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Kultur 11.000 Fans sehen Seeed in der TUI Arena
Nachrichten Kultur 11.000 Fans sehen Seeed in der TUI Arena
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19:34 02.12.2012
Von Uwe Janssen
Partymaschine auf Hochtouren: Frank Dellé (l.), Demba Nabé und rechts Peter Fox, der es tänzerisch an diesem Abend etwas ruhiger angehen lässt.Wilde
Partymaschine auf Hochtouren: Frank Dellé (l.), Demba Nabé und rechts Peter Fox, der es tänzerisch an diesem Abend etwas ruhiger angehen lässt.Wilde Quelle: Frank Wilde
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Hannover

„Die Ärztin“ spielt eine Rolle an diesem Abend. Ohne „die Ärztin“ hätte es diesen Abend vielleicht gar nicht gegeben mit 11.000 Fans vor und der Berliner Band Seeed auf der Bühne der TUI Arena Hannover. Denn Sänger Peter Fox hat sich irgendwie den Rücken verdreht und macht zu Beginn eine Ansage in eigener Sache. Ja, das mit dem Tanzen, das gehe bei ihm heute nicht so, und dass er überhaupt auf der Bühne stehe, habe tagsüber „die Ärztin“ mit einer „ordentlichen Dröhnung“ ermöglicht in diesem Krankenhaus in, „ich glaube, es war Laatzen“.

Und sollte „die Ärztin“ nicht selbst da gewesen sein beim Konzert, so sei ihr versichert: Ihr Patient hat bravourös durchgehalten, die Dröhnung hat ordentlich gewirkt, und die vielen Menschen in der ausverkauften Mehrzweckhalle haben einen im Wortsinne bewegten Abend erlebt. Fox ist zwar nur einer von drei Sängern der Partymaschine Seeed, und er ist gar nur einer von zwölf Herren, die an diesem Abend unter dem Label mit den drei e Musik machen. Aber er ist spätestens nach seinem außerordentlich erfolgreichen Soloausflug der prägnante Kopf im Kollektiv. Er singt die größten Hits der Band, er hat die Liedzeilen geprägt, die in der Zielgruppe längst geflügeltes Wortgut geworden sind: „Das Leben will einen ausgeben, und das will ich sehen.“

Am Sonnabend ist die Dancehall-Combo Seeed in der TUI-Arena aufgetreten.

Nun hat er erst mal genug gesehen, ist in den Schoß seiner Band zurückgekehrt, und damit man gleich weiß, dass die riesigen Boxen links und rechts auf der Bühne nicht nur zur Zierde da stehen, verordnen Bassmann, Schlagzeuger und DJ zu Beginn eine gemeinschaftliche Magengrubenmassage. Auch ’ne Dröhnung. 11.000 Vibrierende danken es mit erwartungsfrohem Gejohle, Gehüpfe und der typischen vertikalen Armschwenkerei.

In den folgenden zwei Stunden erleben sie ein Konzert, das mit überschaubarem Aufwand maximale Wirkung erzielt. Es gibt keine Leinwände, auf denen die Musiker groß zu sehen sind. Es gibt keine Videoanimationsshow im Bühnenhintergrund. Es gibt keine aufwendigen Showelemente. Es gibt lediglich eine choreografierte Lichtregie, ein paar Podeste, auf denen die Musiker in unterschiedlicher Höhe stehen oder sitzen, und es gibt drei unermüdliche Entertainer davor. „Ear“, „Eased“ und „Enuff“, wie sich Frank Dellé, Demba Nabé und Pierre Baigorry alias Peter Fox als die drei „e“ im Bandnamen auch nennen, ackern in schicken schwarzen Anzügen zwei Stunden lang ohne Pause. Ein paar kleine Tanzeinlagen (Fox, so gut es die Dröhnung zulässt). Aber keine wortreichen Ansagen, lieber gleich den nächsten Song.

Die Band spielt umwerfend. Zwischen Rootsreggae, dem für Seeed typischen Dancehall-Groove und auch ein paar Rockelementen, die auf dem frischen, schlicht „Seeed“ betitelten Album zu finden sind. Den Rest erledigen die großmembranigen schwarzen Kisten links und rechts von ihnen. „Molotov“ und „Augenbling“ werden mit ebenso großem Hallo begrüßt wie „Schwinger“, „Aufstehn“, „Waterpumpee“, „Music Monks“, „Dickes B“ oder in der Zugabe das „Ding“. Botschaften: Leben ist schön, wenn man es sich schön macht, und wenn Frauen ihre „Kisten“ oder sonst was bewegen, ist das ein Wert an sich.

Klingt alles lässig. Sieht auch alles lässig und irgendwie ganz einfach aus - was natürlich ein Ergebnis von viel Arbeit und Erfahrung ist.

In seinem bruchlosen Fluss erzeugt das Konzert einen Rausch bis ganz hinten unters Dach der Arena. Die Party, so das unausgesprochene Motto des Abends, ist erst zu Ende, wenn der letzte Ton verklungen ist. Das ist das Erfolgsrezept, das schon längst kein Geheimrezept mehr ist. Seeed, auch schon seit 15 Jahren aktiv, hat die damals 25-Jährigen mitgenommen, aber es wachsen ja wieder 25-Jährige nach, und wer cool sein will, kommt an den Berlinern immer noch nicht vorbei.

Und so kommt es, dass die Altersspanne bei Seeed-Konzerten immer größer wird. Einige kommen mit ihren Kindern. Und manche kommen sogar auf die Bühne wie die drei Damen des Tanzwettbewerbs zum Fox-Song „Schüttel dein Speck“. Das Publikum entscheidet, wer gewinnt. Es ist die mit der, um im Seeed-Jargon zu bleiben, heißesten Kiste. Demokratie kann so sexy sein.

Doch die Frau des Abends kommt aus Laatzen. Sie hat einen mitreißenden Abend gerettet. Dröhnung sei Dank.

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