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Spielzeit Illyrien steht Kopf
Nachrichten Kultur Spielzeit Illyrien steht Kopf
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00:00 30.10.2015
Von Brigitte Kurbgeweit
Lauren Murray, Hongtao Lin und Marco Boschetti. Quelle: Gert Weigelt
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Hannover

Schein und Sein verkehren die Welt der Insel Illyrien, dort, wo William Shakespeare „Was ihr wollt“ ansiedelt. Vermutlich zum ersten Mal aufgeführt zum Dreikönigsfest des Jahres 1601, sollte das Stück das Publikum vor allem unterhalten, denn dieser Tag wurde im Alten England traditionell mit Verkleidung und Späßen gefeiert.

Jetzt hat Ballett-Direktor Jörg Mannes den Stoff für sein neues Ballett entdeckt, seine dritte Shakespeare-Adaption. „Shakespeare ist seit mehr als 400 Jahren ein Monument des Theaters. Jede seiner Figuren besitzt eine Wahrheit, die im Zusammenspiel mit den übrigen Charakteren Komplexität und Tiefe schafft und eine allgemein menschliche Dimension gewinnt. Dieses Wirken individuell unterschiedlicher Kräfte, die zu einem großen Ganzen führen, ohne Worte im Tanz auszudrücken, ist eine Herausforderung, die mich immer aufs Neue reizt.“

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Shakespeares Komödie schlägt ein flottes Tempo an, verlangt rasche szenische Wechsel. Für seine Version suchte Jörg Mannes nach einer besonderen Optik und wünschte sich einen wandelbaren Raum. Im Bühnenbildner Thomas Rupert, der bereits 2013 für „Verklärte Nacht“ mit Mannes arbeitete, und in Amit Epstein, der erstmals Kostüme für ihn gestaltet, fand der Choreograf die passenden Partner. Über spezielle Effekte entwickeln sich hier eigene Bühnenwelten.

Die Liebe treibt in „Was ihr wollt“ ihr Spiel mit den Menschen. Alle werden von ihren Gefühlen geleitet - und genarrt. Nichts ist so, wie es scheint. „Neben den technischen Fähigkeiten der Tänzerinnen und Tänzer sind in diesem Stück besondere darstellerische Qualitäten erforderlich. Einige, die schon länger zum Ensemble gehören, können ihr komödiantisches Talent ausspielen, das bislang weniger zum Tragen kam. Und außerdem gibt es neue Mitglieder der Kompanie zu entdecken“, führt Jörg Mannes aus.

Patrick Michael Doe ist Orsino, der Herzog von Illyrien, der vergeblich um seine Herzdame freit, weil sie aus Trauer um ihren Bruder den Männern entsagt hat. Das Ziel seiner Begierde, Gräfin Olivia, dargestellt von Michèle Stéphanie Seydoux, vermag beim Anblick von Orsinos jungem Diener Cesario aber keineswegs standhaft zu bleiben. In dessen Männerkleidung steckt allerdings eine Frau, die wiederum in Herzog Orsino verliebt ist. Sie heißt Viola und kam als Schiffbrüchige nach Illyrien. Um unbehelligt zu bleiben, hat sie sich verkleidet und ist in den Dienst des Herzogs getreten. Die Rolle der Viola alias Cesario verkörpert Aleksandra Liashenko, die seit Saisonbeginn zum Ensemble gehört und bereits als Giulia in „Inferno“ debütierte.

Orsino, Olivia und Viola alias Cesario werden umgetrieben von mächtigen Gefühlen, die ihren Adressaten nicht finden. Das Beziehungsdreieck müsste in der Tragödie enden, wenn nicht plötzlich Sebastian, verkörpert von Joseph Gray, auftauchte. Er ist Violas verschollen geglaubter Zwillingsbruder, der zunächst noch größere Verwirrung stiftet, bevor er anstelle des vermeintlichen Mannes Cesario Gräfin Olivia heiratet. Schließlich findet Herzog Orsino angesichts der unverkennbaren Weiblichkeit seines Dieners in Viola die Frau fürs Leben.

Die Dienerschaft zeichnete Shakespeare als deftige Typen: Gräfin Olivias Onkel Sir Toby, dessen Saufkumpan Sir Andrew und ihre Zofe Mary werden mit Marco Boschetti, Hongtao Lin und Lauren Murray zum Trio Infernale, das den selbstgefälligen Verwalter Malvolio (Denis Piza) demontiert. Feste, dargestellt von Cássia Lopes, behält als Einziger einen klaren Kopf und spielt für alle den Narren.

Jörg Mannes hat in „Was ihr wollt“ alle Rollen doppelt besetzt, um möglichst viele Tänzer auf der Bühne zu präsentieren. „Hier sind zwei Besetzungen gewachsen, die sich so voneinander unterscheiden, dass ich von zwei gleichwertigen Versionen des Stückes sprechen möchte. Daher werden wir eine Woche nach der Uraufführung eine regelrechte B-Premiere herausbringen.“

In den Hauptrollen in dieser Version: Lilit Hakobyan (Viola/Cesario), Giada Zanotti (Olivia), Alexander McKinnon (Orsino) und Orazio Di Bella (Malvolio). In der Folge werden beide Besetzungen im Spielplan alternieren. Brigitte Knöß

Choreografie: Jörg Mannes Musikalische Leitung: Mark Rohde Bühne: Thomas Rupert Kostüme: Amit Epstein Licht: Elana Siberski Dramaturgie: Brigitte Knöß Ballett der Staatsoper Hannover Niedersächsisches Staatsorchester Hannover

Was ihr wollt Ballett von Jörg Mannes nach William Shakespeare Uraufführung 14. November,

19.30 Uhr, Opernhaus

B-Premiere?21. November, ?19.30 Uhr, Opernhaus

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