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15:30 25.09.2018
Studiokonzert: Gerd Müller-Lorenz leitet die Musiker von „Aoide Symphonie“. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Als Karl Tessmar seinen Betrieb aufgegeben und endlich mehr Zeit für sein Hobby hatte, musste er feststellen, dass der Keller inzwischen zu klein geworden war. Der heute 68-Jährige wollte das Tonstudio, das er dort seit vielen Jahren zum Spaß betrieben hatte, auf den aktuellen Stand bringen. Doch die neue Technik fand keinen Platz mehr. Also baute Tessmar, der sein Geld mit Schaltanlagen und Gebäudetechnik verdient hat, ein neues Gebäude in der Nähe der ehemaligen Polydor-Zentrale in Langenhagen. Dort, wo die Musikindustrie ihr vorerst letztes Goldenes Zeitalter erlebte, steht nun ein moderner Gebäudekomplex mit mehreren Studios und einem Veranstaltungsbereich.

Herzstück ist der 190 Quadratmeter große Aufnahme- und Konzertsaal, in dem ganze Orchester Einspielungen produzieren können. „Etwas Ähnliches gibt es noch in Wien und in London mit den Abbey Road Studios“, sagt Tessmar. „Das ist die Liga, in der das Ganze gedacht ist.“

Gregor Zielinsky (links) und Karl Tessmar im Tonstudio Quelle: Stefan Arndt

Tessmar hat dabei vor allem die klassische Musik im Blick: Anders als im Rock- und Popbereich sind gute Studios für Chöre, Streichquartette und Orchester Mangelware. Und weil er ohnehin groß denkt, hat der Liebhaber-Tonmeister noch einen echten Profi mit ins Boot geholt. Gregor Zielinsky, der zu Polydor-Zeiten unter anderem Grammy-gekrönte Aufnahmen mit Leonard Bernstein gemacht und später bei Sennheiser eine neue 3D-Aufnahmetechnik mitentwickelt hat, ist bei Tessmar für Klassik- und Jazzeinspielungen zuständig.

Erschienen ist bereits eine technisch wie musikalisch spektakuläre Aufnahme von Roberts Schumanns Liederzyklus „Dichterliebe“: Der in Hannover ausgebildete, mehrfach preisgekrönte Bariton Samuel Hasselhorn, der gerade ins Ensemble der Wiener Staatsoper engagiert wurde, und der hannoversche Pianist Boris Kusnezow stellen den bekannten Schumann-Vertonungen der Heine-Gedichte jeweils eine andere Version zur Seite. Unter anderem sind so Werke von Mussorgsky, Liszt und Mendelssohn, aber auch von Hugo Wolf, Carl Loewe und dem zeitgenössischen Komponisten Stefan Heucke zu hören.

Die Werke sind Entdeckungen, das Duo Hasselhorn/Kusnezow ist ein Traumpaar für das Lied, das auch die höchsten Vergleiche nicht zu scheuen braucht – auch in künstlerischer Sicht scheint Tessmar große Ziele zu verfolgen. Technisch gilt das sowieso: Die Aufnahme, die bald auch in 3D-Audio verfügbar sein, brilliert schon jetzt mit Tiefenschärfe und räumlichen Klang.

Die CD von Samuel Hasselhorn und Boris Kusnezow wurde im Tonstudio Tessmar aufgenommen.

Zugleich möchte er sein Tonstudio auch für Veranstaltungen nutzen und es lokalen Musikern zur Verfügung stellen. Im ersten öffentlichen Konzert war nun die Bläser des von dem Dirigenten Gerd Müller-Lorenz gegründeten Orchesters „Aoide Symphonie“ zu Gast. Neben Bläserserenaden stand auch das ironisch-raffinierte Konzert für Violoncello und Blasorchester von Friedrich Gulda auf dem Programm. Solist Oliver Mascarenhas von der NDR Radiophilharmonie spielte das Stück so gut gelaunt, mitreißend und virtuos, dass die rund 150 Zuhörer im Studio von den Sitzen aufsprangen und im Stehen applaudierten. Tessmars neuer Hobbykeller ist offenkundig ein Ort, an dem die Musikstadt Hannover ihre Position in der ersten Liga weiter ausbauen kann.

Tonstudio Tessmar, Reinhold-Schleese-Straße 24, 30179 Hannover

Samuel Hasselhorn und Boris Kusnezow: „Dichterliebe“ (GWK Records)

Von Stefan Arndt

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