenschen sowie der verordneten Vereinsamung. Es ist die Liebe einer jungen Frau, die ihm den Mut gibt, aktiv gegen das System zu rebellieren. Mit Julia erfährt er ein Leben ohne Angst, und ihr gemeinsames Liebesnest wird für ihn gleichzeitig zu einer Enklave der Selbstbestimmung.

Doch das vermeintliche Glück währt nur kurz. O’Brien, ihr Mittelsmann zur Bruderschaft, einer Verschwörung gegen das System, entpuppt sich als Mitglied der Gedankenpolizei. Die beiden werden verhaftet, und Winston erfährt im Ministerium für Liebe, dass jeder seiner Schritte schon längst unter Beobachtung stand und die Bruderschaft gar nicht existiert. Mit unvorstellbaren Foltermaßnahmen beginnt Winstons Umerziehung, und alle Androhungen O’Briens bewahrheiten sich. Ihm werden Sachen angetan, von denen er sich niemals erholt, er gibt die Freiheit auf zu sagen, dass zwei mal zwei vier ist. Letztlich verrät er auch Julia - und damit seine Liebe.

Mit Daniel Christensen, Wolf List und Elena Schmidt

1984 von George Orwell Premiere 11. Oktober, 19.30 Uhr, Ballhof Eins, ab 14

anschl. Premierenfeier

24.09.2014
Spielzeit Staatsoper Hannover - Auf der Karriereleiter
24.09.2014
24.09.2014