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Cannes 2012 Kidmann präsentiert neuen Film
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22:17 24.05.2012
Von Stefan Stosch
Schauspielerische Bravour: Nicole Kidman stellte in Cannes „The Paperboy“ vor.
Schauspielerische Bravour: Nicole Kidman stellte in Cannes „The Paperboy“ vor. Quelle: dpa
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Cannes

Hollywoods Nachwuchsstars scheinen Cannes 2012 als eine Freischwimmmerprüfung zu betrachten: Kristen Stewart strampelte heftig in Walter Salles’ „On the Road“, um von ihrem Image als Vampirsoftie loszukommen, Blutsauger Robert Pattinson will es ihr heute in David Cronenbergs New-York-Odyssee „Cosmopolis“ gleichtun. Der bisherige „Transformers“-Krachmacher Shia LaBeouf hatte einen Auftritt als widerständiger Schnapsbrenner in „Lawless“, und am Donnerstag versuchte sich der „High School Musical“-Jüngling Zac Efron im Thriller „The Paperboy“.

Das Problem mit solchen Aufbrüchen zu neuen Ufern ist bloß, dass auch die Filme etwas hergeben müssen. LaBeouf zum Beispiel hatte aufs falsche Pferd gesetzt: „Lawless“ von John Hillcoat war ein in die Prohibitionszeit verlegter Western, triefend vor Blut und Gewalt, aber ohne jede weitere Relevanz.

Überhaupt scheint das US-Kino nicht so stark, wie das Programmdirektor Thierry Frémaux annonciert hatte. Das Genre dominiert, was ja in Ordnung wäre, wenn die Filme nicht so weit im Mainstream treiben würden. Morgen folgt aus den USA noch „Mud“ von Regisseur Jeff Nichols, doch ein Terrence-Malick-Solitär wie im Vorjahr „The Tree of Life“ ist wohl kaum im Angebot. Malicks neuer Film wurde nicht rechtzeitig für Cannes fertig, genauso wenig wie der von Paul Thomas Anderson („Magnolia“).

Zumindest Wes Andersons verschrobene Komödie „Moonrise Kingdom“ zum Festivalauftakt begeisterte. Andrew Dominiks coole Gangstergeschichte „Killing them softly“ überzeugte weniger - brachte aber immerhin das Finanzgebaren unter Kriminellen und in der Weltwirtschaft auf einen Nenner. Walter Salles’ heiß erwartetes Beatnik-Roadmovie „On the Road“ tuckerte zu langsam auf den US-Highways dahin.

Nun also Zac Efron in Lee Daniels’ „Paperboy“, angesiedelt im Südflorida der sechziger Jahre. Die Hitze gibt dem Jugendschwarm die Gelegenheit, sich so ausgiebig in Unterwäsche zu präsentieren, als wäre er als Model engagiert. Damit tut ihm Regisseur Lee Daniels - gerühmt für sein Familiendrama „Precious“ - trotz eines zweifellos bestens durchtrainierten Körpers keinen Gefallen.

Efron spielt den jüngeren Brüder eines Journalisten (Matthew McConaughy), der den Fall eines zum Tode Verurteilten (John Cusack) neu aufrollen will. Doch ist die Wahrheitssuche hier nur von untergeordneter Bedeutung. Niemand kämpft wirklich für Moral und Recht. Jeder verfolgt seine eigenen Interessen. In Südfloridas Sümpfen wabert neben der Erotik auch der Rassismus.

„The Paperboy“ ist eine deftige, unterhaltsame Angelegenheit. Doch fragt man sich, was wohl Pedro Almodóvar aus diesem Stoff gemacht hätte. Der Spanier hatte sich ursprünglich für das Drehbuch interessiert, bevor Daniels übernahm.

An der Perückenblondine Charlotte, Typ: „White Trash“, hätte aber gewiss auch Almodóvar Spaß gehabt, erst recht an der Besetzung mit Nicole Kidman. Ihre Charlotte hat sich ausgerechnet in den Todeskandidaten verliebt. Eine orgiastische Szene ohne jeden Körperkontakt zwischen Charlotte und dem Verurteilten gehört zu den Szenen, die von diesem Film im Gedächtnis bleiben. Gegen so viel schauspielerische Bravour hat das Greenhorn Zac Efron keine Chance.

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