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Theaterformen 2011 Die Formen des Bösen bei den Theaterformen in Hannover
Nachrichten Kultur Theaterformen 2011 Die Formen des Bösen bei den Theaterformen in Hannover
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19:46 26.06.2011
Fressen, bevor der Krieg ausbricht: Der irakische Regisseur Mokhallad Rasem zeigt in „Irakische Geister“ den Krieg als Groteske.
Fressen, bevor der Krieg ausbricht: Der irakische Regisseur Mokhallad Rasem zeigt in „Irakische Geister“ den Krieg als Groteske. Quelle: Kristien Verhoeven
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Wie eine Oscar-Verleihung endete der Theaterabend im Ballhof 2. Nur, dass in „Irakische Geister“ des irakischen Regisseurs Mokhallad Rasem keine Schauspieler und Regisseure, sondern die Schrecken des Krieges prämiert werden: „Das beste Opfer, die beste Angst, der beste Schock.“ Der Kunstgriff charakterisiert die Strategie des Künstlers. Amerikas Krieg gegen Saddam Hussein, den er selbst erlebte und erlitt, bringt er in „Irakische Geister“ als Groteske auf die Bühne. „Nichts ist komischer als das Unglück“, lesen wir bei Samuel Beckett. Lachen unter Tränen ist vielleicht die beste Therapie, um wieder in die Normalität zu finden. Aber das muss man erst einmal schaffen.

Rasem gelingt es, indem er sein Geschehen in drei große Kapitel unterteilt: „Vor dem Krieg, nach dem Krieg und während des Krieges.“ Und mit vier exzellenten Mitspielern, den Frauen Sarah Eisa und Julia Clever und den Männern Durald Abbas und Ahmed Khaled. Sie helfen ihm, der selbst auch auftritt, die Handlung voranzutreiben. Slapstick und Akrobatik, Intelligenz und Einfallsreichtum bestimmen ihre Darstellung.

In Anarchie und Chaos endende Hamsterkäufe, Fressanfälle und Hysterieattacken vor Ausbruch des Krieges sind ebenso witzig wie schrecklich. Nicht anders die überdrehte Laufstegparade am Schluss. Im Bild einer Modenschau mit all ihren Eitelkeiten versucht der Regisseur, das Wesen des Krieges zu erfassen. Der giftige Kleiderwettbewerb wird zur Analogie für die Konkurrenz von Kulturen, Ideologien, Gesellschaftssystemen. Weniger eindringlich gerät zuvor die Darstellung der Situation nach dem Krieg. Die blutigen Masken, die lastende Grabesstille, das gedrückte Agieren wirken arg pathetisch.

Überhaupt setzen die eingeblendeten Dokumentaraufnahmen vom Krieg einen realistischen Kontrapunkt, angesichts dessen die Fiktion doch ziemlich blass aussieht.

Michael Stoeber

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