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Eurovision Song Contest 2012 Halbfinalisten hoffen auf die große Show
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18:38 22.05.2012
Von Imre Grimm
Foto: Die sechs lustigen Omis aus Russland werden mit ihrem Song „Party For Everybody“ wohl auf jeden Fall weiterkommen.
Die sechs lustigen Omis aus Russland werden mit ihrem Song „Party For Everybody“ wohl auf jeden Fall weiterkommen. Quelle: dpa
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Baku

Am Eurovision Song Contest 2012 nehmen 42 Länder teil. 36 von ihnen müssen sich in zwei Halbfinals beweisen, die jeweils zehn besten aus den Halbfinals dürfen im Finale am 26. Mai ein zweites Mal auf die Bühne in Baku. Unser Redakteur Imre Grimm hat die ersten 18 Halbfinalisten ganz genau unter die Lupe genommen:

1. Montenegro:
Rambo Amadeus: „Euro Neuro“
Rambo Amadeus? Wer sich ernsthaft Rambo Amadeus nennt, der muss schon ein ordentliches Ego im Gepäck haben. Oder Humor. Sänger Antonije Pusic hat beides. Er rappt uns einen Euro-Rettungssong um die Ohren, der klingt, als habe Borat eine kasachische Karaoke-Maschine im Keller gefunden. Hilfe.
Chancen aufs Finale: 10 Prozent.

2. Island:
Gréta Salomé & Jónsi: „Mundu Eftir Mér“
Nordisch-bombastische Ballade unter schwerem Himmel. Klingt wie ein totproduzierter James-Bond-Titelsong mit ein bisschen Geige für die Folklorefans, Sängerin Gréta ist im Hauptberuf Violinistin im isländischen Symphonieorchester in Reykjavík. Übersetzung des Titels: „Erinnere dich an mich“. Das wird schwer.
Chancen aufs Finale: 50 Prozent

3. Griechenland:
Eleftheria Eleftheriou: „Aphrodisiac“
Die in Schweden komponierte Eurodance-Nummer der gebürtigen Zypriotin klingt wie ein Sommerhit von 1988: Eine süßliche Brünette singt zu Bouzouki-Geträller von Aphrodisiaka. Das ist wenig subtil. Aber Stumpf ist eben Trumpf bei diesem paneuropäischen Kindergeburtstag. „Ju dreif mi cräissi“ heißt es da nicht ganz akzentfrei. Oha. Im Vorentscheid standen gerade einmal vier (!) Titel zur Auswahl. Griechenland muss sparen. Trotzdem: Das Finale ist locker drin.
Chancen aufs Finale: 80 Prozent. 

4. Lettland:
Anmary: „Beautiful“
Immer blöd, wenn ein Sänger über’s Singen singt. Als wenn ein Schreiber übers Schreiben schreibt. Und noch blöder, wenn es dann im Text auch noch „I’ll do my best“ heißt. Sängerin Anmary macht auf Girlie und träumt in „Beautiful Song“ davon, mal so richtig berühmt zu sein. Leider ist der Text sehr peinlich, möchte aber gerne mindestens Mary Hopkins „Those Were The Days“ sein. 2003 war Anmary Finalistin in der lettischen Castingshow „Talantu Fabrika”.
Chancen aufs Finale: 30 Prozent. 

5. Albanien:
Rona Nishliu: „Suus“
Schnell vergessene Düsterballade der 25-jährigen Radiomoderatorin und Sängerin Rona Nishliu, die im Kosovo geboren wurde. Zum Glück singt sie in Landessprache, denn der Text („In dieser Welt lebt keine Liebe mehr“) ist fürchterlich traurig.
Chancen aufs Finale: 30 Prozent. 

6. Rumänien:
Mandinga: „Zaleiah“
Einfach billig oder Sommerhit? Oder beides? Das merkwürdige Stücklein der siebenköpfigen Band Mandinga – genauer: Elena, Alex, Chupi, Omar, El Niño, Zach und Tony – mixt Latinosound mit Pop und Dudelsack. Das muss doch nicht sein. In Rumänien erreichte „Zaleiah“ Chartplatz drei. Sängerin Elena versucht’s mit geballter Ostblock-Erotik. Klappt nicht.
Chancen aufs Finale: 40 Prozent. 

7. Schweiz:
Sinplus: „Unbreakable“
Ach, die Schweiz. Die Tessiner Band Sinplus liefert einen überraschend modernen Song. Im Vorentscheid warf das Brüderpaar Ivan und Gabriel Broggini locker eine Grand Dame des Grand Prix, Lys Assia, aus dem Rennen. Thema des Titels: nie aufgeben. Passt zum ESC-Engagement der Schweiz nach den zwei Desastern 2010 (Michael von der Heide wird Letzter im Halbfinale) und 2011 (die arme Anna Rossinelli holt Platz 25).
Chancen aufs Finale: 60 Prozent. 

8. Belgien:
Iris: „Would You“
Die 16-jährige Sängerin verfügt über sehr gute Zähne und versucht sich mit einer matten Ballade an der großen Divenpose. Man wechselt sich ab in Belgien: In diesem Jahr sind nach den Flamen wieder die Wallonen an der Reihe, die mit Tom Dice vor zwei Jahren einen starken sechsten Platz holten. Iris dagegen: ein farbloses Rehlein auf zittrigen Beinen. Lena geht anders.
Chancen aufs Finale: 20 Prozent. 

9. Finnland:
Pernilla Karlsson: „När Jag Blundar“
Die 21-jährige – ein Mix aus Lana Del Rey und Lucy von den No Angels – ist Schwedin und singt für Finnland einen Walzer in Moll aus der Feder von Bruder Jonas, der in Stockholm ein Tonstudio betreibt. Eine warme, eingängige Liebeserklärung an die eigene Mutter („Setz dich hin, wir halten deine Hand / Erzähle, wer du bist“), deren spezielle Kraft allerdings durch herumhampelnde Ausdruckstänzerinnen sabotiert wird. Top-Ten-Kandidat.
Chancen aufs Finale: 80 Prozent. 

10. Israel:
Izabo: „Time“
Israel schickt ein hochdramatisches Rockzirkus-Ungetüm ins Rennen, das klingt wie Ralph Siegel vor dreißig Jahren. Oder auch vor drei Jahren. Überkandidelt gesungen, unsympathisch und zuckrig im Refrain. Laut Selbstauskunft liefert Izabo „Psychadelic Rock, Indie, Punk und Disco“ mit arabischem Sound. Man könnte auch sagen: Kokolores. Spanien ging 2010 in Oslo mit einer Zirkusnummer unter – trotz des Flitzers, der Daniel Diges damals eine Wiederholung ermöglichte.
Chancen aufs Finale: 30 Prozent 

11. San Marino:
Valentina Monetta: „The Social Network Song (Oh oh uh oh oh)“
Der Tiefpunkt. Mit Facebook war ja nun nichts, also musste Ralph Siegel sein unerfreuliches Machwerk umtexten. Internet! Zeitgeist! Immer ran! Ach, Siegel. In acht Vorentscheiden hat der Mann sich 2012 beworben. Valentina Monetta (37) wirkt im Video als zappeliger Teenager so glaubwürdig wie Heinz Rühmann als Pennäler in der „Feuerzangenbowle“. Das hat der Zwergstaat nicht verdient.
Chancen aufs Finale: 10 Prozent. 

12. Zypern:
Ivi Adamou: „La La Love“
Die 19-jährige Ivi Adamou ist optisch eine nicht uncharmante Mischung aus Anne Hathaway und Liv Tyler. Aber dann ist da eben dieses Lied. Und das ist ein bisschen zu sehr lalala. Das naive Sommer-Strand-und-Sonnenschein-Düdeldü wird’s aber wohl ins Finale schaffen.
Chancen aufs Finale: 80 Prozent 

13. Dänemark:
Soluna Samay: „Should’ve Known Better“
Rauchige Midtempo-Popnummer – nicht zu verwechseln mit dem Beatles-Klassiker „I Should Have Known Better“ – einer 21-jährigen Sympathin mit Kapitänsmütze, geboren in Guatemala, Tochter einer Schweizerin und des Stuttgarter Straßenmusikers Gerd „Gee Gee“ Kettel. Früher lief sie für Papa mit dem Hut herum, heute spielt sie Gitarre, Schlagzeug und Kontrabass und gibt eine Mischung aus Alanis Morissette und Roxette-Sängerin Marie Fredriksson in St.-Pepper-Uniform. Top-Ten-Kandidatin.
Chancen aufs Finale: 80 Prozent. 

14. Russland:
Buranovskiye Babushki: „Party For Everybody“
Die sechs lustigen Großmütter aus dem Dorf Buranowo in Udmurtien sind die Stars in Baku. Da gerät in Vergessenheit, wie uninteressant ihr Lied musikalisch ist. Sie können nicht singen. Sie können nicht tanzen. Aber sie sind eben sympathisch. Darum besiegten sie im Vorentscheid auch die t.A.T.u-Göre Yulia Volkova und sogar Dima Bilan, den Sieger von 2009. Selbstverständlich werden die Omis das Finale und eine hohe Platzierung erreichen. Fieser Trash, aber mein Gott sind die niedlich...
Chancen aufs Finale: 100 Prozent. 

15. Ungarn:
Compact Disco: „Sounds Of Our Hearts“
Routinierter Elektropop kommt aus Ungarn, doch die vier Herren sind keine großen Sänger. Rammstein ohne Eier. Sie treten direkt nach den russischen Omis an und haben wohl kaum Chancen, die Endrunde am Sonnabend zu erreichen.
Chancen aufs Finale: 20 Prozent 

16. Österreich:
Trackshittaz: „Woki Mit Deim Popo“
Österreich hat – wie vor Jahren Deutschland – schon mehrfach Kaspernasen zum ESC geschickt (was macht eigentlich Alf Poier?). Diesmal fordern die Herren Trackshittaz in schlecht gerapptem Landesidiom Frauen dazu auf, ihre Glutealregion in Schwingung zu versetzen. Ist das lustig? Nein. Ist das nötig? Nein. Die sollen bitte weggehen.
Chancen aufs Finale: 30 Prozent. 

17. Moldawien:
Pasha Parfeny: „Lautar“
Lustige Russendisko-Polkanummer mit einem Sänger, der optisch entfernt an Roman Lob erinnert. Leider wird das Späßchen zugekleistert mit einer ambitionierten Varieté-Choreographie. Man weiß gar nicht, wohin man zuerst nicht hingucken soll. Und dennoch: Eine hohe Platzierung ist drin, wenn Pasha – der eigentlich Pavel Parfeny heißt – ins Finale kommt.
Chancen aufs Finale: 70 Prozent. 

18. Irland:
Jedward: „Waterline“
Da sind sie wieder, die hüpfenden Zwillinge von Jedward, die eines Tages, wenn sie erst mal erwachsen sind, viele Orthopäden reich machen werden. Also in ungefähr 20 Jahren. Es gibt wie immer voll auf die Zwölf von den dünnstimmigen Milchbubis, diesmal mit einem viel zu glatten Abklatsch ihres 2011-er Hektiker-Hits „Lipstick“. Das wirkt verbraucht und gewollt.
Chancen aufs Finale: 70 Prozent.

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