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Kultur 14-jährige Hailee Steinfeld für Oscar nominiert
Nachrichten Kultur 14-jährige Hailee Steinfeld für Oscar nominiert
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19:35 22.02.2011
Von Stefan Stosch
Ein Profi auf dem roten Teppich: Hailee Steinfeld ist im wahren Leben so furchtlos wie in ihrer Kinorolle – na ja, beinahe jedenfalls.
Ein Profi auf dem roten Teppich: Hailee Steinfeld ist im wahren Leben so furchtlos wie in ihrer Kinorolle – na ja, beinahe jedenfalls. Quelle: Paramount Pictures
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Als die Oscar-Nominierungen am frühen Morgen bekannt gegeben wurden, schlief Hailee Steinfeld noch. „Aber ich habe gehört, wie meine Eltern nebenan plötzlich verrückt spielten“, sagt sie. Sehr bald erfuhr sie auch, warum: Seit jenem Morgen ist die 14-Jährige Kandidatin für den wichtigsten Filmpreis der Welt, nominiert für ihr Kinodebüt im Western „True Grit“, der am Donnerstag in den deutschen Kinos anläuft.

„Ich stehe immer noch unter Schock“, sagt Steinfeld. So einen ähnlichen Satz würde vermutlich auch jede ältere Kollegin von sich geben. Das gehört sich einfach fürs Protokoll, wenn einen die Nachricht der Oscar-Nominierung ereilt. Wie unter Schock sieht Steinfeld aber nicht aus. Ganz entspannt ist sie eben in die Hotelsuite in Berlin spaziert, eine Presseaufpasserin hat im Hintergrund unauffällig Platz genommen, spielt aber keine weitere Rolle mehr. Journalistengespräche sind für Steinfeld so selbstverständlich wie für Gleichaltrige Gespräche mit dem Klassenlehrer.

„True Grit“ bedeutet so viel wie „echter Mut“ oder auch „Mumm in den Knochen“. Der Titel ist auch auf die Männer in dem Western der Regiebrüder Joel und Ethan Coen gemünzt, auf Jeff Bridges als versoffenen, jedoch schießfreudigen Marshal und Matt Damon als eitlen Texas-Ranger. Mit ihnen reitet das Mädchen Mattie, die den Mörder ihres Vaters zur Rechenschaft ziehen will. Mattie ist die Furchtloseste von allen dreien, und ein bisschen gilt das auch für ihre Darstellerin Hailee Steinfeld – auch wenn sie keine übergroßen Cowboyhut und dicke Zöpfe im wirklichen Leben trägt.

Ihre Karriere hat Steinfeld zielstrebig vorangetrieben: 15.000 Bewerberinnen bewarben sich für die Rolle in dem Western. Steinfeld, die Tochter einer Innenausstatterin und eines Fitnesstrainers in Kalifornien, bekam den Job. Zu dem Zeitpunkt war sie 13 Jahre alt. Gänzlich unbeeindruckt sei sie beim Vorsprechen aufgetreten, haben die Coens erzählt. Zufall sollte man das nicht nennen. Als Achtjährige startete Steinfeld das Unternehmen Hollywood.

Zielstrebig bereitete sie ihre Karriere vor: Die Eltern schickten ihre Tochter erst einmal zum Schauspielunterricht. Bereits ein Jahr später hatte Steinfeld einen eigenen Agenten. Bald bekam sie erste kleine Rollen in Fernsehserien. Zuletzt drehte sie einen Werbespot für das Discountkaufhaus K-Mart.

Und jetzt hat sie mit dem „Dude“ gedreht, wie alle respektvoll Jeff Bridges nennen, seit er sich diesen Spitznamen in „The Big Lebowski“ verdient hat. Hat er ihr Ratschläge beim Drehen gegeben? „Nicht direkt, aber er war immer hilfsbereit.“ Stets habe er ihr vermittelt: „Hab Spaß an der Sache, nimm das alles nicht zu ernst.“ Gelassenheit war wohl auch dringend notwendig: Schließlich musste sie den leibhaftigen Oscar-Preisträger Bridges zwischendurch mächtig anschnauzen, stand so im Drehbuch. Und wie waren die Regiebrüder Joel und Ethan Coen? „Sehr nett, aber auch ein bisschen verrückt.“

Erstaunlich professionell klingen die Antworten für eine 14-Jährige. Steinfeld lässt sich nicht zu spontanen Auskünften hinreißen. Das muss wohl so sein, wenn ein Film für insgesamt zehn Oscars nominiert ist und inzwischen weit mehr als 150 Millionen Dollar allein in den USA eingespielt hat. Es gehört zu ihren Hauptbeschäftigungen, in Talkshows und über rote Teppiche zu gehen. „Am Anfang war ich immer fürchterlich nervös, jetzt aber nur noch ein bisschen“, sagt sie. „Meine Mutter und ich gehen immer erst so spät wie möglich los, damit gar keine Zeit mehr dafür ist, sich groß aufzuregen.“ Immerhin, so ganz erwachsen ist sie also doch noch nicht – die Mutter ist dabei.

Glaubt Steinfeld, von ihrem Charakter Mattie etwas gelernt zu haben? „Ja klar, ihre Unabhängigkeit und ihr Selbstbewusstsein sind faszinierend. Von Mattie kannst du lernen, dass du das kriegen kannst, was du wirklich willst, egal ob alle anderen das für unmöglich halten. Das habe ich ja auch getan. Und jetzt sitze ich hier.“

Eine Herausforderung muss sie noch meistern, bevor sie am 27. Februar ins Kodak Theatre zur Oscar-Verleihung fährt: Sie braucht das passende Kleid. Darüber will sie sich später Gedanken machen. Es sieht nicht danach aus, als würde Hailee Steinfeld die für manche Hollywoodkollegin so komplizierte Kleiderfrage sonderlich schrecken.

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