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Kultur 80 Jahre „Moorsoldatenlied“
Nachrichten Kultur 80 Jahre „Moorsoldatenlied“
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00:15 31.08.2013
In der Gedenkstätte Esterwegen können sich Besucher ausführlich über die Entstehung und Wirkung des „Moorsoldatenliedes“ informieren. Quelle: dpa
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Gedenkstätte Esterwegen

Geschrieben wurde der Protestsong von drei kommunistischen Häftlingen. Nicht spontan, sondern verfasst, um der Lager-SS zu beweisen, dass man sich nicht unterkriegen lässt.

Der Bergmann Johann Esser dichtete die Zeilen. Der Schauspieler Wolfgang Langhoff überarbeitete den Text, Rudi Goguel, ein kaufmännischer Angestellter, schrieb die Melodie dazu. Ein melancholisches und zugleich Mut machendes Lied, das bei seiner ersten Aufführung im August 1933 vor Wachmannschaften und Häftlingen seine Wirkung nicht verfehlte, wie Langhoff in seinem Buch „Die Moorsoldaten“ von 1935 beschreibt: „Wir sangen, und bereits bei der zweiten Strophe begannen die fast 1000 Gefangenen den Refrain mitzusingen. Ich sah den Kommandanten. Er saß da, den Kopf nach unten, und scharrte mit dem Fuß im Sand. Die SS still und unbeweglich. Ich sah die Kameraden. Viele weinten.“

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Kurze Zeit später wird es im Lager verboten – doch da ist es schon zu spät: Das Lied verbreitet sich in anderen Konzentrationslagern wie Oranienburg, Sachsenhausen, Buchenwald und Auschwitz. In Frankreich wird es als „Chant des Marais“ zum Lied der Resistance, in Spanien singen es die Internationalen Brigaden als Mutmacher im Bürgerkrieg.

Rund 1000 Fassungen

Bis heute gibt es rund 1000 Fassungen, vom Kampfgruppenorchester von Radio DDR bis zu den Toten Hosen. Zu den bekanntesten gehören die von Ernst Busch und Pete Seeger. In der DDR prägt der Komponist Hanns Eisler die Hörgewohnheiten. Er erzeugt durch rhythmische Änderungen mehr Dynamik, sodass die „Moorsoldaten“ laut Eisler „zu den schönsten revolutionären Liedern der internationalen Arbeiterbewegung“ werden. Rudi Goguel ist davon nicht begeistert. „Die ersten drei Töne sind bewusst monoton gehalten, um den Marschtritt der Häftlinge zu versinnbildlichen. Bei Eisler ist es verändert worden und drückt nicht mehr ganz das aus, was wir uns ursprünglich gedacht haben.“

Liedermacher wie Hannes Wader und Hein Kröher sorgen in den siebziger Jahren für die Verbreitung im Westen. Kröher erinnert sich an Auftritte in der DDR: „Die ,Moorsoldaten‘ sangen wir sehr verhalten, die Melodie begleiteten wir mit kargen Akkorden. In der DDR, wo dieses Lied oft schwülstig vorgetragen wurde, hatte diese Version eine große Wirkung.“ Im Osten Deutschlands kannte das Lied jedes Kind, es war Pflichtstoff im Musikunterricht. Heute ist es in Frankreich populärer als in Deutschland – das ist der Eindruck von Rudi Goguels Sohn Thomas, der als Rechteinhaber jährlich an der Abrechnung der Tantiemen durch die Gema sehen kann, dass es in Frankreich wesentlich häufiger gespielt wird.

In der Gedenkstätte Esterwegen können sich Besucher ausführlich über die Entstehung und Wirkung des „Moorsoldatenliedes“ informieren. Für Gedenkstätten-Mitarbeiter Fietje Ausländer erklärt sich der internationale Erfolg neben der eingängigen Melodie aus dem Text: „Die Zeile ‚Ewig kann nicht Winter sein / Einmal werden froh wir sagen / Heimat, du bist wieder mein‘ versteht eben jeder sofort.“

Eine Doppel-CD mit 32 Fassungen des Moorsoldatenliedes kann bei der Gedenkstätte für 21 Euro (marianne.buck@gedenkstaette-esterwegen.de, Telefon 0 59 55 / 98 89 50) bestellt werden. Dort gibt es auch Langhoffs Buch für 14,50 Euro plus Porto.

von Joachim Göres

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