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Kultur „Achim Seifert Project“ zu Gast im Jazzclub Hannover
Nachrichten Kultur „Achim Seifert Project“ zu Gast im Jazzclub Hannover
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18:20 16.01.2012
Von Sophie Hilgenstock
Foto: Das „Achim Seifert Project“ spielt am Montag im Jazzclub Hannover.
Das „Achim Seifert Project“ spielt am Montag im Jazzclub Hannover. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Achim Seifert und der E-Bass, das war keinesfalls Liebe auf den ersten Blick. „Ich habe dieses Instrument eher aus der Not heraus gewählt“, sagt Seifert. Damals, als er 13 war, gründete er mit zwei Kumpels eine Rockband, und da die anderen Gitarre und Schlagzeug favorisierten, erbarmte sich Achim für den Bass. An der Musikschule Hildesheim paukte er die Technik, und zu Hause im 500-Seelen-Dorf Wallenstedt machte er Rock – bis Lars Hansen in sein Leben trat.

Der bekannte Bassprofi übernahm den Unterricht des damals 16-Jährigen, schenkte ihm eine CD des US-amerikanischen Jazzbassisten Jaco Pastorius und weckte Seiferts Interesse für Jazz. „Mit dieser CD fing alles an“, sagt Seifert, der  heute – zehn Jahre später – seine Profikarriere als Jazzbassist anschiebt. Bis hierhin war es jedoch ein langer Weg.

Seifert, 1985 geboren, wuchs in einem musikalischen und multikulturellen Elternhaus auf. Sein Vater stammt aus der Türkei, ist professioneller Schlagzeuger und hat eine Band, die bei ihm im Keller probt – und die den Sohn nachhaltig prägt. „Bei einem Kollegen von Papa habe ich gesehen, dass man als Bassist mehr tun kann, als nur zu begleiten“, sagt Seifert. Seither habe er den Ehrgeiz, sein Instrument im Vordergrund zu spielen und „das Ganze auch professionell zu machen“.

Als erste Hürde muss er dafür die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule bestehen. Seifert bereitet sich lange darauf vor, lernt neben E-Bass, E-Gitarre und Schlagzeug auch Klavier zu spielen, und hat 2006 schließlich Erfolg. Nicht nur Hannover schickt ihm eine Zusage, auch Hamburg – doch er entscheidet sich gegen die Hansestadt und für die Stadt an der Leine, weil er nur hier den Schwerpunkt auf E-Bass legen kann. Auch an der Musikhochschule Hannover treffen Seifert und Hansen wieder aufeinander, der eine als Student, der andere als Dozent und Mentor.

„Im Studium wollte ich es richtig wissen“, erinnert sich der junge Bassist. Er habe viel geübt – bis zu acht Stunden am Tag –, habe Kontrabass gelernt und einige Konzerte gegeben. Im Jahr 2009 erhält Seifert überraschend ein Stipendium am Berklee College of Music in Boston. Ein Jahr lang studiert er drüben, er beschreibt es als seine bislang „prägendste, inspirierendste Zeit“. „Die Amerikaner nehmen Jazz einfach ernster als die Deutschen“, sagt Seifert.

Die Ausbildung am Berklee College ist anspruchsvoll, Seifert lernt die Nächte durch und muss drei Mal pro Woche zur Gehörbildung. „In Amerika hat man mir meine Ohren aufgemacht und meine Antennen aufgestellt“, sagt Seifert. In Boston lernt er von internationalen Bassgrößen wie Lincoln Goins, Oscar Stagnaro oder David Fiuczynski, ab und zu darf er bei ihren Gigs auch mitspielen, etwa im legendären Jazzclub „Wally’s“.

Als Seifert zurück nach Deutschland kommt, hat er nur eins im Kopf: Seine erste CD. Die Songs dafür hat er bereits in Amerika geschrieben, es ist moderner Jazz mit Spuren von Drum ´n` Bass, Electronic und Rock. Zu Hause trommelt Seifert ein paar Musiker zusammen, gründet eine Band namens „Achim Seifert Project“ und nimmt „Plans to wake up on a beach“ auf. „Ich wollte endlich meine eigene Musik auf CD bannen“, erklärt er. Dass sein Jazz auch ankommt, konnte er im November 2010 beweisen: Auf den Leverkusener Jazztagen wird er mit dem Preis future sounds ausgezeichnet.

Inzwischen hat Seifert nicht nur ein Label gefunden, das seine erste Platte offiziell produziert, sondern auch die eigene Diplomarbeit über das Debüt geschrieben. Diplombassist darf sich Seifert jedoch erst nennen, wenn er am 16. Januar den Praxistest bei einem Konzert im Jazzclub besteht. An jenem Abend spielt er nicht nur um gute Noten, Seifert möchte mit seiner Musik vor allem eines erreichen: Ein neues Bewusstsein für Jazz. „Wir müssen weg von den verstaubten Klischees, Jazzmusik hat so viel mehr zu bieten“, sagt der 26-Jährige. „Ich werde für den modernen Jazz eine Lanze brechen.“

Von Sophie Hilgenstock

Das „Achim Seifert Project“ spielt am Montag, 16. Januar 2012, um 20.30 Uhr im Jazzclub Hannover, Am Lindener Berge 38. Die Karten kosten 15 Euro, ermäßigt 10 Euro.

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