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Kultur 1600 Gäste feiern die Guano Apes
Nachrichten Kultur 1600 Gäste feiern die Guano Apes
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19:20 09.02.2012
Von Volker Wiedersheim
Heimspiel: Sandra Nasic im Capitol. Quelle: Heusel
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Hannover

Lautstärke ist gut für Rock. War immer gut. Bleibt immer gut. So einfach ist das! Beispiel Guano Apes, die sind vor allem lautstark stark. Und zwar seit 1996, daran hat die Band aus Bad Gandersheim erinnert, als sie am Mittwoch das vorerst letzte Konzert ihrer „Bel Air“-Tournee im seit Wochen ausverkauften hannoverschen Capitol gaben.

Genau auf dieser Bühne haben sie auf ihrem Karriereweg vor knapp 16 Jahren den entscheidenden Aufstieg aus dem Kosmos kleinen Klubs der niedersächsischen Provinz in die internationalen Charts begonnen. Im damals von Radio ffn und Viva ausgelobten Bandwettbewerb „Local Heroes“ haben sie 1000 Konkurrenten einfach aus dem Weg gerockt.

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Wie hätte es auch anders sein können: In die Köpfe des Pop-Publikums bohren sich in jenem Jahr Fools Garden, Pur, „Wolle“ Petry und die Kelly Family mit ihrem klebrigen Kanon. Und dann kommen da diese vier Gandersheimer. Henning Rümenapp, schon damals ein bisschen teddyhaft im Auftreten, aber ein brillanter Brutalo auf der Gitarre, Stefan Ude, ein klangliches Kellerkind auf dem Bass, und der Schlagzeuger Dennis prügelt seine Trommeln so, wie es der Nachname lautmalerisch andeutet: Poschwatta.

Und vor diesem Trio – Sandra Nasic. Sieht aus, als könnte jeder Windhauch sie umpusten, tatsächlich aber entfacht ihre Stimme beim Registerwechsel von sinistrer Melancholie zur kreischenden Klage einen Sturm, der alle Ohrwürmer wegbläst – „Open your Eyes, open your Mind, proud like a God (…) trapped in yourself,  breakout instead, beat the Machine that works in your Head“. Das war der Nerv der Zeit, das war wenigstens ein bisschen Nirvana – ohne Kurt Cobain, aber mit Sexappeal.

Wiedergekommen um zu bleiben: Die Guano Apes sind nach langer Pause zurück. Am Mittwoch rockten sie das Capitol in Hannover.

Erstaunlich ist eigentlich nicht, dass die Band sich durchgesetzt hat. Erstaunlich ist vielmehr, dass sich ihre Energie immer noch nicht restlos verbraucht hat. Vier Alben, Millionen davon verkauft, mindestens drei Superhits mit „Open your Eyes“, „Big in Japan“ und „Lord of the Boards“ (beide im Zugabenblock), Preise à la Comet, Echo, MTV Music Award, fünf große Tourneen durch alle Winkel Europas und sogar mit einem US-Abstecher, eine Trennung und die Reunion nach drei Jahren Pause. Aber wenn Poschwatta anzählt, wird es noch jedes Mal laut und stark. „Gefällt’s euch?“ will Sängerin Nasic wissen und wartet die Antwort gar nicht ab: „Wir haben auch ganz schön lange geübt!“

Vielleicht sogar ein bisschen mehr bei den jüngsten Songs. „Oh what a Night“, „She’s a Killer“ (mit einer Würdigung von Edelfan „Pitsy“ auf der Bühne) und „All I wanna do“ sind auch laut, aber etwas komplexer, und es fehlt etwas Seele. „This Time“ hingegen brennt wie die alten Hits. Da bebt der Oberrang im Capitol, während die Fans unten vor der Bühne pogen – Rempelrock für 1600 Besucher, als gäb’s kein Morgen. Und vielleicht ist das ja wirklich ein bisschen so. Beim Versuch, Lautstärke zu konservieren, wird Musik leicht museal und der Grunge zur Groteske. Wer es wollte, konnte in „Big in Japan“ dieses Zeilen entdecken: „You did what you did to me, now it’s history I see. Things will happen while they can …“. Es war laut. Es war stark. Es war.

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