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Kultur 400 Jahre und kein Stück älter
Nachrichten Kultur 400 Jahre und kein Stück älter
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10:05 27.07.2012
Mit seiner Frau Saskia erlebte der Barockmaler Rembrandt seine erfolgreichsten Jahre. Quelle: dpa
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Berlin

Als in Deutschland der Dreißigjährige Krieg tobte, muss Saskia Uylenburgh in Amsterdam so etwas wie ein Star gewesen sein – der leuchtende Stern der Kunstszene. Ihr Mann Rembrandt van Rijn (1606-1669) malte sie in immer neuen Rollen: mal als Göttin, mal als Prostituierte. Aufgrund dieses ständigen Verwandlungsspiels ist sie in jüngster Zeit mit Madonna verglichen worden. In jedem Fall war Saskia Uylenburgh eine ungewöhnlich starke Frau. Vor 400 Jahren ist sie geboren; am 2. August 1612 wurde sie getauft.

Saskia stammte aus Leeuwarden, Hauptstadt der niederländischen Provinz Friesland. Sie wuchs in einer wohlhabenden Familie auf, ihr Vater war Politiker. Mit 20 Jahren reiste sie nach Amsterdam, um dort einen Verwandten zu besuchen, den Kunsthändler Hendrick Uylenburgh. Der wiederum war Rembrandts Chef – so lernten sich die beiden kennen.

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Es muss Liebe auf den ersten Blick gewesen sein, denn obwohl Rembrandt nur ein Müllersohn war und sie deshalb ein Klassenunterschied trennte, setzte Saskia eine schnelle Verlobung durch. 1634 heirateten sie in einer kleinen Dorfkirche in Friesland, anschließend zog sie zu ihm nach Amsterdam.

Mit Saskia an seiner Seite erlebte Rembrandt seine größten Jahre. Vermutlich hat sie ihm dabei geholfen, seinen Kunstbetrieb zu organisieren, nachdem er sich 1635 selbstständig gemacht hatte. Mit seinen vornehmen Kunden konnte sie als Bürgermeistertochter viel besser umgehen. Rembrandt hatte die Tendenz, Auftraggeber durch seine Schroffheit zu vergraulen.

Eine barocke Schönheit

Ganz im Gegensatz zu ihrem knollennasigen Gatten war Saskia eine Schönheit – zumindest in den Augen des 17. Jahrhunderts. Auf ihre blasse Haut war sie stolz, denn sie war keine Bäuerin, die sich unter freiem Himmel braun brennen lassen musste. Nie wäre sie auf die Idee gekommen, ihr Doppelkinn zu verwünschen. Rundungen waren als Hinweis auf Fruchtbarkeit und Wohlstand geschätzt. Ein damaliger Bestseller-Autor beschrieb die Frau seiner Träume als „fett, fleischig und vollbusig“.

Es sieht ganz danach aus, dass Saskia das Leben in Amsterdam – der damals reichsten Stadt Europas – zu genießen verstand. Vielleicht war sie es, die Rembrandt dazu brachte, sich ein sündhaft teures Haus zu kaufen. Heute ist es ein Museum, und man kann sich anschauen, wie die beiden darin gelebt haben.

In Saskias Familie war nicht jeder mit ihrer Lebensweise einverstanden. 1638 verklagte Rembrandt zwei Verwandte – angeblich hatten sie behauptet, dass Saskia „mit Prunken und Prangen das Erbe ihrer Eltern verprasst/ habe. Rembrandt bestritt keineswegs, dass Saskia und er viel Geld ausgaben. Aber, so behauptete er, sie konnten es sich nun mal leisten. Der Richter sah es anders – Rembrandt verlor den Prozess.

Die große Tragödie in Saskias Leben war der frühe Tod ihrer ersten drei Kinder. Erst das vierte, ein kleiner Junge namens Titus, überstand das kritische Säuglingsalter. Dafür ging es nun mit Saskias Gesundheit bergab, vermutlich litt sie an Tuberkulose. Rembrandt hat sie oft auf dem Krankenbett gezeichnet – zusammen ergeben die Bilder eine verstörende Chronik des Verfalls.

Am 5. Juni 1642 unterzeichnete Saskia mit zitternder Handschrift ihr Testament; am 14. Juni starb sie, noch keine 30 Jahre alt. Rembrandt geriet dadurch in eine Schaffenskrise und malte zehn Jahre lang nur noch wenig. Bei den Sammlern blieben Saskia-Porträts gefragt. Die schönsten wurden im 18. Jahrhundert von deutschen Fürsten erworben und hängen deshalb heute in deutschen Museen.

dpa/mhu

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