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Kultur So feiern 78.000 Besucher das Hurricane Festival
Nachrichten Kultur So feiern 78.000 Besucher das Hurricane Festival
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16:07 25.06.2017
Quelle: Christoph Eisenmenger
Scheeßel

Natürlich hat jeder einige Auftritte von persönlichen Helden auf seiner Liste, die er auf keinen Fall verpassen will. Der Rest ist abhängig von Stimmungen und Zufällen. Gerade bei einer solchen Vielzahl von Bands lassen sich immer wieder Entdeckungen jenseits genereller Vorlieben machen. Dennoch: Mancher hört auf diesem Festival wohl fast nur Rap und Hip Hop, andere vor allem Punk in allen Facetten. Man könnte sich in diesem Jahr auch ein Programm mit Bands zusammenstellen, die alle deutsch singen – oder eines nur mit Exzentrikern.

Das Hurricane-Festival macht seinem Namen mal wieder alle Ehre: Nach dem Unwetter hat es sich eingeregnet. Die Besucher feiern die Acts, wie Alle Farben, Imagine Dragon und Clueso natürlich trotzdem.

Im vergangenen Jahr musste das Hurricane wegen Unwettern viele Auftritte absagen, oft in letzter Minute. Etliche der nicht zum Zug gekommenen Bands freuen sich offensichtlich, ihre Konzerte jetzt nachholen zu können – bei hartnäckigem Nieselregen zwar, doch ohne Blitz und Donner. Dazu zählen der britische Lagerfeuerpunk Frank Turner und die New Yorker Folkrocker Flogging Molly, die am Freitag auf der größten Bühne gemeinsam mit der Ska-Legende Rancid und den kalifornischen Pop-Punks Green Day einen klaren Akzent setzen: Mit unmissverständlicher Haltung vereinen sie Ausgelassenheit und politisches Engagement. Vor allem die immer wieder musikalisch als zu gefällig kritisierten Green Day überraschen mit einer zweieinhalbstündigen Feier von Toleranz und Anderssein. Ihre Außenseiter-Ballade „Boulevard Of Broken Dreams“ widmen sie allen Fremden, Spinnern und schrägen Typen.

Diesen roten Faden nehmen viele Kollegen während des Wochenendes immer wieder auf – keine Selbstverständlichkeit für ein Mainstream-Festival, dessen hauptsächlich junges Publikum den Ruf hat, vor allem eine gute Party zu suchen. Nicht nur die Londoner Crossover-Band The King Blues bekennt sich unmissverständlich zum Antifaschismus. Die Elektropunks Frittenbude singen ebenso gegen Hass und Ausgrenzung an wie die Heidelberger Irie Révoltés, für die das Festival Teil ihrer Abschiedstour ist. In einer kaum entrinnbaren deutsch-französisch gerappten Mischung Ska, Punk und Hip Hop geben sie ihre Parole aus: „Wir setzen alles in Bewegung!“ Andersartigkeit und Querdenken leben auf ihre ganz eigene Weise aber auch Musiker wie die Neuseeländerin Lorde, die Österreicher Bilderbuch, die Südafrikaner Die Antwoord oder die New Yorker Gipsy-Punks Gogol Bordello aus.

Dass musikalische Höhepunkte nicht immer das größte Publikum locken, zeigt die Begeisterung, die einige weniger bekannte Bands auf den kleinen Bühnen auslösen. Louis Berry aus Liverpool, David Hause aus Philadelphia und Nathaniel Ratleliff aus Denver beweisen auf ihre jeweils ausgesprochen charismatische Art, dass Soul, Folk, Blues und Rock’n’Roll keinesfalls altmodisch klingen müssen. Und Maximo Park stechen mit ihrer komplexen Mischung aus Brit Pop und Wave gerade deshalb aus der Masse der Bands heraus, weil sie sich nicht festlegen lassen: In treibenden, dynamischen, Haken schlagenden Songs erfinden sie ihr Genre immer wieder selbst – die Quintessenz der Verbindung von Party und Haltung, Inhalt und Form.

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Nächstes Festival: Am 1. und 2. September verabschieden sich Irie Révoltés mit einem eigenen kleinen Festival auf der Gilde-Parkbühne von ihrem Publikum in Hannover.

Von Thomas Kaestle

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