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Nachrichten Kultur Künstliche Intelligenz: Programm Link sucht die Kunst der Zukunft
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12:18 12.04.2019
Quelle: Video, Farbe, Ton, 11 Min. Courtesy Harun Farocki GbR, Berlin
Hannover

Es brauchte gerade einmal 18 Monate Vorbereitung, ein zugegeben komplexes Computerprogramm und 150 Gigabyte Grafikdateien, um 2016 die Kunstszene in Aufruhr zu versetzen: Eine Forschergruppe der Universität in Delft hatte rund 350 Jahre nach dem Tod Rembrandts mithilfe künstlicher Intelligenz ein neues Gemälde erstellt, – nein: ausgedruckt – das Rembrandts Originalporträts aus dem 17. Jahrhundert erschreckend nah kam. „The Next Rembrandt“ nannten die Wissenschaftler ihr Werk, das die Grenze zwischen Kunst und künstlicher Intelligenz wenn nicht überwinden so doch ein wenig brüchiger machen sollte.

Potenzial der KI für die Kunst soll ausgelotet werden

Kreativität und Computer, Originalität und Logik, der Kuss der Muse und Algorithmen: Das schien lange Zeit nicht überein zu gehen. In der Industrie ist die künstliche Intelligenz (KI) dagegen längst angekommen. Seit einigen Jahren hält KI nicht zuletzt mit Sprachassistenten wie „Alexa“, „Siri“ und „Google Home“ Einzug in unseren Alltag. Das autonome Fahren rückt immer näher. Doch könnten Roboter künftig auch Romane schreiben? Sollten Musiker beim Komponieren auf Algorithmen vertrauen, die das gewünschte Zusammenspiel von Tönen, Rhythmus und Tempo berechnen? Mit diesen Fragen soll sich das neue Förderprogramm Link der Stiftung Niedersachsen auseinandersetzen. „Je länger wir uns mit dem Thema beschäftigen, umso deutlicher wird sein erstaunliches Potenzial“, sagt Lavinia Francke, Generalsekretärin der Stiftung Niedersachsen. Das Ziel des Förderprogramms sei es nicht, KI als nächste Stufe der Kulturentwicklung festzulegen, sondern die Chancen und Möglichkeiten der neuen Technik auszuloten.

Das ist die Stiftung Niedersachsen

Die Stiftung Niedersachsen wurde 1987 als Landeskulturstiftung gegründet. Ihr Kapital beträgt mehr als 62 Millionen Euro. Mit den Erträgen fördert die Stiftung gemeinnützige Projekte aus den Bereichen Kunst, Kultur, Bildung und Wissenschaft in ganz Niedersachsen. Im Vermögen der Stiftung befinden sich darüber hinaus Kunstgegenstände und Sammlungen im Wert von mehr als 7,4 Millionen Euro, die niedersächsischen Kultureinrichtungen als Dauerleihgabe zur Verfügung stehen. Pro Jahr fördert die Stiftung rund 200 Projekte und ist selbst mit zehn Förderprogrammen, darunter dem Joseph Joachim-Violinwettbewerb, dem Best Off Festival Freier Theater oder dem Fotografie-Preis Spectrum operativ tätig. Im Februar bewilligten Senat und Verwaltungsrat der Stiftung weitere drei Millionen Euro zur Förderung von Kulturprojekten in den Jahren 2019 bis 2021. Weitere Informationen gibt es online auf www.stnds.de.

Tagung in Hannover – und Kinoabend rund um KI

Mitte Mai werden bei einer zweitägigen Auftakttagung in der Cumberlandschen Galerie Kunst- und Kulturschaffende zusammenkommen, um bei Vorträgen und Workshops exemplarisch kulturelle Projekte zu diskutieren, bei denen künstliche Intelligenz schon zu Gast ist. So stellt etwa Stephan Kaegi von der Theatergruppe Rimini Protokoll seine neueste Arbeit vor, bei der ein Roboter-Alter-Ego des Autors Thomas Melle auf der Bühne aus dem Werk „Die Welt im Rücken“ vorliest. Die Öffentlichkeit darf sich am 15. Mai bei einem KI-Kinoabend im Künstlerhaus und beim Film „Ex-Machina oder die Gefühle der Maschinen“ ihre eigenen Gedanken dazu machen.

Bereits Anfang Mai versammelt der Kunstverein Hannover in der Ausstellung „Artistic Intelligence“ künstlerische Positionen zu künstlicher Intelligenz und führt damit seine Reihe zum digitalen Wandel fort. In der Ausstellung werden Arbeiten von elf Künstlern gezeigt, die sich schon früh mit den Methoden der Verselbständigung künstlich-maschineller Systeme auseinandergesetzt haben – wie etwa Harun Farocki oder Anne-Mie Van Kerckhoven.

„Link – Programm für künstlerische Zukunftsforschung“

In ihrem Förderprogramm „Link – Programm für künstlerische Zukunftsforschung“ will sich die Stiftung Niedersachsen in den nächsten drei Jahren der Frage widmen, ob und wie Künstliche Intelligenz in den einzelnen Kultursparten Anwendung finden sollte. Das Projekt beginnt mit einer Tagung für Kulturschaffende am Montag, 15. und Dienstag, 16., Mai in der Cumberlandschen Galerie.

Es gibt Vorträge und Lesungen zu Fragen der Kreativität, der Ethik und des Urheberrechts im Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Am Montag Autor Holger Volland über sein neues Buch „Die kreative Macht der Maschinen — wie sich Künstliche Intelligenz auf die Kreation, Produktion und den Konsum von kulturellen Inhalten auswirkt“ sprechen. Am Dienstag wird Stefan Kaegi von Rimini Protokoll „Auszüge aus robotischen und algorithmischen Theaterprojekten“ vorstellen und Regisseur Kay Voges über „Theater im digitalen Zeitalter“ sprechen.

Die Teilnahmegebühr an der Tagung beträgt 75 Euro. Anmeldungen nimmt die Stiftung Niedersachsen bis zum 30. April entgegen.

Die Stiftung Niedersachsen fördert die Werkschau in Hannover ebenso wie die Gruppenausstellung „Snap Your Identity“, in der der Kunstverein Wolfsburg die Darstellung des Menschen durch digitale Bildtechnologien hinterfragt. Ebenfalls ins Förderprogramm der Stiftung Niedersachsen aufgenommen ist das Projekt „Quantified Concert“ des Fuchsbau-Festival-Teams und der Jungen Norddeutschen Philharmonie. Im August soll dabei das Konzertformat der Zukunft ausgelotet werden – das Klassikensemble agiert darin mit Visual Artists und einem interdisziplinären Team an Programmierern.

Mit einem Adobe Photoshop-Algorithmus veränderte Fotografien wie dieses Bild namens »Codification of Leadership« (2014) werden in der Ausstellung des Kunstvereins Hannover zu sehen sein. Quelle: Matthew Plummer Fernandez

Das Link-Programm, für das bereits in einem ersten Schritt 150.000 Euro als Anschubfinanzierung beschlossen und weitere Fördermöglichkeiten in Aussicht gestellt sind, geht aber noch einen Schritt weiter: Bis 2020 sollen sich Tandems aus Kunst, Kultur und Wissenschaft finden und zusammenarbeiten. Die Lücke zwischen Präsenz und Potential der KI in der Kunst solle damit geschlossen werden, sagt Gunter Dunkel, Präsident der Stiftung Niedersachsen. „Wir wollen Kulturinstitutionen, Wissenschaftler und Unternehmen zur Entwicklung gemeinsamer KI-Projekte anstiften.“

Von Carina Bahl

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