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Kultur Joe Jackson in Hannover: Fan des Narren
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Theater am Aegi: Joe Jackson in Hannover: Fan des Narren

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17:05 28.06.2019
Joe Jackson im Theater am Aegi: Kompromisslose Wucht. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Joe Jackson ist ein Fan des Narren: „Das ist mein Lieblings-Superheld, er bringt dich zum Lachen und erzählt dir gleichzeitig die Wahrheit.“ Also hat er ihm den Titelsong seines neuen Albums gewidmet, das im Januar erschien. Er heißt schlicht „Fool“ und vereint einen irren Fundus an Einflüssen so raffiniert, dass sich vermutlich nur wenige der 900 Fans im Theater am Aegi wundern, wie denn wohl orientalische Melodien, Latin-Intermezzi, Rap, Pop und Punk nicht nur zusammengehen, sondern dabei auch noch eine kompromisslose Wucht entwickeln.

Lust am Theatralen

Die meisten kennen den schillernden Briten aber wohl ohnehin als raffinierten Komponisten und Arrangeur – immerhin hat er diese Fächer einst als Stipendiat an der ehrwürdigen Royal Academy of Music studiert. Hinzu kommt seine Lust am Theatralen, was Jackson zu einem legendären Live-Musiker macht – immerhin zehn Alben hat er bislang vor Publikum aufgenommen. Auf der Bühne ist er unterhaltsam, scharfzüngig und hintergründig. Zugleich gefällt er sich als Magier. Sein erstes neues Stück, das stimmungsvolle „Alchemy“, inszeniert er mit Lichtstimmungen entlang des geheimnisvollen Textes.

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Bei all der Dramatik wird aber auch schnell klar, dass er sie nicht braucht. Sein Talent für wendungsreiche, mitreißende Songs ist ungebrochen, seine Stimme ist bestens in Form. Zwischen „Alchemy“ und dem folgenden „One More Time“ liegen die vollen 40 Jahre seines Schaffens und dessen ganze Bandbreite zwischen Progressive Rock, Punk, Funk, New Wave und Augenblicken betörenden Pops. Nicht umsonst heißt seine aktuelle Tour „Four Decades“: Jackson stellt dabei fünf Alben zwischen 1979 und heute in den Mittelpunkt, die jeweils für ein musikalisches Jahrzehnt stehen.

Joe Jackson im Theater am Aegi: Stimme bestens in Form. Quelle: Frank Wilde

Ein Spagat zwischen Beatles, Punk und Wave

Alte Hits wie „Is She Really Going Out With Him?“ entlocken dem Publikum verzückte Jauchzer. Das neue Stück „Fabulously Absolute“ vereint britische Musiktraditionen zwischen Beatles, Punk und Wave zu etwas Vertrautem und doch Neuem. Jackson benennt weitere Einflüsse auf seiner Website: „Meine Band hat mich maßgeblich inspiriert.“ Mit dem Bassisten Graham Maby macht er Musik, seit er 18 ist, Drummer Doug Yowell und Gitarrist Teddy Kumpel sind seine Traumbesetzungen. Alle drei sind in der Tat hervorragende Musiker.

Mit ihnen gelingen Jackson wie nebenbei sehr eigenständige Coverversionen von Songs der Beatles und Steely Dan. Das eigene „I’m The Man“ klingt lebendiger als im Jahr 1979. Am Hit „Stepping Out“ schließlich demonstriert die Band nochmals, was Musik mit Magie zu tun hat. Auf Originalinstrumenten ahmen sie den Klang von 1982 nach: einer Drum Machine, einem Glockenspiel und einem japanischen Billigkeyboard. Das ist wohl Jacksons Geheimnis in der Rolle des Narren: Sich selbst nimmt er nur so ernst wie nötig, seine Musik aber so ernst wie möglich.

Von Thomas Kaestle

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