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Kultur 18 Illustratoren zeigen ihr Können
Nachrichten Kultur 18 Illustratoren zeigen ihr Können
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06:15 12.07.2012
Die Ausstellung zeigt unterschiedliche Illustrationen, thematisch wie stilistisch. Hier ein Elefant von Christian Lindemann. Quelle: Holger Hütte
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Hannover

Die Idee zum Feiern hatte Marion Meister. Die gebürtige Bayerin, die an der Filmhochschule Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg Animation studiert hat, lebt heute in Niedersachsen und arbeitet als freie Illustratorin. Sie zeichnet und malt mit großem Erfolg für Schul- und Kinderbücher, wobei ihr Mann oft die passenden Geschichten für ihre Bilder liefert. Anfang dieses Jahres war Meister beim Blick auf den Kalender aufgefallen, dass ihr Berufsstand 2012 im zehnten Jahr als Verband organisiert ist.

Das schien ihr ein schöner Grund zum Feiern zu sein. Also rief sie Thomas Rudat an, den hannoverschen Vorsitzenden des regionalen Berufsverbandes, um ihn zu fragen, ob man in Hannover nicht einmal zeigen könne, was die Illustratoren des Landes so zustande brächten.

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Rudat war anfangs skeptisch, ob das wohl gut gehen könne, in einigen Monaten 18 Individualisten mit ausgeprägten Vorlieben und Vorstellungen und ganz unterschiedlichen Bildsprachen in einer Ausstellung zusammenzuführen. Dann aber erwärmte er sich für das Projekt und war schließlich Feuer und Flamme. Kurzfristig ernüchterte ihn die Erfahrung, dass von heute auf morgen kein Ausstellungsraum in Hannover zu haben war, da die infrage kommenden Institute ihr Programm bereits für ein bis zwei Jahre im Voraus planen.

Auch da war Marion Meister hilfreich. Sie wohnt in Rehburg-Loccum und hat seit Längerem Kontakt zu dem Veranstaltungszentrum „Romantik Bad Rehburg“ und dessen Leiter Andreas Schnackenberg. Der hat noch im Jubiläumsjahr der Illustratoren eine Ausstellung mit ihren Werken im herrlich renovierten Badehaus des ehemaligen Kurortes möglich gemacht. Am Wochenende wurde sie mit feierlichen Reden, fröhlicher Musik und in Anwesenheit fast aller Bildgestalter eröffnet.

Es ist staunenswert und allemal eine Reise nach Bad Rehburg wert, was an unterschiedlichen Malweisen in der Schau zu sehen ist. Illustratoren erzählen in Bildern. Und wenn sie gut darin sind, sind sie stets auch Koautoren der Schriftsteller, deren Texte sie ins rechte Licht setzen und beleuchten. Ganz so, wie es ihr Berufsname, vom Lateinischen ins Deutsche übersetzt, verspricht. Aber sie illustrieren nicht nur fremde Texte, sondern auch eigene Ideen.

Christian Lindemann aus Burgdorf zum Beispiel, der für die „Neue Zürcher Zeitung“ arbeitet und in seinen Zeichnungen mit leichtem Strich die Welt poetisch verwandelt. Oder Tonia Wiatrowski aus Braunschweig, deren Illustrationen auf liebenswerte Weise entdecken, was skurril ist an Mensch und Tier. In den kleinen Schwächen und Eitelkeiten ihrer Protagonisten erkennen wir unsere eigenen wieder. Andere Illustratoren betreiben ihr Metier als kritische, wenn auch nicht weniger nachsichtige Karikaturisten, wie der zugleich als Pfarrer tätige Sisam-Ben, dessen Bildpersonal mitunter danach strebt, sich den Teufel durch tüchtigen Alkoholgenuss vom Leib zu halten.

Spricht man mit Vertretern dieses relativ neuen Berufsstands, zu dem inzwischen auch ein an manchen Akademien eingerichteter Studiengangs hinführt, wird deutlich, wie vielfältig die Arbeitsfelder der Illustratoren inzwischen geworden sind. Ihre Tätigkeit ist keineswegs mehr auf die des guten, alten Buchillustrators beschränkt. Illustratoren schaffen nicht allein Bilder für Buchtexte und Buchumschläge, sondern gestalten auch Titelbilder von Zeitschriften und Journalen und halten Filmszenen in Zeichnungen fest, die sie am Computer entwickeln. Sie visualisieren Stunts oder denken sich Fabelwesen für Animationsfilme aus. Auch aus der Werbung sind sie nicht wegzudenken. Jede Verpackung von Cornflakes oder irgendeines anderen Produkts trägt die Handschrift eines Illustrators. Er steht hinter jeder mit Bildern geschmückter Kaffeetasse, von der Flut bebilderter T-Shirts gar nicht erst zu sprechen.

Diese Arbeitsbereiche werden indes in Bad Rehburg so gut wie gar nicht sichtbar. Eine Ausnahme stellt die „Wonderwoman“ des in Hannover lebenden Bernd Struckmeyer dar. Die von ihm erfundene Superfrau wirbt für einen Paketdienst. Sie ist nicht nur sexy, sondern fliegt auch schneller als der Schall. Da dies unseren Wünschen nach schneller Bedienung entgegenkommt, wollen wir den von Struckmeyer geschaffenen Werbebildern nur zu gerne glauben.

Seine Kollegen aber stellen in der Schau eher freie Arbeiten vor, keine Auftragsarbeiten. Sie wollen mit ihnen den Betrachter von ihrem Können als Künstler überzeugen. Das gelingt ihnen mühelos, begreift man als Ausweis des Künstlerischen primär das handwerkliche Vermögen, die Beherrschung des Metiers und das Malenkönnen. Mit dieser Qualifikation sollte es Niedersachsens Illustratoren auch gelingen, sich bald einmal in Hannover vorzustellen. Und das nicht erst zu ihrem nächsten Jubiläum.

Bis 9. September im „Romantik Bad Rehburg“, Friedrich-Stolberg-Allee 4.

Michael Stoeber

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