Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Sprengel-Museum präsentiert seine Pläne für das Jubiläumsjahr 2019
Nachrichten Kultur Sprengel-Museum präsentiert seine Pläne für das Jubiläumsjahr 2019
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:02 11.04.2019
Kunst wie Sand im Museum: „Sand/Fans“ (1971) von Alice Aycock. Foto: Courtesy the Artist, Alice Aycock 2019 Quelle: Foto: Courtesy the Artist, Alice Aycock 2019
Hannover

Zwar liegt die scharfe Klinge direkt am schlanken Hals der jungen Frau - doch die hält die Waffe selbst und lächelt. Eine kleine Provokation für die Kamera, ein bloßes Spiel mit Gewalt und Gefahr, das Ruth Landshoff da treibt, das It-Girl der Berliner Bohème der Zwanzigerjahre auf einer der Fotografien, die sie ebenso berühmt gemacht haben wie ihren Fotografen Otto Maximilian Umbehr. Der war wie sie keine 30 Jahre alt und nicht minder Bohèmien, war ein paar Jahre zuvor vom Bauhaus geflogen und in Berlin gelandet, schlug sich zunächst eher schlecht als recht durch, war bald aber für seine - in diesem Fall in doppeltem Sinne - scharfen Bildschnitte berühmt.

Symposium zu Umbo

Der Forschung über den Fotografen Umbo ist ein Symposium gewidmet, das am Sonnabend, 9. Februar, ab 11 Uhr im Sprengel-Museum stattfindet. Anmeldungen sind unter fotografie.smh@hannover-stadt.de möglich.

Um epochale Einschnitte geht es 2019 überhaupt im Sprengel-Museum, wo das Bild des später kurz Umbo genannten Fotokünstlers demnächst zu sehen sein wird. Denn das Haus am Maschsee feiert in diesem Jahr lauter künstlerische Zäsuren – die Gründung des Bauhauses in Weimar vor 100 Jahren und 100 Jahre Merz-Kunst in Hannover, die Kunstschenkung von Margrit und Bernhard Sprengel an die Stadt Hannover vor 50 und die Existenz des damals zunächst „Kunstmuseum Hannover mit Sammlung Sprengel“ genannten heutigen Sprengel-Museums.

„Vor allem die Schenkung der Sprengels ist ein ganz entscheidender Einschnitt“, sagt Museumschef Reinhard Spieler, „ein Meilenstein für den Kunststandort Hannover.“ Jubiläen haufenweise also, und eben auch Kunst zuhauf:

Umbo. Fotograf.“: Diese Ausstellung ist, wegen Umbos zweier Bauhaus-Jahre, sozusagen der Beitrag des Museums zum Bauhaus-Jubiläum, dabei zugleich die Feier eines lokalen Künstlers und von spektakulären Neuzugängen zur Sammlung des Hauses. Denn Umbo hat seit 1945 in Hannover gelebt, und hier ist – nach einem in gemeinsamer Kraftanstrengung mit dem Bauhaus und der Berlinischen Galerie realisierten Kauf – sein künstlerischer und archivalischer Nachlass sowie ein Großteil seiner Arbeiten gelandet, immerhin 480 von insgesamt 604 gelisteten Einzelwerken. „Das Werk wurde nach den Entstehungsorten zwischen Dessau, Berlin und Hannover aufgeteilt“, sagt Fotokuratorin Inka Schube. „Wir haben uns aber auch einige frühere Arbeiten gesichert, darunter seine berühmten Aufnahmen des Clowns Krock.“ Insgesamt 200 Umbo-Fotografien sowie Dokumente aus seinem Leben sollen zu sehen sein. Und zum Auftakt der Ausstellung gibt es ein Altberliner Büffet sowie die Aufforderung ans Publikum, mit selbstgemachtem Schmuck, wie ihn auch Umbo gefertigt hat, an einem Wettbewerb teilzunehmen. (9. Februar bis 12. Mai)

Elementarteile. Grundbausteine des Sprengel-Museums und seiner Kunst“: In den zehn Räumen des Neubaus soll es wieder eine Sammlungschau geben, diesmal aber sortiert nach den Grundbausteinen der Kunst und ihrer Präsentation – die Säle tragen entsprechend Titel wie „Farbe“, „Gestalt“ oder „Material“, „Geschichte“, „Gefühle“ oder „Gesichter“. Und auch den Rahmenbedingungen des Museums soll ein Saal gewidmet sein, in dessen Vitrinen etwa der Schenkungsvertrag der Sprengels, die Satzung des Kurt-Schwitters-Archivs oder auch der Sprengel-Vertrag zwischen Stadt und Land einsehbar sein werden. Und diese Ausstellung soll auch darüber hinwegtrösten, dass die Obere Sammlung spätestens ab Herbst nach den Worten Spielers für „mindestens drei Jahre“ geschlossen sein wird, weil in dieser Zeit die überfällige Brandschutzsanierung stattfinden soll. Entsprechend lange soll die Ausstellung laufen (13. April bis 2021). Diese Sammlungspräsentation kuratiert Spieler gemeinsam mit der Volontärin Stella Jaeger, die beide überdies eine Alice-Aycock-Schau einrichten. Von der US-Künstlerin, deren „Twister“-Skulptur seit 2015 vor dem Museum steht, werden weitere großformatige und teils kinetische Installationen zu sehen sein, darunter auch „Sand/Fans“ (1971), in der vier Ventilatoren mit- und gegeneinander einen Sandhaufen formen. (8. Juni bis 1. September)

Fiona Tan. Spectrum – internationaler Preis für Fotografie der Stiftung Niedersachsen: Die Ausstellung der in Indonesien geborenen und in Amsterdam lebenden Fotokünstlerin ist Teil des Spectrum-Fotopreises, den die Jury Fiona Tan zugesprochen hat, weil sie „die Fotografie in ihrer Geschichte, ihren Kontexten, Intentionen und Erscheinungsformen als ein Medium der visuellen Repräsentation“ beschreibe. Zum Ausstellungsauftakt wird die Künstlerin den mit 15.000 Euro dotierten Preis erhalten, außerdem wird ein Künstlerbuch erscheinen. (21. September bis 12. Januar 2020). Weitere Fotoausstellungen sind Louisa Clement (30. Januar bis 10 Juni), dem Thema „Übermalte Fotografie“ (3. Juli bis 6. Oktober) sowie dem unter anderem für seine Porträts von Hannah Arendt bekannten Fotografen Fred Stein (23. 10. bis 26. Januar 2020) gewidmet.

Viermal Neues auf Papier“: In der von Karin Orchard kuratierten Grafikreihe werden diesmal Arbeiten von Christiane Baumgartner, Anke Röjhrscheid, Miron Schmückle und Emma Stibbon gezeigt. (6. März bis 30. Juni)

100 Jahre Merz. Kurt Schwitters. Crossmedia“: Das Merz-Konzept, das Merz-Gedicht „An Anna Blume“ und das erste Merz-Bild „Merz-Bild 1 A“ - all das sind Früchte des Jahres 1919. Grund genug, Kurt Schwitters in den Räumen des Kosmos Schwitters eine Sammlungspräsentation zu widmen, die den hannoverschen Kunstwegbereiter als crossmedialen Grenzgänger zwischen Bildern, Texten und Tönen würdigt. (29. Mai bis 6. Oktober)

Verfemt – gehandelt. Die Sammlung Doebbeke im Zwielicht“: Diese Ausstellung ist der Forschung zum Konvolut von 115 Kunstwerken gewidmet, die die Stadt Hannover 1949 von Conrad Doebbeke erworben hat, ohne nach der Herkunft dieser Werke zu fragen. Weil darunter möglicherweise auch Raubkunst ist, hatte Doebbeke damals dem städtischen Aufkäufer Ferdinand Stuttmann geraten, solange „die ,Rückerstattungs‘-Gefahr“ noch andauere, „die Sachen lieber in den Kisten“ zu lassen. Auf die Frage, ob die Ausstellung dazu neue Erkenntnisse präsentieren werde, sagte die Kuratorin und Provenienzforscherin Annette Baumann am Montag, dies sei nicht der Tag, um zu juristischen Fragen Auskunft zu geben. „Es wird auch bei Ausstellungseröffnung keine neuen Einsichten geben“, fügte Museumschef Spieler hinzu, „aber Fragen haben wir viele.“ (17. Juli bis 17. November)

Kabinettausstellungen sind überdies Constanze Böhm, Peter Heber, Markus Huemer, Bjorn Melhus und Jussuf Abbo gewidmet – wobei die erste Ausstellung (vom 26. Januar bis zum 5. April) auch einen neuen Ort bespielt: die Galerie Feinkunst, die dem verstorbenen Künstler Hannes Malte Mahler gewidmet ist und die sonst von dem Fotogaleristen Ricus Aschemann genutzt wird.

Von Daniel Alexander Schacht

Kein Platz für Mitgefühl: Beat Furrers neues Musiktheater „Violetter Schnee“ als Uraufführung an der Berliner Staatsoper Unter den Linden.

14.01.2019

Der Schauspieler Christian Friedel, dessen Karriere am Schauspielhaus Hannover begann und der nun in „Babylon Berlin“ mitspielt, gastiert mit seiner Band Woods Of Birnam im LUX.

13.01.2019

Mit Joseph Roths „1002. Nacht“ lässt der Theater- und Fernsehstar vor ausverkauftem Haus die Abgründe des alten Österreich wieder aufleben

16.01.2019