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Kultur Die Band Clannad beginnt ihre „Turas“-Tour im Pavillon
Nachrichten Kultur Die Band Clannad beginnt ihre „Turas“-Tour im Pavillon
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14:12 14.02.2019
Die irische Band Clannad (im Bild: Moya Brennan) spielt ein Konzert im Kulturzentrum Pavillon. Quelle: Moritz Frankenberg
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Hannover

Worum ging es in diesem Song gleich nochmal? Pól Ó Bhraonáin überlässt die Erklärung seiner Schwester Máire Ní Bhraonáin. Die kennt zwar die Geschichte, muss ihr Harfenspiel jedoch nach einigen Tönen unterbrechen: „Sorry, falsche Tonart.“ Das Konzert im Pavillon vor 400 Fans ist Tournee-Auftakt für die irische Band Clannad, die schon eine Weile nicht mehr unterwegs war. Da fällt die Erinnerung an Details manchmal schwer, auch wenn es um Stücke von einem neuen Album geht. Denn dabei handelt es sich um eine Live-Aufnahme aus dem Jahr 1980. „Turas“ entstand in Bremen, als die Band zehn Jahre alt war und kurz vor dem Durchbruch stand.

Darauf zu hören ist ein purer Klang ohne viel Elektronik. Mit der überraschte Clannad die Fans erst 1985. Es geht also um auch um Geschichte bei der aktuellen Tour, um Songs und Sounds von vor langer Zeit. „Gegründet 1970“, steht auf den T-Shirts, die im Foyer verkauft werden. Das ist fast 50 Jahre her. Pól Ó Bhraonáin, lange Zeit Vordenker der Band, war da erst 14 Jahre alt, Máire Ní Bhraonáin, die als Stimme und Gesicht Clannads auch den englischen Namen Moya Brennan nutzt, war 18. Sie ist die älteste der drei Geschwister, die ihr Familienunternehmen gemeinsam mit zwei Onkeln gründeten.

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Einer der beiden ist seit der letzten Tournee gestorben, ihm widmet sein Neffe eine ruhige, intensive Vertonung von William Butler Yeats‘ „Down By The Salley Gardens“.

Viele der älteren Lieder, die Clannad im Konzert spielt, beruhen auf irischem Volksliedgut, für das die Musiker mit atmosphärischen Arrangements einst einen internationalen Markt öffneten. Sorgsam eingesetzte elektronische Grundklänge treffen auf eine satte, aber klare Mehrstimmigkeit und traditionelle Instrumente wie Harfe, Flöten, Gitarren und Kontrabass. Das klingt oft kraftvoll archaisch. Dazu trägt eine eher rohe Soundmischung bei, in der alle Instrumente samt kleiner Fehler und Nebengeräusche so hörbar bleiben wie auf Armeslänge im Hinterzimmer eines Pubs, unversteckt und ungekünstelt.

Hits wie „Crann Úll“ oder „Newgrange“ haben noch heute Orhwurmqualitäten, während die TV-Tielmelodien „Robin The Hooded Man“ und „Theme From Harry's Game“ zu nostalgischen Reisen in die Achtzigerjahre geraten. Ausgerechnet mit der über 40jährigen Interpretation des noch viel älteren Volksliedes „Dúlamán“ lässt Máire Ní Bhraonáin ihrer Harfe jedoch von einem Augenblick auf den nächsten zum Rockinstrument werden. Und es ist wohl kein Zufall, dass die Zugabe „Teidhir Abhaile Riú“ das Publikum tanzend von den Stühlen reißt. Die Band mag alt sein und ihr Repertoire noch älter – zu alt scheint hingegen in Irland als Kategorie für Musik nicht zu gelten.

Am Mittwoch, 20. Februar, um 20 Uhr gastiert die britische Trip-Hop-Band Morcheeba im Pavillon.

Von Thomas Kaestle