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Kultur Poeten in Fußballposen
Nachrichten Kultur Poeten in Fußballposen
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14:43 23.06.2014
Regt sich im Opernhaus über WM-Brötchen auf: Slammer Tobi Kunze. Quelle: Matthias Stehr
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Hannover

Beim Einlauf zum modernen Dichterwettbewerb übten sie sich am Bühnenrand in der Fußballpose, die derzeit die Mannschaftsaufstellungen im Fernsehen einleiten: Arme verschränken, den Körper seitlich drehen, demonstrativ streng schauen. Die 1000 Gäste verwandelten dafür die Oper gern in eine Art Fanmeile, klatschten, jubelten, stampften mit den Füßen – es fehlten nur noch die Fahnen.

Die Moderatoren Henning Chadde und HAZ-Redakteur Jan Egge Sedelies begrüßten auf der Bühne den Lyriker Frank Klötgen aus München, die Autorin Lea Streisand aus Berlin, die Performance-Poetin Katja Hofmann aus Halle und den Düsseldorfer mit Wurzeln in Barsinghausen, Bernard Hoffmeister. Dazu kamen die hannoverschen Slammer Klaus Urban, Tobias Kunze, Alex Meyer und Johannes Berger.

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Acht der besten deutschen Poetry-Slammer fochten am Sonntag in der Oper mit kreativen Texten um den Titel des besten Wortkünstlers.

Während sich Kunze vor allem die „ach so kreativen“ Bäcker vornahm, die sich zu jedem Fußballereignis ganz ausgefallene Brötchen ausdenken („Wow, Weltmeisterbrötchen!“), und die gesellschaftspolitische Dimension einer solcher WM kritisch durchleuchtete, machte Buchautor Klötgen aus einer banalen Kaubewegung eine poetische Liebeserklärung an die Sprache. Und Berger dankte auf liebevolle Art seiner „sehr cool geratenen“ Mutter, die den Bratsche spielenden Streber schon früh für seine Street Credibility belächelte.

Im Finale setzte sich Katja Hofmann durch, die direkt vom Musikfestival „Hurricane“ mit beeindruckendem Sonnenbrand kommend sich versiert darüber aufregte, dass vor allem junge Slammerinnen zwar oft anerkannt, aber von männlichen Groupies fast immer ignoriert werden. Dafür bekam sie aus dem Staatsoperfundus einen vielleicht nicht ganz passenden Preis überreicht – eine aufblasbare Gummipuppe. „Danke“, lachte Hofmann und packte die Plastikdame schnell in ihren großen Festivalrucksack.

Und so geht es weiter

Der nächste Poetry Slam im Opernhaus geht erst nach der Spielzeitpause in die nächste Runde. Am 2. August läuft dafür der hannoversche Open-Air-Poetry-Slam beim Lindener Fährmannsfest auf der Wiese neben dem Faust-Gelände. Um 20 Uhr geht's los, der Eintritt ist frei.

jan

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