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Eurovision Song Contest 2012 Alexander Klaws sieht Castingshows kritisch
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07:12 16.02.2012
Von Uwe Janssen
Alexander Klaws ist als Tarzan zum Musicalstar geworden. Quelle: Stage Entertainment
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Hannover

Herr Klaws, vor neun Jahren waren Sie der erste Gewinner von „Deutschland sucht den Superstar“ – lange her?
Es ist länger her als es sich anfühlt. Ich hab zwischendurch mal zwei Pausen gemacht, aber nicht Däumchen gedreht. Ich hab die Ausbildung gemacht in Schauspiel und Gesang, vieles nebenbei getan, es ging alles immer nahtlos inein­ander über. Die Zeit ging ziemlich schnell vorbei.

Schauen Sie noch Castingshows?
Es kommt drauf an. Wenn’s mich packt, zapp’ ich schon noch rein.

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Und?
Bei „The Voice“ hab ich schon gemerkt: Gute Leute, interessiert mich. Sobald es aber auf eine Schiene gerät, wo es nur um Quoten geht und nicht um das Talent, bin ich schnell abgetörnt. Ich habe auch DSDS nach meiner Staffel nicht mehr oft geguckt, weil ich oft selbst zu der Uhrzeit auf der Bühne gestanden habe.

Es läuft ja gerade eine DSDS-Staffel. Bohlen hat es zu einer ...
… ich hab’ grad den Ausdruck „Pöbelcastingshow“ gelesen – fand ich super. (lacht)

... der Ton ist jedenfalls härter, beleidigender geworden.
Da braucht man nichts schönreden, das ist einfach so. Ich meine – natürlich geht es in der Branche hart zu. Und dem einen oder anderen muss man vielleicht auch klarmachen, dass das Singen vielleicht nicht das Richtige für ihn ist. Aber wir haben auch eine große Verantwortung den Leuten gegenüber. Und man kann es ja auch anders anstellen, das haben Shows wie „The Voice“ gezeigt, wo Leute auch klar gesagt bekommen, dass sie ausscheiden. Aber man muss sie nicht mit einem Gehirntrauma und bloßgestellt nach Hause schicken. Es geht für die Kandidaten um die schönste Sache der Welt, und wenn die dann so einen vor den Latz bekommen, nur, weil die Sendung polarisieren soll, dann geht das in die falsche Richtung.

Aber man könnte sagen: Wer da hingeht, weiß, was auf ihn zukommt.
Das stimmt. Doch es darf nicht dazu führen, dass man nur noch einschaltet, weil die Kandidaten durch den Kakao gezogen werden. Ich weiß nicht, ob man dieses Image der Sendung noch mal in eine andere Richtung drehen kann. 

Es gibt DSDS, „The Voice“, „Unser Star für Baku“, dazu Klums „Top Model“ – und, und, und. Geht es bei den Talentshows noch um Förderung?
Wenn man so was ins Leben ruft, Talente sucht und dann ein Talent gefunden hat, muss man sich auch drum kümmern. Das hat leider oft gefehlt – auch bei wirklich guten Leuten. Man muss sie nicht so intensiv begleiten wie bei DSDS, man darf sie aber auch nicht einfach fallen lassen und sich auf die nächste Staffel konzentrieren.

Hat das auch mit den Jurys zu tun?
Natürlich. Ray Garvey und Xavier Naidoo sind kompetente Leute, wenn es um Stimme geht. Aber warum soll jemand, der toll über den Laufsteg laufen kann, mein Singen beurteilen? Das ist, als würde ich versuchen, einer Kuh das Fußballspielen beizubringen. Da fängt man an, es nicht mehr ernst zu nehmen, und das finde ich schade.

Sie sind einer der wenigen, die Karriere gemacht haben, gerade als „Tarzan“ im Hamburger Musical. Wie lange haben Sie gebraucht, den Stempel des Castingshow-Gewinners loszuwerden?
Ich wollte ihn gar nicht loswerden. Das war mein Startschuss, und ich bin einfach meinen Weg gegangen. Ich wusste zwar nicht, wo die Reise hingeht, aber ich wusste, was ich wollte. Das ging auch gut mit DSDS-Stempel. Es wird immer neue Stempel geben. Jetzt bin ich gerade Tarzan.

Hat Sie RTL noch lange begleitet damals?
Die begleiten mich eigentlich bis heute. Es gibt immer mal wieder Anfragen. Und wenn ich irgendwo eine Premiere habe, sind sie natürlich auch da. Anfangs haben die mich quasi jeden Tag begleitet. Irgendwann wurde mir das zu viel. Ich habe erst Jahre später mitbekommen, wo überall Kameras dabei waren damals, was alles über mich gesendet und auch spekuliert wurde. Das war heilsam. Ich will heute nicht mehr, dass die Leute alles über mich wissen. 

Gibt es Dinge, die Sie nicht wieder machen würden? Die „World Idol“-Show nach ihrem DSDS-Sieg zum Beispiel, bei der Sie nur Vorletzter wurden?
Ich habe bei der „World Idol“-Show gemerkt, dass ich auch nur ein Mensch bin. An einem tierisch schlechten Tag, es hat sich alles irgendwie falsch angefühlt. Das hat man gemerkt. Und wenn man schlecht vorbereitet ist, dann läuft es eben so, wie es dort gelaufen ist. Und das dann mal eben vor 100 Millionen Menschen  … Das ist natürlich nicht schön und da hab ich mir vorgenommen: So was passiert mir beim nächsten Mal nicht mehr. Aber ich habe mir damals auch vorgenommen, es all diesen Menschen noch mal zu zeigen.

Im Moment tun Sie das in jeder Hinsicht von ziemlich weit oben. Wenn Sie nicht wie gerade mit der Musical-Gala von Stage Entertainment auf Tournee sind oder mit Ihren eigenen Popsongs auftreten, singen Sie halbnackt an einer Liane hängend. Wie fühlt sich das an?
Höhenangst sollte man nicht haben. Aber ich mach’ das jetzt seit zwei Jahren, das ist einfach die Rolle. Und Tarzan ist eine tolle Rolle – da gehört der Lendenschurz als Kostüm einfach dazu.  

Haben Sie zur Vorbereitung Affenfilme geguckt?
Klar. Ich hab ganz viel gemacht. YouTube-Videos geguckt und alte Filme. Und trainiert und meine Ernährung umgestellt. Auch zu Hause war nie Schluss: Ich bin irgendwann wie ein Affe zum Kühlschrank gegangen und habe versucht ihn mit der typischen Affenhand, also ohne Benutzung der Daumen, zu öffnen.

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