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Spielzeit Zwei ungleiche Schwestern
Nachrichten Kultur Spielzeit Zwei ungleiche Schwestern
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00:00 30.10.2015
Paulina Neukampf: „Ich möchte das Lebensgefühl der heranwachsenden erzählen.“ Quelle: Isabel Machado Rios
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Hannover

Konzentriert beobachtet Paulina Neukampf ihre beiden Darstellerinnen Sophie Krauß und Laura Schuller auf der Probe. Plötzlich springt sie auf, steuert quer über die Bühne den Sitzplatz der Souffleuse Annette Köhne-Fatty an (die im Stück den Eltern ihre Stimme leiht), nimmt selbst Platz und übernimmt leidenschaftlich deren Part: Die Mutter der beiden Mädchen hat mit dem Einsatz der Regisseurin soeben Einzug in den Proberaum gehalten. „Entschuldigung, aber Annette kann ja heute nicht da sein“, sagt sie nach der Szene und bewegt sich zurück zu ihrem eigentlichen Stuhl.

Instinkt und Impulse scheinen Paulina Neukampfs Handeln insgesamt zu beeinflussen. 1980 im polnischen Miedzyzdroje geboren, wuchs sie nahe der deutschen Grenze auf der Insel Wolin auf. Später studiert sie technische Kybernetik und polnische Philologie in Posen, spielt in freien Theaterprojekten, lässt sich in Japan im Butoh-Tanz schulen, zieht nach Berlin und wird schließlich an der Hamburger Theaterakademie zum Regie-Studium zugelassen.

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Ein Freund hatte sie auf die Idee gebracht, sich zu bewerben. So verschlug es sie also in die Hansestadt, wo sie in diesem Jahr nicht nur erfolgreich ihre Abschlussinszenierung zeigte, sondern im Juni auch noch den Publikumspreis beim Körber Studio Junge Regie abräumte. Schauspielintendant Lars-Ole Walburg, der an der Hamburger Theaterakademie als Gastdozent tätig war, sah ihre Arbeiten und machte ihr das Angebot, in Hannover zu inszenieren.

„Mir geht es hier vor allem um Stimmungen“, sagt Neukampf in der Probenpause und nippt an ihrem Fenchel-Anis-Tee. „Ich möchte das Lebensgefühl der Heranwachsenden, ihren Glauben an die eigene Unbesiegbarkeit erzählen.“ Die junge Regisseurin, die mit einer mitreißenden Begeisterung spricht, inszeniert Lara Schützsacks Roman „Und auch so bitterkalt“. Darin geht es um zwei ungleiche Schwestern: Malina verehrt ihre große Schwester Lucinda. Ein Mädchen, so präsent, dass sich die Leute auf der Straße nach ihr umdrehen. So schön, dass sich die Jungs vor Liebeskummer nach ihr verzehren. So willensstark, dass Mutter Isa sich mit Erziehungsratgebern zudeckt. Als Lucinda nicht mehr isst, kämpfen die Eltern dagegen an und suchen sich schließlich psychologische Hilfe. Doch ihre Bemühungen laufen ins Leere. Lucinda ist längst zu empfindlich für die Tumbheit der alltäglichen Dinge, Gerüche und Geräusche und verschwindet zunehmend vor den Augen der Familie.

Das Wort „Magersucht“ fällt an keiner Stelle des Romans, und dennoch kreisen die Figuren immer wieder um genau dieses Thema - Lucindas Krankheit. „Ich möchte nicht vordergründig die Geschichte einer Essstörung inszenieren. Die Vorlage bietet viele andere Themen, die eine genauso große Rolle im Leben der beiden Schwestern spielen.“

Das Stück soll auch in Schulen gezeigt werden. „Dafür muss ich in den Endproben noch mal umdenken. Für die mobile Variante muss ich ganz anders denken.“ So kommt es, dass Paulina Neukampf bei ihrem Regie-Debüt am Jungen Schauspiel vielleicht gleich zwei Stücke in Hannover inszeniert.

Wenn Sie Interesse haben, die Inszenierung zu sich in die Schule einzuladen, senden Sie bitte eine Mail an: schule@staatstheater-hannover.de (Termine voraussichtlich ab Januar 2016).

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